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Tasso in Aktion: Graffiti-Kunst ziert die Woolworth-Wände

Tasso in Aktion : Graffiti-Kunst ziert die Woolworth-Wände

Graffiti-Künstler Tasso verewigt sich mit seinen bunten Werken auf den Flächen des Merziger Kaufhauses.

Der Sprayer Tasso ist ein Meister seines Fachs in Sachen Graffitis. In nur vier Tagen hat er die weiße Seitenwand des Merziger Woolworth in ein großes ab
straktes Kunstwerk umgewandelt. Daneben ziert ein deutlich kleineres Graffiti die Wand, von einem unbekannten Sprayer irgendwann einmal in einer Nacht-und Nebelaktion angebracht.
Hausbesitzerin Dorothee Wegner ist ein Fan von Tasso. Die Geschäftsleitung von Woolworth und Jens Müller – so heißt der Graffiti-Künstler eigentlich mit bürgerlichem Namen – entschieden sich, diese durchaus gelungene wenn auch illegale Sprayer-Arbeiten stehen zu lassen.
Tasso ist nicht das erste Mal in Merzig. Er wirkte wesentlich an der künstlerischen Gestaltung der Eisenbahnunterführung Richtung Stadtpark mit und führte auch schon den ein oder anderen Workshop in der Region durch. Auch wirkt er bei der Urban Art-ausstellung im Weltkulturerbe ‚‘Alte Völklinger Hütte mit.

„Im Saarland fühle ich mich richtig wohl. Land und Leute gefallen mir gut, und ich lasse mich gerne beim Arbeiten vom atmosphärischen Umfeld inspirieren. Tasso kommt aus Meerane in der Umgebung von Zwickau. Mitte der achtziger Jahre, inspiriert von Filmen wie Beat Street, Style Wars oder Wild Style begann Tasso mit Graffiti. Doch erst nach dem Fall der Mauer, als es endlich wieder Spraydosen zu kaufen gab, startete er richtig durch. Zuerst waren es meist Schriftzüge, dann aber auch immer häufiger Characters (Figuren). Irgendwann wagte er sich dann erstmals an ein Graffiti nach Vorlage eines Fotos. Dies ließ in nicht mehr los. Er entwickelte seinen fotorealistischen Stil und nannte ihn Graffoto, was so auch im Großen Graffiti-Lexikon Erwähnung fand.

Nachdem Tasso immer häufiger auf das Gestalten von Garagentoren und privater Wände angesprochen wurde, folgte im Jahr 2000 der Schritt in die Selbstständigkeit als freischaffender Künstler. Nach und nach wurden die Wände zu ganzen Fassaden, und nach und nach kamen die Auftraggeber aus ganz Deutschland und sogar aus dem Ausland.

Trotz Auftragsgraffiti vernachlässigte er die Szene nicht und gründete 2001 die Künstlergruppe „Ma`Claim“, die weltweit als eine der Vorreiter und Wegweiser für fotorealistisches Graffiti gilt. Gemeinsam und solo sprayten sie weltweit auf großen Events und zeigten auch ihre Graffitileinwände bei verschiedenen Ausstellungen und in Galerien. So sind Tassos Arbeiten, in vielen Magazinen und Büchern erschienen, Vorbild für etliche junge Künstler und Illusionsmaler. 2006 erschien das Buch ‚‘Ma‘ Claim - finest photorealistic Graffiti`` im Verlag Publikat.

Gemeinsam mit der Firma L&G entwickelte die Gruppe auch die Spraydose „Montana Gold“, welche mit ihren exzellenten Farbreihen und Sprüheigenschaften mit zu den Marktführern auf dem Graffitimarkt wurde. Da auch Graffiti auf Leinwand inzwischen durch zahlreiche Szenengrößen salonfähig geworden ist und bei der „Art Basel“ oder bei „Sotheby`s“ Höchstpreise erzielt, ist mit diesem Boom auch das Interesse an Workshops enorm gestiegen. Schulen und Vereine buchen Tasso, um Jugendlichen den kreativen Umgang mit der Spraydose zu zeigen.

Doch auch Erwachsene zeigen immer häufiger Interesse an Aerosol- bzw. SpraycanArt. So führt Tasso mit Fachfirmen im In- und Ausland Schausprühen durch, bei dem die Teilnehmer das Arbeiten mit der Dupli-Platinum-Dose lernen. Inzwischen war Tasso in mehr als 16 Länder in Sachen Graffiti unterwegs.

Sein Repertoire reicht von riesigen fotorealistischen Porträts über rein dekorative Elemente und Hausfassaden mit optischen Täuschungen im Stil des Trompe l‘Oeil (eine illusionistische Malerei, die mittels perspektivischer Darstellung Dreidimensionalität vortäuscht) bis hin zu werblichen Wandbemalungen. Gerne widmet er sich in seiner Freizeit auch verstärkt der Arbeit mit der Spraydose auf Leinwand, wo er seine eigentlichen Ideen als Künstler besser verwirklichen kann.

Vom Feedback im Saarland ist Tasso jedes Mal neu begeistert, sagt er. Schon jetzt freut er sich auf neue Aufträge, um dabei noch mehr das saarländische Savoir-Vivre erleben zu können.