Foto-Ausstellung Pictures of Pop in der Stadthalle Merzig

„Pictures of Pop“ in Merzig : Wo Westernhagen auf die Toten Hosen trifft

60 Jahre Pop- und Rockgeschichte zeigt die Ausstellung „Pictures of Pop“ noch bis Freitag, 22. November, in der Merziger Stadthalle. In den vergangenen Jahrzehnten mit dabei: das Kreiskulturzentrum Villa Fuchs.

Die große saarländische Ausstellungsreihe ist nun auch in Merzig angekommen. „Pictures of Pop“ zeigt im Foyer der Stadthalle, was sich auf den Bühnen des Grünen Kreises in den vergangenen Jahrzehnten abgespielt hat. Die Schau führt ihre Besucher in nicht ganz streng chronologischer Reihenfolge anhand großer Foto-Banderolen von den 60er-Jahren bis in die Gegenwart.

Den Anfang machen Aufnahmen der Bands The Hurricanes, Cool Cats und The Swinging Five, die den Flair der Beat-Generation verströmen. Ein Bild des Kessler Sextetts lässt sich angesichts der Schlaghosen, die an den Beinen der Musiker schlackern, leicht in den 1970ern verorten. „Wir können auf eine sehr lange Geschichte der Popkultur zurückschauen“, schwärmt Michael Rauch, der die Ausstellung kuratiert hat. Als langjähriger Leiter des Kreiskulturzentrums Villa Fuchs ist er selbst für so einige der Auftritte mitverantwortlich, die nun im ersten Stock der Stadthalle betrachtet werden können. Nicht zuletzt hat Rauch 60 Prozent der Bilder der Ausstellung selbst geknipst, wie er stolz berichtet.

Es geht weiter mit einer Wand, die fast vollständig Marius Müller-Westernhagens Merziger Konzert im Jahr 1980 gewidmet ist – unterbrochen nur von zwei gezeichneten Porträts, die den Rapper Curse sowie den Erfurter Musiker Clueso zeigen. Eine Banderole zeichnet zudem die Geschichte des Merziger Kultursommers nach. „Mitte der 90er-Jahre lag die Altstadt am Boden“, erinnert sich Rauch und erklärt: „Mit dem Kultursommer wollten wir das Zentrum beleben.“ Ein Highlight der Konzertreihe sei der Auftritt der aus San Francisco stammenden Band Diego’s Umbrella gewesen. Die Gruppe sei 2010 auf Durchreise gewesen und habe spontan gefragt, ob sie in Merzig spielen dürfen. Resultat: „ein geiler Abend“.

Eine Hommage an die Musik der 80er-Jahre. Foto: Jakob Kulick

Die nun folgenden Aufnahmen der lokalen Coverband Forever Young dürften viele Besucher in Nostalgie schwelgen lassen. Die Formation hatte sich Ende der 80er-Jahre gegründet und fast 20 Jahre lang nicht nur die Bühnen Merzig-Waderns bespielt. „Forever Young waren keine normale Coverband, sondern auf sehr hohem Niveau,“ erklärt Rauch. Daher habe die Gruppe viele Anhänger gefunden, die begeistert die einmalige Bühnenrückkehr der Truppe zur Ausstellungseröffnung aufgenommen hätten. „Ich habe jedes Mitglied einzeln überredet, bei der Vernissage zu spielen“, freut sich der Leiter der Villa Fuchs. Im Anschluss trat die Pop-Punk-Band Zora auf, die ebenfalls aus der Umgebung stammt.

Im nächsten Abschnitt vermittelt die Foto-Schau nicht nur Bühnen-Eindrücke von Größen wie Musiker und Moderator Götz Alsmann sowie von Konzerten der Bands Die Ärzte und Die Toten Hosen in Losheim am See. Auch das Stadtleben Merzigs wird gewürdigt, etwa die Nacht der 1000 Kerzen oder der Kellnerlauf in der Altstadt.

Zudem haben die Eigenproduktionen der Musicals Zorro und Jesus Christ Superstar in der Stadthalle ihren Platz in der Ausstellung gefunden. „Wir haben damals alles selbst gemacht, vom Casting bis zum Bühnenbild“, erzählt Rauch. Dass es die Stücke auf die Bühne geschafft haben, sei insbesondere Christa Kaspar-Hort zu verdanken, die jeweils die Leitung inne hatte – und sogar mehr als nur persönlichem Einsatz mitbrachte: „Frau Kaspar-Horts Familie hat die dringend benötigten Kostüme genäht.“

Ausdrucksstarke Farben und ein sehr eigenwilliges Motiv: Das Filmplakat stammt aus der Feder von Tomi Ungerer. Foto: Jakob Kulick
„Pictures of Pop“ in der Merziger Stadthalle. Foto: Jakob Kulick

Den Abschluss der Schau bildet ein Plakat der dritten Luxemburger Filmtage in Merzig aus dem Jahr 1994. Es dient auch als Hommage an seinen Gestalter, den im Frühjahr verstorbenen französischen Grafiker und Illustrator Tomi Ungerer. Michael Rauch unterstreicht die Bedeutung, die dieses Plakat hat: „Das ist wirklich etwas ganz Besonderes.“

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