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„Ganz legt sich das Lampenfieber nie“

„Ganz legt sich das Lampenfieber nie“

Ihr Platz ist nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Creative-Team: Die 27-jährige Merzigerin Henriette Schreiner führt gerade bis Ende Januar in Tirol Monty Phytons Spamalot auf. Sie verkörpert eine Fee.

Sie liebt die Szene mit König Artus und Dennis, der im Schlamm wühlt, begeistert sich für den trojanischen Hasen, mag die Franzosenburg, ist fasziniert vom Auffinden des Grals, und, und, und: "Ich kann beim besten Willen nicht sagen, welche Szene mir die liebste ist", gesteht Henriette Schreiner. "Dafür bietet Monty Python zu viele verrückte Ideen, die man auch auf der Bühne hervorragend umsetzen kann", sagt die gebürtige Merzigerin, die seit Mitte September mit Kühe fliegen lässt - in Spamalot. Azurblaue Perrücke, gleichfarbener Minirock, silberglänzendes Oberteil: Die 27-Jährige spielt die stimmgewaltige Fee aus dem See, der es irgendwann stinkt, zu wenige Auftritte zu haben.

Trotz der Routine, die sich mittlerweile eingeschlichen hat, gilt für sie immer noch: Einmal Luft holen - dann raus ins Scheinwerferlicht. "So ganz legt sich das Lampenfieber bei mir nicht", verrät die Musicaldarstellerin, die vor wenigen Wochen im Merziger Zeltpalast in die Rolle der Anne Dindon im Broadway-Musical "Ein Käfig voller Narren" geschlüpft war. "Kurz vor meinem ersten Auftritt muss ich immer noch tief durchatmen. Das ist aber auch das Schöne, was dieser Beruf mit sich bringt", schwärmt sie von ihrem Job, den sie an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig von der Pieke auf gelernt hat. Es sind nicht nur die "strammen" Ritter der Tafelrunde, deren verquere Heldentaten und der Humor der britischen Komikertruppe, die ihr in dem Stück so imponieren: "Für mich persönlich ist dieses Stück natürlich etwas ganz Besonderes, da es meine erste, große Hauptrolle und meine erste Choreographiearbeit ist. Einerseits musste ich mich auf meine Rolle als Fee aus dem See konzentrieren, auf der anderen Seite trug ich auch die Verantwortung für das Ensemble", sagt sie.

"Während der Proben flitzte ich oftmals zwischen meinem Platz im Creative-Team und dem auf der Bühne hin und her. Gerade bei den großen Ensemblenummern ist das natürlich eine Herausforderung. Doch wir waren ein gutes Team und haben das Ganze gemeinsam gemeistert. Über diese ‚Doppelchance' habe ich mich sehr gefreut, und ich bin einfach dankbar, dass ich sie nutzen durfte."

Fast jede Minute des 12. Septembers ist ihr noch im Gedächtnis, jenem Tag, als sie in der Tiroler Landeshauptstadt zum ersten Mal mit dem neuen Stück vor Publikum auf der Bühne stand. "An Premierentagen nehme ich mir immer vor, auszuschlafen, was nie funktioniert, da ich immer noch automatisch auf die Probenzeit davor eingestellt und pünktlich um sieben Uhr wach bin. Also frühstückte ich erstmal in der Morgensonne auf meinem Balkon der Theaterwohnung und ging dann los in Richtung Stadt, um Premierengeschenke zu kaufen. Dies ist ein alter Theaterbrauch: Man schenkt sich gegenseitig sogenannte ‚Toi toi toi's, um sich Mut zu machen, sich zu bedanken und sich den Einstieg in eine neue Produktion zu versüßen. Danach sang ich mich ein, machte mich warm, ging in die Maske, klärte letzte Choreographiefeinheiten ab und befand mich um 19.55 Uhr auf Position. Das Haus war ausverkauft, und die Spannung steht an so einem Abend förmlich in der Luft. Alles verlief wunderbar, das Publikum war begeistert", verrät sie stolz.

