Gedenkveranstaltung in Merzig zur Reichspogromnacht

Gedenken an Pogromnacht : „Die Geschichte darf sich nicht wiederholen“

Bei einer Gedenkveranstaltung in Merzig wurde an die Geschehnisse in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 erinnert – und gemahnt: Die Geschichte darf sich nicht wiederholen.

 Sie setzten die Synagoge in Brand, schändeten den jüdischen Friedhof und zerstörten Wohnungen und Geschäfte der jüdischen Bürger: In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 kam es in ganz Deutschland zur Reichspogromnacht, in der Nationalsozialisten mit roher Gewalt gegen die jüdische Bevölkerung vorgingen und die systematische Verfolgung, die zum Holocaust führte, begann.

In Gedenken an diese „Nacht des Schreckens“, wie Bürgermeister Marcus Hoffeld sie nannte, legten er und die Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich am Montag einen Kranz vor dem Gedenkstein an die Merziger Synagoge nieder. „In dieser Nacht konnte jeder sehen, dass der Antisemitismus und Rassimus von den Nazi-Verbrechern gewollt war“, sagte Hoffeld. Noch vor der Reichspogromnacht erfuhren Juden in Deutschland eine Entrechtung. Ihnen wurde unter anderem das Wahlrecht aberkannt und Ehen mit „Ariern“ wurden für nichtig erklärt.

„Die Reichspogromnacht steht für die schrecklichen Ereignisse, nach denen nichts mehr so wie früher war“, sagte Hoffeld und ermahnte: „Heute hören wir wieder die Rhetorik derer, die hetzen und Hass verbreiten. Wir werden Zeugen von rassistischen und antisemitischen Taten.“ Er erinnerte an den antisemitischen Anschlag auf eine Synagoge in Halle im September.

Einst sagte der Auschwitz-Überlebende Primo Levi: „Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen: Darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben.“ Um in Zukunft solche abscheulichen Taten zu verhindern, forderte Hoffeld: „Hier beginnt unsere Verantwortung gegen Fremdenhass und Ausgrenzung und diese Verantwortung muss jeder übernehmen: In seinem sozialen Umfeld und in den sozialen Netzwerken.“ Angesichts der Vielzahl an Teilnehmern zur Gedenkveranstaltung bekundete er: „In Merzig stellen wir uns dagegen und stehen alle zusammen. Die Geschichte darf sich nicht wiederholen. Wir vergessen nicht!“

Aufmerksam zu bleiben und nicht wegzusehen, forderte ebenfalls Ricarda Kunger von der Synagogengemeinschaft in Saarbrücken. „Wir hören oft, es müsse inzwischen genug sein mit dem Gedenken, aber das geht nicht. Wir können nicht einen Teil aus der Geschichte streichen“ und nur das Angenehme wahrnehmen, sagte sie. Mit dabei war zudem die Initiative Omas gegen Rechts, die die Gedenkfeier musikalisch umrahmte.

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