1. Saarland
  2. Merzig-Wadern
  3. Merzig

„Glenn Miller ist wie Bach oder Beethoven“

„Glenn Miller ist wie Bach oder Beethoven“

2000 Konzerte mit insgesamt 1 500 000 Besuchern, so lautet die beeindruckende Bilanz seit dem Jahr 1985. Es sind Zahlen, die für sich sprechen. Am 21. Januar kommt das Glenn Miller Orchestra auch nach Merzig. Ab 20 Uhr ist die legendäre Musik des im Jahr 1944 bei einem Flugzeugabsturz verstorbenen Künstlers Glenn Miller in der Stadthalle zu hören. Die SZ hat sich mit Orchesterchef Will Salden unterhalten.

Sie sind Berufsmusiker mit einer fundierten Ausbildung. Wie sind Sie dazu gekommen, Musik zu einem großen Teil ihres Lebens zu machen?

Will Salden: Das ist etwas, was man nicht von vorn herein planen kann. Wie jeder weiß, ist es in der Musikerbranche nicht einfach zu bestehen. Man muss schon etwas Glück haben. Bei der Entwicklung von meiner Big Band hat es sich so ergeben, dass der Terminkalender immer voller wurde. Darüber bin ich natürlich sehr glücklich. Es macht mir riesig Spaß, Menschen mit unserer Musik zu unterhalten. Dass Musik einen großen Teil meines Lebens umfasst, macht mich glücklich.

Welche Art von Werken spielen Sie besonders gerne?

Salden: Natürlich muss es Swing sein, aber auch die Big-Band-Besetzung ist für mich wichtig. Das Repertoire aus den 40er Jahren mit all seinen Interpreten und Bandleadern liebe ich am meisten. Es gibt eine riesige Auswahl von Titeln aus dieser Zeit, auch das American Songbook gehört dazu.

Was bedeutet für Sie persönlich Glenn Miller und seine Musik und welche Grundidee liegt ihrem Orchestra zu Grunde?

Salden: Schon als Kind und vor allem als Musikstudent war ich Fan der Sweet- und Swing-Musik der vierziger Jahre. Für mich ist Glenn Miller der prägnanteste Vertreter dieser Musik. Das Besondere an der Musik von Glenn Miller ist, dass es eine Kombination von kommerzieller Präsentation mit enorm hoher Qualität ist. Das trifft nur selten zusammen. Glenn Miller hatte ein sehr gutes Gefühl dafür, den Leuten das zu geben, was sie haben möchten, und das mit sehr gut geschrieben Arrangements und wirklich ausgezeichneten Musikern. Mein Wunsch war und ist, denselben Stil und dieselbe Perfektion zu präsentieren.

Wie unterscheidet sich das Glenn Miller Orchestra vom Original von damals? Wurden in der Zusammensetzung Änderungen vorgenommen oder ist alles wie damals vor über 60 Jahren?

Salden: Ich lege Wert darauf, die Musik Glenn Millers in der Originalbesetzung wieder aufleben zu lassen. Zwar hat die Entwicklung der Jazzmusik in den letzten Jahrzehnten auch Einfluss auf die Ausbildung und Spielart der Musiker genommen, doch mein Ziel war und ist eine perfekte Darbietung des Originalsounds.

Können Sie in einigen Sätzen den Werdegang des Glenn Miller Orchestra beschreiben?

Salden: Im Jahre 1978 begann ich mit meinen Glenn Miller Studien. 1982 nahm ich die Verwirklichung meines Ziels in Angriff und begann damit, die Musiker für das Glenn Miller Orchestra zu suchen. Dabei übernahm ich Glenn Millers Idee und ließ Topmusiker, alles Solisten und studierte Musiker , aus bestehenden Orchestern vorspielen und verpflichtete gefragte Spitzenleute, die musikalisch und menschlich zu meinem Projekt passten.

Was fällt für Sie als Orchesterleiter des Glenn Miller Orchestra alles in Ihren Tätigkeitsbereich?

Salden: Vieles, und zum Teil ganz andere Sachen als vom Publikum angenommen wird. Da sind z.B. die kleinen und großen Probleme der Musiker , die der Orchesterleiter auch lösen muss oder - und nicht zuletzt - auch die Vorbereitungen treffen, die nichts mit dem musikalischen Bereich zu tun haben.

Fester Bestandteil Ihrer Konzerte ist die Big-Band-Musik anderer Orchesterleiter. Nach welchen Kriterien werden solche Stücke ausgesucht?