"Es macht einfach Spaß, nach etlichen Wochen Probezeit so ein Stück endlich auf die Bühne zu bringen. Danach gab es eine Premierenfeier im Foyer, bei der der Intendant einige sehr warmherzige Worte an das Ensemble und alle Beteiligten richtete. Doch allzu lang konnte an diesem Abend nicht gefeiert werden, da am nächsten Tag gleich das Theaterfest des Tiroler Landestheaters auf dem Programm stand, bei dem wir mitwirkten und ich auch unter anderem einen Workshop für Musicaltanz gab."

Was sie mit Stolz erfüllt, ist "die gewaltige Stimme, die ihr die Presse von Innsbruck bescheinigt hat, ebenso ihr Talent, ihre Kollegen sensationell gut tanzen zu lassen. Spamalot, die Unterhaltungsshow mit schwarzem, britischem Witz nach der Vorlage der Ritter der Kokosnuss macht nach Worten von Henriette Schreiner Furore. "Der Humor von Monty Python scheint dem österreichischen Publikum gut zu gefallen. Es wird viel gelacht, gestaunt, mitgefiebert und schmunzelnd der Kopf geschüttelt. Lässt man sich auf den speziellen Humor dieser verrückten britischen Komikergruppe ein, kann man idiotensicher einen außerordentlich lustigen Abend verbringen - und genau das tun die Tiroler. Auch die Kritiken waren durchweg positiv, was uns natürlich alle sehr freut." Eine Gemeinsamkeit zwischen den Tirolern und den Merzigern hat sie längst ausgemacht: eine offene, freundliche und heimatverbundene Art. "Vielleicht fühle ich mich deswegen in Innsbruck so wohl", vermutet sie. Bis Ende Januar steht sie mit dem singenden Monarchen, den steppenden Rittern, den tanzenden Showgirls und all den anderen schrägen Gestalten aus der wunderbaren Welt der Monty Pythons auf der Bühne - Verlängerung nicht ausgeschlossen. Für die Zeit nach Spamalot hat sie etwas geplant. Doch das bleibt noch ihr Geheimnis "Es bringt Unglück, darüber zu sprechen, solange der Vertrag noch nicht unterschrieben ist", begründet sie ihr Schweigen. Einen Wunsch hat die aparte Merzigerin: "Ich hoffe sehr, dass ‚La cage aux folles' nicht mein letztes Heimspiel gewesen sein wird, das ich unglaublich gerne in Merzig gespielt habe. Der Zeltpalast bietet eine ganz besondere Atmosphäre auf künstlerisch hohem Niveau."

 Henriette Schreiner
Henriette Schreiner Foto: Schreiner
 Mit Spamalot in Innsbruck.
Mit Spamalot in Innsbruck.

Zum Thema:

Zur PersonHenriette Schreiner wurde am 3. April 1988 in Merzig geboren. Nach der Grundschule St. Josef besuchte sie das Peter-Wust-Gymnasium. Sie studierte an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig Popularmusik - Jazz/ Musical . Schon während des Studiums wirkte sie an diversen Theaterproduktionen mit, etwa in "Der kleine Horrorladen", an der Komödie Leipzig, in "City of Angels", am Centraltheater Leipzig, in der Tanzshow "Shall We Dance?" sowie an der Staatsoperette Dresden . 2010 brachte sie in Leipzig ihre One-Woman-Show "Gleich komm ich, aber wie?!" auf die Bühne, 2013 folgte: "Das Leben ist (k)ein Ponyhof - aber geritten wird trotzdem". Die junge Künstlerin war 2013 und 2014 als Solistin auf den Kreuzfahrtschiffen Aida Bella und Aida Diva engagiert. Im Anschluss bekam sie am Tiroler Landestheater eine Hauptrolle in der Musicalrevue "Sekretärinnen". Seit Mai 2015 ist Henriette Schreiner erstmals als Choreografin für das Musical "Spamalot" zuständig und spielt die weibliche Hauptrolle. Als Fee aus dem See eröffnete sie mit ihre Kollegen im September die Spielzeit 2015/16 am Tiroler Landestheater . mst