Forscherin Maria Besse stellt Moselfränkisches Wörtbuch in Merzig vor

Buchvorstellung in Merzig : Britten zwitschert anders als Dörsdorf

Über die Unterschiede zwischen den Dialekten von Britten, Mettlach, Merzig und weiterer Orte im Saarland hat Maria Besse ein Buch geschrieben.

Ausgerechnet ein Klaviervorspiel ohne Gesang, also ohne Sprache, hat die Vorstellung eines Moselfränkischen Wörterbuchs im Schloss Fellenberg eingeleitet. Die Sprachforscherin und Professorin der Saar-Uni Maria Besse hatte zehn Jahre an dem Werk gearbeitet. Es vergleicht den Dialekt Brittens mit den Mundarten Mettlachs, Merzigs und weiterer Orte im Saarland. Zudem beleuchtet Besse in ihrem Buch die Herkunft vieler Wörter.

Nachdem der Pianist Christian Heinz seinen Vortrag beendet hatte, ergriff zunächst Daniela Schlegel-Friedrich das Wort. „Den Vergleich der verschiedenen Spielarten des moselfränkischen finde ich sehr spannend“, sagte die Landrätin. Trotz der regionalen Unterschiede bleibe die Sprache das verbindende Element zwischen den Menschen und zur Heimat, unterstrich Schlegel-Friedrich. Sie dankte Besse, „da ihre Arbeit die Heimat und den moselfränkischen Dialekt zu erhalten hilft“.

Auch Hubert Schommer, der Vorsitzende des Kreisheimatarchivs, brachte seine Sorge um den Erhalt des saarländischen Platts vor: „Vor allem ältere Mitbürger sprechen den Dialekt noch. Sie geben ihn zwar an ihre Enkel weiter, dennoch sprechen immer weniger Menschen die Mundart.“

Nach einem kurzen Klavierintermezzo war es an Besse, sich und ihr 400 Seiten starkes Buch vorzustellen. Ihr Interesse an dem Thema bestehe bereits seit der Kindheit. Von klein auf seien ihr etwa die Unterschiede in der Aussprache zwischen Stadt- und Landbewohnern aufgefallen. Zu Britten hat Besse einen familiären Bezug: Ihr Vater stammt aus der Ortschaft und ihre Tante, eine Floristin, lebt dort noch immer.

Bei der Recherche sei sie zunächst kursorisch vorgegangen – wann immer sie ein interessantes Wort gehört oder gelesen habe, habe sie versucht, dessen Herkunft auf den Grund zu gehen und Vergleiche mit anderen moselfränkischen Spielarten zu ziehen. Später habe sie systematischer gearbeitet, auch mithilfe Karl Conraths Kompendium zum Moselfränkischen. Der Mettlacher Schriftsteller hatte in den 1980er-Jahren den Dialekt seines Heimatortes erforscht, gemeinsam mit dem Saarbrücker Phonetikprofessor Max Mangold.

Eine besonders wichtige Quelle für ihre Forschung sei ihre Tante in Britten gewesen. „Jeden Freitag bin ich dorthin gefahren“, schildert Besse. Dann habe sie die Schwester ihres Vaters über ihre Sprache ausgefragt – sowohl zur Bedeutung der Wörter als auch zu deren grammatikalischen Eigenschaften, etwa zum Geschlecht der Substantive oder zu den Vergangenheitsformen der Verben.

Als ein Beispiel für Besses Vergleichsarbeit können die verschiedenen Varianten des Wortes „Nacht“ dienen. Die Britter sagen „Nööt“, während sich die Mettlacher eine gute „Noot“ wünschen. Hingegen kaufen die Bewohner beider Orte beim Bäcker „Pruut“ (Brot) und nebenan in Hausbach, Bergen und Brotdorf heißt es „Prout“. Ein anderer Fall liegt vor, wenn das gleiche Wort in der nächsten Ortschaft eine andere Bedeutung annimmt: Wenn Britter „zwitschern“, dann trinken sie über den Durst. Doch wenn ein Dörsdorfer „dswidschere därf mer“ sagt, dann will er bekräftigen, dass flirten erlaubt sei.

Auf dem Abendprogramm stand als nächstes eine Lesung im Moselfränkischen, vorgetragen von Irmgard Diwersy von der Mundartgruppe des Heimatvereins. Nach den zwei Gedichten und einer kurzen Erzählung auf Platt blieb Schlegel-Friedrich in ihrem Schlusswort nichts anderes übrig als festzustellen: „Mundart trägt immer auch zu guter Stimmung bei.“

Der offizielle Teil des Abends fand damit ein Ende. Maria Besse hat von ihrem Lebensthema allerdings längst nicht genug. Sie arbeitet bereits an drei weiteren Wörterbüchern ähnlichen Umfangs. „Das ist viel Arbeit“, gab sie zu. „Jede freie Minute steckt da drin.“

Autorin Maria Besse stellt ihr Buch im Schloss Fellenberg vor. Foto: Jakob Kulick
Autorin Maria Besse hat ihr Buch im Schloss Fellenberg vorgestellt. Foto: Jakob Kulick
Moselfränkisches Wörterbuch von Maria Besser. Foto: Jakob Kulick

Von Maria Besses Moselfränkischem Wörterbuch wurden 400 Exemplare gedruckt. Die Bücher gibt es in Merzig bei den Buchhandlungen Rote Zora und Bock & Seip, in Losheim ebenfalls bei Rote Zora und im Globus sowie in der Waderner Bücherhütte für 20 Euro zu kaufen.

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