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| 19:08 Uhr

Geist der Revolution ergriff auch die Merziger

Merzig. Diese Vorkommnisse waren Gegenstand eines Briefwechsels zwischen dem Vorsteher der Stadt Merzig und dem Rat des Distrikts Saarlouis. Dieser vermittelt einen interessanten Blick auf die damaligen Verhältnisse in unserer Gegend. Der Saarlouiser Distriktrat betont in seiner Antwort, dass "es nicht in der Absicht der großen französischen Nation liege, friedliche Nachbarn zu bedrängen". Andererseits müsse man sich jedoch jede Provokation von kurtrierischer Seite verbitten. Volkmar Schommer

Diese sei darin zu sehen, dass die Merziger entgegen dem bestehenden Verbot versucht hätten, Lebensmittel aus lothringischem Gebiet auszuführen. Daneben habe ein Merziger Bürger zusammen mit etlichen Leuten vom Bietzer Berg den Ponton von der Fremersdorfer Fähre entfernt. Der von Saarlouis daraufhin getätigte Vorstoß gegen Merzig hätte keineswegs die Behelligung friedlicher Bürger zum Ziel gehabt, sondern sich vielmehr gegen ein Depot, das der Verpflegung der österreichischen Truppen gedient habe, gerichtet.

Es hat den Anschein, als ob sich von August bis September 1792 hier in der Merziger Region in der Hauptsache eine Art Bandenkrieg abspielte, an dem sich auf französischer Seite keine regulären Truppen , sondern vielmehr "allerlei von der Revolution an die Oberfläche getriebenes Gesindel" beteiligt hatte. Wenn diese Vorkommnisse auf den Verlauf der Gesamtkriegsführung auch keinen Einfluss nahmen, so hielten sie die Bevölkerung von Merzig und Umgebung doch dauernd in Spannung und Aufregung.

Zwischenzeitlich waren allerdings zwei Kompanien Trierischer Soldaten zum Schutz der bedrohten Grenze nach Merzig beordert worden. Allerdings waren diese zu schwach, um dem nach der Kanonade von Valmy am 20. September 1792 erfolgten Rückzug der preußischen Armee und dem dadurch bedingt stärker werdenden Druck der Franzosen auf Merzig zu begegnen. Denn nach dem Scheitern der Befreiungsoffensive der Preußen und Österreicher bei Valmy traten nun die Franzosen ihrerseits mit der auf die Nachbarn abzielenden Parole: "Friede den Hütten, Krieg den Palästen!" auch an der Saar zum militärischen Gegenangriff an und versprachen allen Völkern Hilfe, die sich vom Joch der Unterdrückung und der Tyrannei befreien wollten.

Schon Mitte September hatte der Trierische Amtsverwalter Artois nach einem Vorpostengefecht zwischen preußischen Dragonern und mehreren Hundert Franzosen nach Trier gemeldet, dass die Zahl der preußischen Truppen zu schwach sei. Indessen rückten die Franzosen am 29. September mit mehreren Tausend Mann von Saarlouis her über Fremersdorf gegen Merzig heran. Trierische Truppen besetzten zwar den Kreuzberg und brachten ihre Geschütze in Stellung. Sie sahen sich aber bald von dem überlegenen Gegner aus verschiedenen Richtungen her angegriffen und mussten sich durch den Wald nach Hausbach und Britten hin zurückziehen.

Merzig wurde nun vorrübergehend von regulären französischen Truppen besetzt. Die Franzosen setzten in Merzig einen Freiheitsbaum, wohl den ersten auf reichsdeutschem Gebiet. Ziel dieser Aktion, so verlautete aus Saarlouis, sei es, die Merziger Einwohner von der Tyrannei zu befreien und ihnen die Rechte zu verschaffen, wie sie die Humanität erfordere.

Es hat den Anschein, als ob die Aktion der französischen Truppen durchaus auf fruchtbaren Boden zu fallen schien. Denn am 14. Oktober 1792 meldete der kurtrierische Amtsverwalter Artois, dass der französische Revolutionsgeist drohe, sich in den drei Orten Bietzen, Harlingen und Menningen, alle an der französischen Grenze gelegen, auszubreiten. Die Einwohner seien nicht mehr gewillt, den fälligen Zehnten zu liefern mit der Begründung, es würde im Merziger Gebiet das französische Gesetz gelten.

Die Preußen hatten sich zwischenzeitlich ganz aus Frankreich zurückgezogen und die Österreicher waren am 6. November 1792 in Belgien geschlagen worden. Auch das französische Emigrantenheer hatte die Belagerung der Festung Thionville seit Anfang Oktober beendet. Die Franzosen starteten daraufhin eine gegen Trier gerichtete Offensive an Mosel und Saar. Sie besetzten im Dezember die Gegend um Saarburg und schoben ihre Vorposten bis in die Nähe von Trier vor. Österreichischen Truppen gelang es allerdings bei den Pellinger Schanzen, bei Wawern, Biebelhausen und Faha, die Franzosen wieder zurückzuwerfen. Die Kämpfe endeten Mitte Dezember mit der Erstürmung von Oberleuken.

