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Geplantes Seniorenheim sorgt für Diskussionen

Geplantes Seniorenheim sorgt für Diskussionen

Als Ersatz für das in die Jahre gekommene Heinrich-Albertz-Haus plant die Awo einen Neubau auf der Klosterkuppe. Bei einer Infoveranstaltung im Merziger Vereinshaus wurde das Projekt vorgestellt (die SZ berichtete kurz). Baubeginn soll im nächsten Juli sein, die Fertigstellung ist für 2019 geplant.

109 Plätze, 75 Vollzeitkräfte, vier Gebäude , ein Seniorenzentrum: Der saarländische Landesverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) plant den Neubau eines Pflegeheims für Senioren und Menschen mit Behinderungen auf der Klosterkuppe in Merzig . Dabei soll der neue Gebäudekomplex laut dem Awo-Landesvorsitzenden Marcel Dubois das in die Jahre gekommene Heinrich-Albertz-Haus am Stadtwald ersetzen.

Das erklärte Dubois auf einer Infoveranstaltung am Montagabend im Merziger Vereinshaus, bei der auch Merzigs Bürgermeister Marcus Hoffeld (CDU ) anwesend war. Den Standort auf der Klosterkuppe habe die Awo gewählt, erläuterte Dubois, aufgrund ihrer zentralen Lage.

Ältere Leute sollen so leichter zu Fuß in die Innenstadt kommen. Gleichzeitig ist vorgesehen, das neue Haus mit einem Wintergarten und einer Cafeteria im Eingangsgebäude zur Begegnungsstätte zu machen. Zudem soll das Pflegeheim über eine Station zur Betreuung Demenzkranker verfügen. Was die Planung angeht, so versicherte Architekt Siegmar Ahr, dass das Awo-Zentrum so entworfen werde, dass es sich in die Umgebung einfüge.

Der Landschaft angepasst

So würde etwa die Höhe des Seniorenhauses der Landschaft und den umliegenden Häusern angepasst, sodass die neuen Gebäude nicht aus dem Gebiet hinausragten. Die Gesamtkosten für das Bauvorhaben bezifferten Ahr und Dubois auf 11,7 Millionen Euro. Wenn alles glattgeht, sollen die Bauarbeiten am 1. Juli nächsten Jahres beginnen, die Eröffnung ist für Anfang 2019 geplant. Doch gegen diesen Plan regt sich Widerstand: Die Anwohner der Schillerstraße, vertreten durch die Bürgerinitiative "Klosterkuppe/Schmittengewännchen - Schutz für Mensch und Natur", sind darum besorgt, dass ein Bauvorhaben auf der Klosterkuppe unweigerlich die Verkehrslage in ihrer Straße verschlimmern werde. Schon 2013 stellten sich die Bürger gegen die Investorengesellschaft Areal Fellenberg GmbH, die auf der Klosterkuppe und dem Schmittengewännchen ein Neubaugebiet plante. Hoffeld und die Vertreter der Awo distanzierten sich von den Plänen der vorigen Bauherren .

Sie versicherten, dass alles unternommen werde, um den zusätzlichen Verkehr so gering wie möglich zu halten. Dennoch machten sie deutlich, dass es keine andere Möglichkeit gebe, als den Zugang zu dem Neubaugebiet über die Schillerstraße zu regeln. Die von vielen Anwohnern vorgeschlagene Anbindung über die Torstraße/Losheimer Straße sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. Die Planung sei jedoch so angelegt, dass sie eine mögliche Anbindung über die Trasse miteinbeziehe, sollte dies in Zukunft möglich sein.

Besonders deutlich sprach sich an dem Abend Inge Beducker, Sprecherin der Bürgerinitiative, gegen die Pläne von Stadt und Awo aus. Für sie ist alles nur "Augenwischerei". Beducker warf den Verantwortlichen vor, "einfach losgeplant" zu haben. Die BI-Sprecherin erinnerte Hoffeld an sein Versprechen von 2013, in Merzig werde nicht mehr "gewurschtelt". Hoffeld verwies darauf, dass Infoveranstaltungen wie die am Montagabend eben genau diesem Verdacht entgegenwirken sollten.

Meinung:

Anwohner ins Boot nehmen

Von SZ-Mitarbeiter Martin Trappen

Wohnen und Pflege in guter Nachbarschaft hat sich die Awo für den Bau ihres Seniorenzentrums im Bereich der Klosterkuppe auf die Fahnen geschrieben. Damit das gelingt, bedarf es noch einer Menge Arbeit. Denn die Gemüter der Anwohner waren am Montagabend zunehmend erhitzt. Wenn es um Antworten auf dringende Fragen ging, wichen Bürgermeister Hoffeld und die Vertreter der Awo immer wieder aus.

Zu vage blieben die Ausführungen, wiederholt hieß es, man "mache sich Gedanken". Auch beriefen sich die Planer mehrmals auf verschiedene Gutachten, ein Wort, dem die Anwohner längst misstrauen. Sie fürchten schlicht eine höhere Pkw-Dichte in ihren schon überlasteten Wohnstraßen.

Mangels konkreter Erläuterungen verpassten Verwaltung und Awo die Gelegenheit, Kritik zu entkräften und die Bürger zu beruhigen. Das Gefühl der Anwohner, bedrängt zu werden und dass ihnen hier etwas vor die Nase gesetzt wird, ist durchaus nachzuvollziehen. Awo und Stadt müssen dringend nachbessern und die Sorgen der Anwohner berücksichtigen, sonst ist das an sich begrüßenswerte Projekt zum Scheitern verurteilt.