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Forstbetriebsgemeinschaft plädiert für anderen Umgang mit Borkenkäfer-Schäden

Merzig-Wadern : Borger: Kahlschlag ist völlig abwegig

Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft plädiert für alternativen Umgang mit Fichtenbeständen, die vom Borkenkäfer zerstört wurden.

Die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Saar-Hochwald spricht sich für einen alternativen Umgang mit Fichtenbäumen, die vom Borkenkäfer befallen sind, aus. „Neuer Wald unter toten Bäumen“ ist die Pressemitteilung überschrieben, in der der FBG-Vorsitzende Klaus Borger dafür plädiert, infolge des Borkenkäferbefalls abgestorbene Fichten nicht zu fällen und aus dem Wald herauszunehmen, sondern diese als Schirm auf der Fläche stehen zu lassen. Diese  Empfehlung der Forstbetriebsgemeinschaft habe jüngst auch das saarländische Umweltministerium aufgegriffen, erklärt Borger. „Schon in diesem Trockenjahr hat es sich gezeigt, dass sich unter diesen toten Bäumen die nachfolgende Baumgeneration hervorragend entwickelt“, argumentiert der FBG-Vorsitzende. Und weiter: „Auch unsere Empfehlung ,von jeglicher Flächenvorbereitung abzusehen, hat sich als völlig richtig bestätigt, denn die sogenannte saubere Forstwirtschaft macht den Wald kaputt.“

Hintergrund ist, dass im Kreis Merzig-Wadern und im gesamten Land großflächig Fichtenbestände durch den Borkenkäfer geschädigt sind. Vielerorts werden die erkrankten Bäume gefällt und aus dem Wald abtransportiert mit dem Argument, es müssten dem Borkenkäfer Brut- und Lebensräume genommen werden. Das sei die falsche Strategie, befindet der FBG-Vorsitzende: „Wer meint, mit dem Abholzen abgestorbene Fichtenwälder und der anschließenden Räumung der Flächen etwas Gutes zu tun, irrt gewaltig!“, findet Borger. Der Kahlschlag und das Räumen der Flächen seien  ökonomisch und ökologisch völlig abwegig. Wenn die Fichte abgestorben sei, stelle sie für „Schadinsekten“ wie den Borkenkäfer keinen Lebensraum dar. „Borkenkäfer befallen ausschließlich lebende, aber geschwächte Fichten“, betont Borger.

Jetzt gelte es vielmehr zu überlegen, wie man mit den Waldflächen umgeht, auf denen die toten Nadelbäume verbleiben, sagt Borger:  „Dort, wo die Naturverjüngung nicht die erwünschten Ergebnisse bringt, ist zu prüfen, ob dies am Wildfraß oder an fehlenden Samenbäumen liegt.“ Meist liege es am Wildfraß. Und die meisten heimischen Baumarten haben nach Überzeugung von Borger nur mit einem Schutz gegen Wildfraß eine Chance sich zu entwickeln.

Der FBG-Vorsitzende: „Gerade jetzt gibt es eine sehr effektive Möglichkeit, neues Baumleben in die abgestorbenen Wälder zu bringen.“ Mit der so genannten Laubstreusaat könne man die Natur imitieren, erläutert Borger. „Da die meisten Laubbäume in diesem Jahr wegen des Trockenstresses besonders viele Samen (Not-Fruktifikation) produzierten, liegen unter Buchen, Eichen und anderen Laubbäumen Massen an Baumsamen“, sagt Borger.

In diesem Zusammenhang gebe die FBG folgenden Tipp: „Nach dem Samenfall einfach das Laub mit den Baumsamen aufsammeln (außerhalb der Eigentumsflächen natürlich nur mit Genehmigung des Eigentümers) und unter den Totholzschirmen ausbringen.“ Dies sei eine „einfache, zeitsparende, kostenlose und naturnahe Möglichkeit“, die toten Wälder zu verjüngen.

Nähere Infos, auch zur Handlungsempfehlung der Forstbetriebsgemeinschaft und zur Infoschrift „Borkenkäfer was nun?“, finden sich im Internet:

 Die Forstbetriebsgemeinschaft empfiehlt, die derzeit in großer Zahl im Wald zu finden Laubbaum-Samen (im Foto die Samenkapsel einer Buche) unter abgestorbenen Fichten zu verteilen.
Die Forstbetriebsgemeinschaft empfiehlt, die derzeit in großer Zahl im Wald zu finden Laubbaum-Samen (im Foto die Samenkapsel einer Buche) unter abgestorbenen Fichten zu verteilen. Foto: Klaus Borger

www.fbg-saarland.de