Daraufhin zogen sich die Franzosen nach Saarlouis und Thionville zurück. Ein großer Teil der geschlagenen französischen Truppen , etwa 12 000 Mann, kam auf dem Rückzug über Merzig und rückte am 14. Dezember 1792 in erbärmlichem Zustand in der Stadt ein. Hunger, Kälte und Strapazen hatten zu verheerenden Krankheiten unter den Soldaten geführt, sodass das vorhandene Spital nicht alle Kranken aufnehmen konnte. Deshalb mussten daneben die Kirche, das Rathaus und Privathäuser in Lazarette verwandelt werden. Die Zahl der Toten, die die Franzosen bei ihrem Abzug am 19. Dezember zurückließen, war so groß, dass man sie nicht einzeln beerdigen konnte, sondern sie auf einen Haufen legte und mit herbeigefahrener Erde bedecken musste. Wie aus dem Brief eines Merzigers hervorgeht, herrschten noch Ende Dezember 1792 in Merzig ganz schlimme sanitäre Zustände, da die von der zurückflutenden französischen Armee um den Ort herum zurückgelassenen toten Pferde noch nicht beseitigt waren.

Der Masse der französischen Truppen gelang es schließlich, sich hinter die schützenden Wälle der Festung Saarlouis zurückzuziehen. Zu Beginn des Jahres 1793 nahmen österreichische Verbände dann wieder eine Stellung im Hochwald nördlich und nordöstlich von Merzig ein und schoben ihre Patrouillen bis ins Saartal vor. Obwohl es den französischen Truppen nicht gelang, Merzig einzunehmen, blieb es dennoch das ganze Frühjahr 1793 hindurch Überfällen von Saarlouis aus ausgesetzt.

Im Februar und März 1793 nahmen Österreich und Preußen den Kampf in Belgien wieder auf. Demgegenüber verhielten sich ihre Truppen an der Saar, ebenso wie auch die Franzosen, eher abwartend. Wie aus den Berichten des Amtsverwalters Artois nach Trier zu entnehmen ist, kam es im Saartal allerdings des Öfteren zu kleineren Zusammenstößen und Scharmützeln österreichischer und französischer Patrouillen. Bei diesen habe sich die Überlegenheit der deutschen Waffen gegenüber den an Zahl meist stärkeren französischen Angreifern deutlich gezeigt. Die Franzosen bezogen zudem Stellungen gegenüber von Merzig im Saargau bei Hilbringen und Fremersdorf und bedrohten dadurch nicht nur den Verkehr zwischen Merzig und den Ortschaften des Saargaues, sondern zugleich den Schiffsverkehr auf der Saar.

Am 21. März 1793 versuchten mehrere Hundert französische Kavalleristen über die Saar überzusetzen, wurden aber von österreichischen und preußischen Verbänden nach heftigem Feuergefecht zurückgeschlagen. Im April 1793 verlegten die Franzosen schließlich frische Truppen an das Saarufer im Bereich Rehlingen bis Hilbringen. In Merzig herrschte große Aufregung infolge neuer Überfälle und Amtsverwalter Artois berichtete nach Koblenz, dass die Heuernte in den im Saargau gelegenen kurfürstlichen beziehungsweise der Mettlacher Abtei gehörenden Wiesen durch die Franzosen gefährdet sei. In Hilbringen stehe ein französischer Posten von Hundert Mann Infanterie und 50 Kavalleristen. Im Juni verstärkten im Gegenzug dann die Österreicher ihre Stellung bei Merzig ebenfalls. Sie verlegten eine Besatzung in den Ort und errichteten Schanzen auf der "Ell".

Im weiteren Verlauf des Jahres 1793 kam es zu keinen weiteren ernsteren Zusammenstößen mehr in der Merziger Gegend. Die Franzosen mussten im Landesinnern schwere Aufstände niederschlagen. Auf Seiten der Verbündeten herrschte dagegen Unentschlossenheit. Man hoffte zudem, dass das revolutionäre Frankreich, das am 21. Januar 1793 den König hingerichtet hatte, sich immer mehr zur blutigen Schreckensherrschaft hin entwickeln und sich an seinen inneren Zwistigkeiten sowie der eintretenden Teuerung und Finanznot zermürben werde.

Gegen Ende des Jahres 1793 waren in Frankreich dann mit den Jakobinern sehr extreme radikale Kräfte an die Macht gelangt. 1794 habe daraufhin die Merziger Region gleichfalls den Schrecken der Revolution erlebt, wie Dr. Anton Jakob schreibt. Allerdings hätten sowohl die politischen als auch die religiösen Neuerungen durchaus begeisterte Anhänger in unserer Gegend gefunden. Freiheitsbäume seien errichtet und umtanzt worden und die Sitten hätten vielerorts eine starke Lockerung erfahren, was bei der allgemeinen Verwirrung der Geister, die auch einzelne Vertreter des Klerus ergriffen hätten, leicht erklärlich gewesen sei.

Zwar dauerte der Kriegszustand an der Saar bis ins Jahr 1794 hinein weiter an, ohne dass es jedoch noch zu ernsten Kampfhandlungen gekommen wäre. Die Bevölkerung in und um Merzig hatte unter schweren Quartierlasten und Requisitionen zu leiden. Über die Wintermonate war der Holzverbrauch der Truppen besonders groß und die Bauern mussten Lebensmittel und Holz vielfach in die Truppenlager anfahren. Die jungen Leute wurden zur Miliz ausgehoben, um die Reihen der österreichischen Truppen zu verstärken. Während die deutschen Truppen rechts der Saar und im Hochwald lagerten, dienten der Saargau und das Niedtal als Aufmarsch- und Verpflegungsgebiet der Franzosen. Hier wurden daraufhin ebenfalls fortwährend Gespanne requiriert und Verpflegungsmittel angefordert.

< Wird fortgesetzt.