Interview mit Joachim Arnold: Für’s neue Musical sind Friseure heiß begehrt

Interview mit Joachim Arnold : Für’s neue Musical sind Friseure heiß begehrt

Monty Pythons Klassiker „Spamalot“ kommt als Musical nach Merzig. Eine haarige Sache, wie Zeltpalast-Chef Joachim Arnold meint.

Friseurlehrlinge sollen den Ritter der Kokosnuss auf ihrem abenteuerlichen Weg begleiten. Denn das Musical wird nach Worten von Intendant Joachim Arnold wegen der vielen Perücken eine haarige Angelegenheit. Warum er Monty Pythons Spamalot auf die Bühne des Zeltpalastes bringt, verrät er der SZ im Interview.

Wenn die Crew des Salzburger Landestheaters mit Monty Pythons Spamalot im Zeltpalast Einzug hält, wird es Änderungen im Drehbuch, Choreografie oder im Text für die Auftritte in Merzig geben?

Joachim Arnold: Nein, das ist alles so wie in Salzburg, außer bei den Stellen, die wir technisch einfach anders lösen müssen. Das hat sich Andreas Gergen alles schon im Vorfeld der Produktion ausgedacht, damit es hier bei uns genauso spektakulär aussieht wie im technisch perfekt ausgestatteten Salzburger Landestheater.  Bühne und Kostüme werden aus Salzburg nach Merzig gebracht und hier nach unseren Möglichkeiten eingerichtet. Die Kostüme werden ab Ende Juli natürlich angepasst auf die Darsteller und die Choristen, die wir hier haben. Da sind einige neu dabei! Unsere Kostümcrew wird sich am Zeltpalast fest einquartieren. Die haben eine Mordsaufgabe und -arbeit vor sich.

Welche Arbeit kommt Kostümbildnerin Ulli Kremer zu?

Arnold: Sie und ihre Mannschaft wird Hunderte von Kostümen checken und einrichten für die extrem schnellen und zahlreichen Umzüge, davon lebt dieses Stück! Und die Sachen werden natürlich täglich gepflegt, gesäubert, repariert. Viele Kostüme müssen für die neuen Darsteller passend gemacht werden; einige der Ritter der Tafelrunde sind neu, einige aus dem Ensemble auch. Uwe Kröger dagegen wird alle Shows spielen. Seine Kostüme müssen wir also nicht anpassen.

Warum sucht der Zeltpalast für Spamalot Friseurlehrlinge?

Arnold: Weil es in dem Stück unfassbar viele Haare, vor allem in Form von Perücken, gibt. Die müssen bearbeitet, vorbereitet, gepflegt, nachbereitet und einfach versorgt werden. Eine Mammutaufgabe. Es stehen ja fast 30 Leute auf der Bühne.

 Welche Aufgaben werden die Azubis haben?

Arnold: Sie werden helfen, bei allen Prozessen, die ihnen unsere Maskenbildnerin Tiiu Luht von der Oper Oslo übergibt. Das wird sehr vielfältig sein, die müssen schnell sein, fleißig, und leidensfähig. Wie das halt im Theater so ist. Aber auf der anderen Seite wird auch viel gelacht.

Werden sie auch während der Zeit der Vorstellungen gebraucht oder nur zur Vorbereitung der Aufführungen?

Arnold: Ideal wäre, wenn die jungen Leute sagen: Ich bin am frühen Abend da, weil ich es toll finde, mal ein Theater über ein paar Wochen von innen kennen zu lernen und gehe erst dann, nachdem alle Perücken verstaut und in Ordnung sind. Dazwischen ist auch noch genug Arbeit! Ich glaube, das kann eine tolle Erfahrung sein. Die konkreten Anforderungen werden sich erst vor Ort ergeben. Dann sieht man ja auch erst, was die jungen Leute schon können und was nicht. Das lässt sich nicht genau vorplanen.

All die Jahre wurden im Zeltpalast auch Statisten gesucht. Wird dies in diesem Jahr auch der Fall sein?

Arnold: Wir haben einen Spamalot-Projektchor gecastet, der schon mehrfach geprobt hat; mit dem musikalischen Leiter, jetzt am Wochenende mit Andreas Gergen. Die Damen und Herren werden auch das ein oder andere in Gang setzen in der Show. Reine Statisten haben wir in diesem Jahr keine dabei.