Salden: Bevor Glenn Miller ein eigenes Orchester gründete und seine Musik präsentieren konnte, hat er mit anderen bekannten Musikern gespielt. Die Arbeit mit den weltbekannten Musikern hat ihn geprägt, und so spielen wir auch Stücke von Dorsey, Goodman, Count Basie, um den musikalischen Reichtum der Glenn-Miller-Zeit in den 40er Jahren zu zeigen.

Höhepunkte sind aber immer noch die bekanntesten Sachen wie zum Beispiel Glenn Millers Erkennungsmelodie "Moonlight Serenade" oder "In The Mood"?

Salden: Ohne diese Stücke ist kein Glenn-Miller-Konzert denkbar. Diese Musik wird in die Musikgeschichte eingehen wie Mozarts "Kleine Nachtmusik". Glenn Miller - mit Verlaub - ist wie Bach oder Beethoven, klassisch eben.

Ein großer kommerzieller Erfolg waren die Medleys klassischer Musik, die von einigen Orchestern popartig präsentiert wurden, wie zum Beispiel Hookes On Classics. Könnten Sie sich vorstellen, klassische Musik einmal im Glenn-Miller-Sound zu arrangieren?

Salden: Das hat Glenn Miller selber schon gemacht. Er hat z.B. Beethoven im Big-Band-Sound gebracht, aber er hat diesen Weg nicht fortgesetzt und es ist nicht typisch für ihn.

Bedingt durch die extreme Tourneetätigkeit, die Sie haben, könnte ich mir vorstellen, dass es immer wieder zu Wechseln in der Besetzung kommt. Gibt es da Probleme mit dem Nachwuchs?

Salden: Es gibt leider immer wieder Musiker , die nach einiger Zeit bei uns aufhören, weil wir zu viel unterwegs sind. Dadurch müssen dann neue Leute eingearbeitet werden. Das hat auch den Vorteil, dass man immer auf unsere "alten" Musiker zurückgreifen kann, die das Repertoire kennen, wenn man vor und während einer Tournee z.B. durch Krankheit Schwierigkeiten mit der Besetzung hat.

Wie viele Tage im Jahr ist das Glenn Miller Orchestra unterwegs, was würden Sie als größten beruflichen Erfolg bezeichnen und gibt es ein Traumziel?

Salden: Wir sind rund 130 Tage im Jahr mit Auftritten in ganz Europa unterwegs. Mein größter Stolz ist, dass ich schon über 25 Jahre mit meiner Band erfolgreich in ganz Europa unterwegs bin. Da gibt es nicht so viele, die das sagen können. Viele Musiker versuchen Jahre lang, meistens vergeblich, eine Band professionell aufzubauen. Mein Traumziel ist, gesund zu bleiben, noch für viele Jahre so einen voll besetzten Terminkalender zu haben und vor allem in allen Ländern unsere treuen Fans mit der Musik zu erfreuen.

Wie gestalten Sie Ihre Freizeit?

Salden: Die Balance zwischen Arbeit und Freizeit/Hobby muss man schon beachten, fällt aber auch nicht immer leicht. Als Orchesterleiter und Mitinhaber unserer Firma ist es natürlich nicht so, dass ich nicht arbeite, wenn ich nicht unterwegs bin und auf der Bühne stehe. Hobbys klären sich natürlich von selbst, wenn man etwas älter wird. Früher habe ich leidenschaftlich Fußball gespielt, aber so langsam ist das nicht mehr so vernünftig, und ich muss andere Sachen machen, z.B. spazieren gehen und wandern. Das kann ich auch ganz gut, wenn ich unterwegs bin. Zu diesem Sport brauch ich keinen Fußballverein und Fußballplatz mehr, ich laufe vom Hotel zum Konzerthaus und abends wieder zurück. Außerdem steht die Fitnessabteilung im Hotel auch meistens zur Verfügung: Ich nutze dieses Angebot leider noch viel zu wenig, aber was nicht ist, kann noch werden . . .

Eintrittskarten gibt es im Vorverkauf in Merzig bei Kultopolis, Schankstraße 42, Wochenspiegel, Trierer Straße 10, sowie in allen bekannten Vorverkaufsstellen. Karten gibt es auch bei der Ticket-Hotline

Kaum einer hat den Swing so geprägt wie Miller. Foto: Veranstalter Foto: Veranstalter

(06 51) 9 79 07 70.