1. Saarland
  2. Merzig-Wadern
  3. Merzig

Gastronomen im Kreis Merzig-Wadern zu den Folgen der Corona-Krise

Kostenpflichtiger Inhalt: Gastwirte in Not : Corona setzt Gastronomen im Kreis Merzig-Wadern unter Druck

Die SZ hat sich bei den Betreibern von Restaurants und Gaststätten im Kreis zu den Folgen der Corona-Krise umgehört.

Sie sind von der aktuellen Corona-Krise mit am härtesten getroffen: Gastronomen in der ganzen Republik sehen sich seit einigen Wochen der Situation ausgesetzt, dass ihnen der Weiterbetrieb ihrer Gaststätten kurzerhand untersagt wurde. Quasi von heute auf morgen verfügten die staatlichen Stellen die sofortige Schließung aller Gastronomiebetriebe, lediglich Lieferservice und Straßenverkauf bleiben erlaubt. Viele Gastronomen sehen ihre Existenzgrundlage infrage gestellt. Die SZ sprach mit Gastwirten aus dem Kreis über die Folgen der Corona-Pandemie für ihren Betrieb.

„Da ich das kommen gesehen habe, habe ich schon ein, zwei Wochen vorher angekündigt, dass wir komplett auf Außer-Haus-Betrieb umstellen“, erzählt Georgis Petridis vom Athen-Grill in Merzig. Die im Saarland für einige Tage praktizierte Übergangslösung, dass Restaurants bis 18 Uhr geöffnet haben durften, sei für ihn keine Alternative gewesen. Er habe sich umgehend entschieden, auf das Außer-Haus-Geschäft umzusteigen, „da die Leute das dann auf jeden Fall mehr in Anspruch nehmen würden“.

Das einzige, was den Gastronomen in der aktuellen Krise weiterhelfen würde, sind nach seiner Auffassung die Hilfen vom Land und vom Bund, „die ich natürlich auch beantragt habe“. Zwar sei die Alternative Außer-Haus-Geschäft „schön und gut“ – aber es bringe dennoch nicht die Einnahmen wie eine reguläre Öffnung seines Restaurants. Er glaube, dass die Krise für die Branche erst nach Ende der derzeitigen Einschränkungen erst beginnt. „Und für einen Geschäftsmann wird es sehr schwer sein, sich über Wasser zu halten, wenn keine staatlichen Hilfen kommen.“

„Ich nehme die Situation so an und versuche das Beste daraus zu machen, wie zum Beispiel Liefer- und Abholservice für Speisen anzubieten“, sagt Hans-Peter Schirra vom Gasthaus „Gellbersch“ Haus in Buweiler. Die seitens der Behörden verhängten Sanktionen empfindet er angesichts der momentanen Situation als „absolut so in Ordnung“. Er räumt aber ein: „Zu keinem Zeitpunkt habe ich aber daran gedacht, dass so eine Situation kommt und einen kompletten Betrieb stilllegen kann.“ Da er im Außer-Haus-Geschäft bisher nicht viel Erfahrung sammeln können, sei der Umstieg für ihn eine große Herausforderung, um mit einer hierfür geänderten Speisekarte alle Gerichte in gewohnt guter Qualität zuzubereiten.

Schirra wertet die von Regierungsseite vorgesehenen Hilfen positiv: „Für mich ist es sehr wichtig, dass das Land und der Staat die Situation richtig erkannt haben und versuchen, den kleinen und mittelständigen Unternehmen unter die Arme zu greifen.“ Er halte es aber auch für sehr wichtig, dass nach Bewältigung der Krise kein Bumerang-Effekt eintrete, sagt Schirra. „Damit meine ich, dass die Unternehmen längere Zeit benötigen, um diese Pandemie wirtschaftlich zu verkraften.“ Folglich wäre es nach seinem Dafürhalten sehr gut, wenn die Gläubiger wie Finanzamt, Banken, Versicherungen, Vermieter und so weiter sich Zeit lassen würden, die gestundeten Raten oder Zahlungen nicht direkt einzufordern.

Ganz unerwartet seien die drastischen Einschränkungen für sie nicht gekommen, sagt Anke Schorn von der Lückner-Lodge in Oppen. „Ich habe damit gerechnet, als sich die Situation in Italien so zugespitzt hat.“ Daher habe sie ihren Betrieb bereits ein paar Tage vor Eintreten der Sanktionen komplett geschlossen. Aktuell versuche sie, die Kosten „soweit als möglich zu senken“ und über Nothilfen die Zeit zu überstehen. „Ich mache aber auch Marketing für die Zeit danach – wann auch immer das ist“, sagt die Gastronomin. Aus ihrer Sicht würde es ihr und ihren Kollegen schon helfen, wenn die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen „nicht so kompliziert zu beantragen und schneller verfügbar wären“.

Etwas anders hat Eveline Silvestrini von der Pizzeria Vesuvio in Nunkirchen die Entwicklung der Corona-Krise verfolgt. „Damit hätte wohl anfangs niemand gerechnet. Aber nachdem das in Italien so schlimm geworden war, hatte ich schon so eine Ahnung, dass wir nicht ungeschoren davonkommen“, sagt sie. Als Konsequenz darauf habe sie für ihren Betrieb ein ganzes Bündel an Reaktionen umgesetzt, Silvestrini listet auf: „Antrag auf Soforthilfe, Kurzarbeit angemeldet, Antrag auf Steuerstundung, Aussetzung der Ratenzahlungen bei der Sparkasse, Aussetzung der Ratenzahlung beim Lieferanten steht noch an.“ Auch in ihrem Betrieb läuft der Abhol- und Lieferservice, den es dort ohnehin schon gegeben hat, während des Corona-Shutdowns weiter. Sie würde sich zur Unterstützung der Branche eine schnelle Bewilligung der Soforthilfe wünschen, sagt Silvestrini, außerdem die Stundung von Steuerforderungen sowie finanzielle Hilfen über einen Kredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).