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Für Adel wird ein Traum wahr

Adel Fayyad an seinem Ausbildungsplatz bei Auto Heisel, Merzig
Adel Fayyad an seinem Ausbildungsplatz bei Auto Heisel, Merzig FOTO: Ruppenthal
Merzig. Im vergangenen Jahr fand Adel Fayyad nach seiner Flucht aus Syrien im Saarland eine neue Heimat. Voller Ehrgeiz paukte der 17-Jährige Deutsch und bestand den Hauptschulabschluss. Jetzt hat er eine Lehrstelle. Jana Freiberger

Konzentriert steht Adel Fayyad in seiner neuen Arbeitskleidung in der Werkstatt des Volkswagen-Autohauses Heisel in Merzig . Still beobachtet er, wie das Team an den Autos werkt. "Viel machen kann ich noch nicht", sagt der 17-jährige Palästinenser , der in der Landschaft Damaskus in Syrien aufgewachsen ist. Am ersten August hat er hier seine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker begonnen. Sein Onkel hatte in der Heimat eine eigene Werkstatt, dort habe er manchmal ausgeholfen. Schon immer sei es sein Traum gewesen, diesen Beruf ebenfalls zu erlernen.



Im Jahr 2014 begann Adels Flucht mit dem Ziel Deutschland. Sieben Monate war er unterwegs. Zu Fuß, mit dem Auto. Die Strecke zwischen der Türkei und Griechenland legte er mit anderen Flüchtlingen per Boot zurück. Sein Onkel begleitete ihn, seine Eltern und seine vier Schwestern blieben zurück. Ab Wien musste er dann ganz alleine weiter. Für seinen Begleiter war dort die Reise zu Ende. Am 10. Januar 2015 kam er in Saarbrücken an, ein Taxi brachte ihn zur Landesaufnahmestelle in Lebach.

Heute wohnt Adel mit acht anderen Jugendlichen in einer Wohngruppe in Fremersdorf. Sein jüngster Mitbewohner ist ein zwölfjähriger Afghane, der mit seiner etwas älteren Schwester nach Deutschland kam. Ohne Eltern.

Der 17-Jährige fühlt sich dort wohl, auch wenn er sich Deutschland ganz anders vorgestellt hatte. "Im Fernsehen sah das alles anders aus", sagt er. Aber er passte sich schnell an und wollte sich unbedingt integrieren.

Der Anfang sei schwer gewesen - vor allem wegen der Sprachbarriere. Aber schon kurz nach seiner Ankunft machte Adel einen sechsmonatigen Deutschkurs in Dillingen. Im September vergangenen Jahres begann er das Berufsbildungszentrum (BBZ) in Merzig zu besuchen. In Syrien hatte er die Schule bis zur neunten Klasse besucht, den Hauptschulabschluss bestanden. In Deutschland legte er die Prüfung im vergangenen Juli erneut ab. Danach bewarb sich der junge Palästinenser bei verschiedenen Autohäusern im Saarland, bei Heisel durfte er nach einem Bewerbungsgespräch ein einwöchiges Praktikum machen - dann konnte er den Ausbildungsvertrag unterschreiben.

Nun fährt Adel jeden Morgen mit Bus und Bahn nach Merzig . In den nächsten Tagen will er sich bei einer Fahrschule anmelden. "In Syrien bin ich mit 15 Jahren schon mal Auto gefahren", berichtet der Auszubildende und lacht. Dort würden viele die Sache mit dem Führerschein nicht so genau nehmen. Von seinem Traumauto hat der Auszubildende auch schon eine ungefähre Vorstellung - "einen Mercedes", verrät er und fügt schnell hinzu: "VW hat aber auch sehr gute Autos. Ehrlich."

Adels Ausbilder Michael Lorenz ist sehr zufrieden mit ihm. "Er ist sehr engagiert und fragt auch viel nach", sagt er. Dass er die Sprache schon so gut spreche, mache vieles natürlich einfacher. "Nur Fachbegriffe müssen wir noch üben", erzählt Lorenz und schmunzelt. Den Fahrersitz habe Adel am Anfang als Stuhl bezeichnet, den Scheinwerfer als Lampe. Aber das komme mit der Zeit, das sei gar kein Problem. Außerdem sei er sehr hilfsbereit, wenn jemand kurz Hilfe braucht, sei er sofort zur Stelle.

Adel kommuniziert regelmäßig mit seiner Familie - per Whatsapp. Da es in der Wohngruppe kein WLAN gebe, könne er nur selten mit ihnen skypen. Das Handyguthaben werde dadurch zu schnell aufgebraucht. Adel hofft sehr, dass seine Familie bald nach Deutschland nachkommt. Die Chancen stünden gut, sagt der 17-Jährige überzeugt.