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Sammlung
Gefallene und ihre Gräber in Ehren halten

Soziales und geschichtliches Engagement zugleich: Schüler und Bundeswehrsoldaten von der Ell sammelten für die Erhaltung von Kriegsgräbern.
Soziales und geschichtliches Engagement zugleich: Schüler und Bundeswehrsoldaten von der Ell sammelten für die Erhaltung von Kriegsgräbern. FOTO: Albert Ehl/GaS
Merzig. Schüler des Merziger Gymnasiums am Stefansberg und Soldaten sammelten Spenden zum Erhalt von Kriegsgräbern.

( In den vergangenen Tagen waren Schüler des Merziger Gymnasiums am Stefansberg gemeinsam mit Bundeswehrsoldaten der Kaserne Auf der Ell in und um Merzig unterwegs. Ihr Vorhaben: Spendensammeln für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK). „Die Vorstellung, dass tausende Soldaten auf fremdem Boden tot liegen, ohne dass sie begraben werden können, hat mich erschüttert und daher veranlasst, bei der Spendenaktion mitzumachen“, war Elftklässler Felix Groen in’t Woud gleich bereit zu helfen.


Der Aktion vorausgegangen war ein Impulsreferat über die Bedeutung von Kriegsgräbern, das Werner Hillen, der VDK-Landesvorsitzende, vor drei Politikkursen der Klassenstufe 11 in der Aula des Gymnasiums am Stefansberg hielt. Hier erklärte er den Jugendlichen, dass der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Auftrag des deutschen Staates heute in 45 Ländern 832 Kriegsgräberstätten für insgesamt 2,7 Millionen Kriegstote erhält und pflegt, aber auch Angehörige betreut und die internationale Zusammenarbeit auf diesem Gebiet unterstützt.

Daneben gehört es aber auch zu seinen Aufgaben, gerade in den ehemaligen Ostblockstaaten nach Kriegsgräbern zu suchen, Schicksale zu klären und die Erinnerung an die Toten von Krieg und Gewalt wach zu halten. Werner Hillen stieß bei den Schülern auf offene Ohren und großes Interesse.



Sofort entschieden sich rund 30 Elftklässler, sich bei der Sammelaktion zu beteiligen. „Ich war dabei, weil ich es für wichtig halte, dass die Gräber gepflegt werden“, verriet Angela Koch. Und Mitschüler Paul Thiede erklärte: „Ich habe mitgemacht, damit niemals vergessen wird, welche schlimmen Dinge passiert sind. Wenn mein Opa im Krieg gefallen wäre und jetzt irgendwo unbestattet liegen würde, würde mich das wahnsinnig machen.“ Ein solch großes Engagement für die Kriegsgräber gehört schon fast zur Tradition der Schule.

„Schüler des Gymnasiums am Stefansberg haben schon für diesen Zweck gesammelt, als ich hier noch Schüler war“, erinnert sich Torsten Barbian, inzwischen Politiklehrer der Schule. Er hatte die Spendenaktion gemeinsam mit Stabsfeldwebel Patrick Cuntz von der Merziger Kaserne Auf der Ell organisiert.

Gesammelt wurde in Gruppen, in denen meist ein oder zwei Soldaten gemeinsam mit zwei Schülern — ausgestattet mit verplombten Spendendosen und Sammlerausweis — unterwegs waren. Die Soldaten übernahmen für die Schüler auch den Fahrdienst, holten sie an der Schule ab, fuhren in den ihnen zugeteilten Bezirk und gingen gemeinsam von Haus zu Haus.

Die Erfahrungen, die die Gruppen beim Sammeln machten, waren durchaus vielfältig, wie die Schüler es schilderten. „Die meisten Menschen, bei denen wir geklingelt haben, waren sehr nett, obwohl ich das im Vorfeld anders erwartet hatte“, berichtet Maximilian Thiel-Zapp. Das bestätigt auch Angela Koch: „Wir haben sehr viele gute Erfahrungen gemacht.“ Sie räumt aber ein: „Manche haben auch gesagt, dass sie mit Krieg und auch mit Soldaten nix zu tun haben wollen, das hat mich schon erschreckt. Denn die Soldaten, die mit uns unterwegs waren, waren alle total nett, haben uns auch vieles aus ihrem Berufsleben erzählt.“

Die gute Zusammenarbeit mit der Bundeswehr kann auch Politiklehrer Torsten Barbian nur loben: „Durch das gemeinsame Sammeln mit den Soldaten bekamen die Schüler Einblicke in das Berufsfeld der Bundeswehr und konnten auch sozial von der Aktion profitieren.“

Aber auch der Erlös der Spendenaktion kann sich sehen lassen. Insgesamt haben die Schüler und Soldaten gemeinsam 4328,24 Euro für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gesammelt – und freuen sich schon auf ihren nächsten Einsatz. „Ich werde nächstes Jahr wieder mitmachen“, verspricht Angela Koch schon mal.