Im Zeltpalast werden besondere Bedingungen an das Bühnenbild gestellt. Wird die Crew das Bühnenbild mitbringen, um es in Merzig zu verändern?

Arnold: Wie gesagt – wir passen die Bühne den Gegebenheiten hier an. Aber die Konstruktion passt komplett auf unsere Bühne. Wir können natürlich nichts hochfahren (Schnürboden) und auch nichts nach unten (Hubpodeste) wie im Theater. Aber dafür können wir seitlich fahren und haben andere Möglichkeiten. Und für einen der Haupteffekte der Bühne, nämlich dass sie dreht, haben wir eine sehr aufwändige technische Lösung entwickelt.

Also wurde keine Bühne eigens für Merzig gebaut?

Arnold: Nein, das Bühnenbild selbst sollte für Salzburg und Merzig passen und wurde von den Werkstätten des Landestheaters Salzburg gebaut. Wir mussten allerdings die technischen Voraussetzungen für die Drehung des Bühnenbilds schaffen. Jedes gut ausgestattete größere Theater hat eine Drehscheibe auf der Bühne, wir haben uns dafür einen drehbaren Wagen mit Leichtlaufrollen gebaut. Das war extrem teuer, wird uns aber auch in Zukunft bestimmte technische Abläufe auf der Bühne erleichtern.

Wann beginnen die Proben für Spamalot in Merzig?

Arnold: Ankunft ist am 1. August, und am 2. August beginnt ein sehr anstrengender und komplexer Probenvorgang. Da ist bis auf einen Montag dann kein freier Tag mehr für alle Beteiligten, und an dem Tag wird auch noch die Technik eingerichtet. Ab jetzt ist der Zeltpalast 24 Stunden täglich unter Dampf.

Da der ein oder andere Akteur ja nicht zu der Festbesetzung der Salzburger zählt, muss dieser sich vorbereiten. Wie wird das Zusammenspiel von neuen Akteuren und der Standardbesetzung eingeübt?

Arnold: Das geschieht durch tägliche intensive Theaterproben, wie sie alle Darsteller gewohnt sind. Die Neuen bereiten natürlich ihren Text und ihre Songs vor, es gibt ein Video, den Klavierauszug, das Textbuch. Es ist von großem Vorteil, dass Andreas Gergen auch die gesamte Einstudierung in Merzig selbst macht – denn es ist seine Inszenierung, die er in und auswendig kennt. Das wird uns hier sehr von Vorteil sein. Die Produktion hat sozusagen ihre Kinderkrankheiten schon hinter sich, wenn sie in Merzig Premiere hat.

 Ist die Übernahme eines schon eingeübten und oft gespielten Musicals leichter als ein neues einzustudieren? Oder ist es mit dem gleichen Aufwand verbunden?

Arnold: Beides. Die Übernahme aus einem technisch und personell perfekt ausgestatteten Staatstheater ist natürlich für uns eine große Herausforderung, da kommen wir auch wirklich an und über unsere Grenzen. Wenn der Rahmen mal steht, ist es aber dann leichter, weil man das gewünschte Ergebnis schon kennt bzw. das, was bereits da ist, bestenfalls noch besser macht, als es bisher der Fall war. Gerade bei Komödien wissen wir ja, dass sie mit der Zeit immer mehr Tempo und Fluss bekommen, die Pointen besser sitzen, das ganze einfach selbstverständlicher über die Bühne geht. Wir haben bei der Addams Family am eigenen Leib erfahren können, wie sich eine Produktion verändert und wie leicht jetzt die bald 100ste Vorstellung der Produktion, die wir im Oktober in Wien spielen, dem Ensemble, der Band und auch allen hinter der Bühne bei aller Arbeit doch von der Hand geht.

Seit Hairspray gab es immer deutschsprachige Erstaufführungen im Zeltpalast. Warum ist der Intendant in diesem Jahr diesen Weg gegangen?

Franzisca Becker als Fee aus dem See und  Uwe Kröger als König Artus  stehen spielen in „Spamelot“ im Merziger Zeltpalast. Foto: Musik & Theater Saar/Canaval/Loeffelberger

Arnold: Wir wollten den Titel Spamalot, wir wollten den Regisseur Andreas Gergen, wir wollten den Hauptdarsteller Uwe Kröger. Alle drei Wünsche waren in einer Kooperation mit Salzburg zu bekommen. Also haben wir das gemeinsam geplant und durchgezogen. Ich bin davon überzeugt, dass das eine gute Entscheidung war.

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