| 20:21 Uhr

VHS-Projekt
Großes Interesse an Leuchtturmprojekten

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans, Doris Pack, Präsidentin des Verbands der Volkshochschulen (VHS) des Saarlandes, und Ulrike Heidenreich, Leiterin der VHS Merzig-Wadern (v. l. n. r.), im Gespräch mit Muktar Mohammed und den Sprechern der Firma inexio, die live zugeschaltet waren.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans, Doris Pack, Präsidentin des Verbands der Volkshochschulen (VHS) des Saarlandes, und Ulrike Heidenreich, Leiterin der VHS Merzig-Wadern (v. l. n. r.), im Gespräch mit Muktar Mohammed und den Sprechern der Firma inexio, die live zugeschaltet waren. FOTO: Regionalverband/Stephan Hett
Merzig/Saarlouis. Bundespräsident Steinmeier lobt bei seinem Antrittsbesuch auch zwei Projekte der Volkshochschule Merzig.

Im Rahmen seines Antrittsbesuches war Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auch beim Verband der Saarländischen Volkshochschulen zu Gast. In Form eines Rundgangs durch einen „Markt der Möglichkeiten“ haben sich der Bundespräsident, dessen Ehefrau Elke Büdenbender und Ministerpräsident Tobias Hans über aktuelle Projekte in der saarländischen VHS-Landschaft informiert.


Ulrike Heidenreich, Leiterin in der Volkshochschule Merzig-Wadern, stellte dem Bundespräsidenten das Projekt „Mit Sprachkompetenz in den Saar-Arbeitsmarkt integrieren“ (die SZ berichtete) vor, das von der Globus-Stiftung finanziert wurde. An drei saarländischen Volkshochschulen hatten fünf berufsorientierte Sprachkurse mit Einzelcoachings und Betriebspraktika für junge Geflüchtete stattgefunden. Voraussetzung war, dass die Teilnehmenden erfolgreich einen Integrationskurs durchlaufen und mindestens mündliche Sprachkompetenzen auf dem Niveau B1 nachgewiesen hatten. Absolventen der Stufe B1 können sich im Alltag, auf Reisen und im eigenen Interessengebiet verständigen und dabei über Erlebnisse berichten, Ziele beschreiben und Ansichten begründen. Das Sprachniveau B1 umfasst zudem alle wichtigen grammatischen Strukturen.

Die Kursangebote der Volkshochschulen konnten zusammen mit den Praktikumsplätzen der Betriebe einen entscheidenden Beitrag leisten, um junge Geflüchtete in den saarländischen Arbeitsmarkt und damit in ihr neues Umfeld insgesamt zu integrieren. Von 59 Teilnehmenden haben 39 Menschen entweder eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, eine Ausbildung, ein Studium oder eine weiterführende berufsbezogene Qualifizierung begonnen. „Es ist aus unserer Sicht nicht übertrieben, von einem Leuchtturmprojekt zu sprechen“, betonte Ulrike Heidenreich gegenüber den Politikern. Als Partner im Projekt hatte die Volkshochschule Merzig-Wadern 26 junge Flüchtlinge darauf vorbereitet, einen ersten wichtigen Schritt zu einer Ausbildung oder Beschäftigung auf dem saarländischen Arbeitsmarkt zu gehen.

In einer Live-Schaltung zum ehemaligen Projektteilnehmer Muktar Mohammed, der nun eine Ausbildung als IT-Systemelektroniker bei der Saarlouiser Inexio Informationstechnologie und Telekommunikation GmbH absolviert, erfuhren der Bundespräsident und seine Begleiter aus erster Hand, wie das Projekt ihm dabei geholfen hat, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Ebenfalls aus Saarlouis zugeschaltet waren Victoria Keipinger, Kommunikationsleiterin bei Inexio, und Christian Müller, Abteilungsleiter von Muktar Mohammed.

Aus Eritrea geflüchtet, war Muktar Mohammed 2014 nach Deutschland gekommen. Die Sprachprüfung hatte er bereits im Sommer 2016 bestanden, sodass der heute 27-Jährige ab Juli 2016 am Merziger Projekt teilnehmen konnte. Im Rahmen dessen absolvierte er ein Praktikum bei Inexio, wo man ihm aufgrund seiner Leistungen einen Ausbildungsplatz anbot. „Durch das Praktikum konnte ich das Team von Inexio von mir und meinen Fähigkeiten überzeugen“, berichtet Muktar Mohammed. „Für uns als junges Team ist es wichtig, motivierte und flexible Mitarbeiter zu finden. Wir sind aufgeschlossen gegenüber allen Menschen, egal woher sie kommen. Muktar passt sehr gut zu uns“, betonte die Kommunikationsleiterin.



VHS-Leiterin Ulrike Heindenreich wies darauf hin, dass man im Saarland durchaus viele Arbeitgeber finde, die gerne bereit seien, junge Migranten zu beschäftigen. Das erkläre nicht zuletzt den großen Vermittlungserfolg von über 60 Prozent. Frank Walter Steinmeier zeigte sich „hocherfreut“ über die „beispielhafte Integrationsmaßnahme“ und wollte wissen, ob ein solches Ergebnis von der „entsprechenden Manpower“ abhänge. Nicht ohne Stolz wies Ulrike Heidenreich darauf hin, dass bei der VHS Merzig-Wadern ein kleines Team von drei Mitarbeitern das Projekt gestemmt habe.

„Entscheidend zum Erfolg der Teilnehmenden haben die Einzelcoachings mit Sozialarbeitern beigetragen“, erläuterte sie den besonderen Schwerpunkt des Projekts. „Hier wurden individuelle Kompetenzprofile erstellt und passgenaue Anforderungen an die Praktika definiert. In den Coachings konnten den Teilnehmenden zudem konkrete Perspektiven vor dem Hintergrund der eigenen Bildungs- und Berufsbiografie aufgezeigt werden. Wichtige Themen waren darüber hinaus die Mechanismen des deutschen Arbeitsmarktes sowie insbesondere des dualen Ausbildungssystems.“

„Wir brauchen das offene Gespräch in einer demokratischen Gesellschaft wie dieser, und ich glaube dafür brauchen wir die Volkshochschulen“, sagte Frank-Walter Steinmeier in seiner Rede. Nicht zuletzt mit Blick auf die in Saarbrücken vorgestellten Projekte sei er „höchst dankbar, dass es Volkshochschulen gibt“. „So rasch, wie sich die gesellschaftlichen Verhältnisse und Herausforderungen verändern, wird der Bedarf, wird die Nachfrage nach den Angeboten der Volkshochschulen noch steigen“, so der Bundespräsident.

Dem stimmte Ministerpräsident Tobias Hans zu, der die Volkshochschulen als „Orte der Demokratie“ bezeichnete. Diese seien auch „Orte der wahrhaftigen Teilhabe, gleich ob jemand eine andere Religion hat oder anderer Herkunft ist – eben einen Migrationshintergrund mitbringt.“