1. Saarland
  2. Merzig-Wadern
  3. Merzig

Fußballvereine schuld an langjähriger Städtepartnerschaft

Fußballvereine schuld an langjähriger Städtepartnerschaft

Merzig. Als in den achtziger Jahren Städtepartnerschaften mit dem französischen Nachbar boomten, entstanden auch die Verbindungen zwischen Merzig und St. Médard-en-Jalles. Die südfranzösische Stadt liegt nahe Bordeaux

Das Rathaus in St. Médard-en-Jalles nahe Bordeaux. Foto: SZ
Die Nikolaikirche im brandenburgischen Luckau. Foto: SZ

Merzig. Als in den achtziger Jahren Städtepartnerschaften mit dem französischen Nachbar boomten, entstanden auch die Verbindungen zwischen Merzig und St. Médard-en-Jalles. Die südfranzösische Stadt liegt nahe Bordeaux. Die nahe Atlantikküste und das Naturschutzgebiet Becken von Arcachon sowie die größte Wanderdüne Europas, die Dune du Pyla, machen die Gegend zu einem beliebten Touristenziel. St. Médard ist zudem ein wichtiger Wirtschaftsstandort: In der Stadt sind drei große Konzerne der Raumfahrtindustrie ansässig. EADS Astrium Space Transportation beispielsweise ist ein Unternehmensbereich von EADS Astrium und der Hauptauftragnehmer des Ariane-5-Trägersystems. Die ersten Kontakte zwischen beiden Städten entstanden durch freundschaftliche Kontakte zwischen dem Hilbringer Fußballverein und Kickern aus St. Médard. Die Hobby-Mannschaften besuchten sich schon seit 1974. Die Verbindungen des FSV Hilbringen nutzte dann die Stadt Merzig. 1985 besuchten sich die Delegationen der Städte. Im Jahr 1986 wurde die Städtepartnerschaft offiziell besiegelt. Seither besteht ein reger Austausch. Im jährlichen Wechsel besucht eine Merziger Delegation St. Médard oder Besucher aus der Partnerstadt kommen nach Merzig. Zuletzt fuhren rund 50 Merziger im Mai in die südfranzösische Region. Auf dem Viezfest hat die Partnerstadt einen Weinstand. Kurios: sportlich-ambitionierte Mitarbeiter des Bauhofs in St. Médard kommen fast alle zwei Jahre die 980 Kilometer mit dem Rad nach Merzig. Da die Besucher auf beiden Seiten meist in Gastfamilien untergebracht werden, sind Freundschaften entstanden. Zwei Familien fuhren seither mehrmals zusammen in den Urlaub. Aus einer Freundschaft zwischen zwei Familien ist sogar eine Patenschaft entstanden. Die damalige Vorsitzende des "Freundeskreises St. Médard", Edith Schulligen, übernahm im Oktober 1988 die Patenschaft für den kleinen Kevin Stoll aus St. Médard. Neben den gegenseitigen Besuchen fahren auch Schulklassen in die jeweilige Partnerstadt. "und auch so manches Praktikum haben wir schon nach St. Médard vermittelt", sagt Merzigs Oberbürgermeister Alfons Lauer Doch St. Médard ist nicht die einzige Partnerstadt Merzigs. Auch zum brandenburgischen Luckau bestehen freundschaftlichen Kontakte. Im Juni 1990, also noch vor der Wiedervereinigung, beschloss der Merziger Stadtrat, ein Partnerschaft mit einer Stadt in den neuen Bundesländern aufzunehmen, um beim Aufbau der kommunalen Selbstverwaltung Hilfestellung zu geben. So wurde unter anderem ein Bauhoffahrzeug und Schreibmaschinen nach Luckau gebracht. Der Ort wurde 1276 das erste Mal urkundlich erwähnt und war 1492 eine der wohlhabendsten Hauptstädte der Niederlausitz. Während des 30-jährigen Kriegs bauten die Schweden die Stadt als Hauptstützpunkt aus. Sie wurde im Verlauf des Krieges stark zerstört. Napoleon weilte während eines Truppenbesuchs im Jahre 1813 in der Stadt. Weil es in der Nacht sehr kalt war, ließ sich der General eine kupferne Wärmflasche ans Bett bringen. Diese Wärmflasche ist noch heute im Niederlausitz-Museum in Luckau zu besichtigen.Aus der Unterstützung für die kommunale Selbstverwaltung Luckaus wurde mit der Zeit ein reger Austausch. Regelmäßig besuchten sich Vertreter der Orte, sei es beim Luckauer Heimatfest oder in Merzig beim Viezfest. Schulklassen besuchten die Partnerstädte, Vertreter aus Handel und Gewerbe und der Feuerwehren kamen zusammen. Der Musikverein Euterpe Hilbringen spielte bei Festen in Luckau. Im vergangenen Jahr habe man dann "aus einer 19-jährigen Verlobung eine Ehe gemacht", sagt Alfons Lauer. Beim letztjährigen Viezfest übernahm Luckaus Bürgermeister Harry Müller die Schirmherrschaft.