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Flüchtlinge und Schüler werden Kumpel

Merzig. Um die Flüchtlinge, die am BBZ Merzig ein Berufsvorbereitungsjahr absolvieren, besser in das Schulleben zu integrieren, hat jeder von ihnen einen Paten aus der deutschen Schülerschaft. Lars Reusch

"Schule ohne Rassismus" hat sich das Berufsbildungszentrum (BBZ) Merzig auf die Fahnen geschrieben. Erwachsen ist das aus einem Projekt, das sich mit Flüchtlingen befasst. 15 Flüchtlinge zwischen 15 und 18 Jahren, die zum größten Teil unbegleitet, also ohne ihre Familie in Deutschland sind, absolvieren am BBZ gerade ein Berufsvorbereitungsjahr (BVJ), an dessen Ende sie den Hauptschulabschluss machen möchten. Und um den jungen Leuten nicht nur einen Abschluss, sondern auch Teilhabe im Schulalltag zu ermöglichen, hat die Schule das Buddy-Projekt auf den Weg gebracht.

"Buddy", das ist das englische Wort für Freund, Kumpel. Und ebendas ist die Idee dahinter: Um die Flüchtlinge besser zu integrieren, hat jeder von ihnen einen Paten aus der deutschen Schülerschaft. Auf gemeinsamen Veranstaltungen lernen die deutschen und die ausländischen Jugendlichen einander kennen, kommen ins Gespräch. So gelingt es, dass die Flüchtlinge , obwohl in ihrer BVJ-Klasse ja von den anderen Schülern praktisch isoliert, ins Schulleben integriert sind.

"Am Anfang gab es schon ein bisschen Hemmungen", erzählt die Lehrerin Sonja Al-Samaraie, die das Buddy-Projekt initiiert hat und sich spürbar leidenschaftlich dafür engagiert. Schon Ende des letzten Schuljahres machte sie sich unter den deutschen Schülern auf die Suche nach Paten, damit die Flüchtlinge von Anfang an jemanden an ihrer Seite wissen. Bis zu Beginn des Schuljahres hatten sich aber lediglich acht Schüler gemeldet, bei einer Schülerzahl von rund 1500 keine allzu große Ausbeute.

Aber klar: Die Flüchtlinge stammen aus Afghanistan, Äthiopien, Kamerun, Eritrea und Syrien, lernen gerade erst Deutsch - das sind erst einmal Barrieren, die man abbauen muss. Und genau das haben Schüler und Lehrer getan, sechs Mal haben sich die "Buddies" in diesem Schuljahr schon getroffen, sind zusammen gewandert, haben einen Spielenachmittag mit Karten und Mikado verbracht. Haben zu Weihnachten Plätzchen gebacken, und die ausländischen Schüler haben gekocht, und zwar das, was sie aus ihren Ländern kennen. So kam es zu einem ganz lebendigen Kulturaustausch. Auch in den Ferien haben sich die deutschen und die ausländischen Schüler getroffen, damit die sozialen Kontakte nicht abreißen.

Inzwischen haben sich anfängliche Hemmungen völlig gelöst, das Projekt hat auch immer mehr Zulauf: Mittlerweile kommen die 15 Flüchtlinge auf fast genauso viele Paten. Ein "Entwicklungsprojekt" nennt es Schulleiter Andreas Heinrich, an das auch die 115 Lehrer erst einmal herangeführt werden müssten. Diejenigen, die sich bereits engagieren, machen schließlich alles in ihrer Freizeit. In den nächsten Jahren, da sind sich Al-Samaraie und Heinrich sicher, wird das Projekt noch weiter wachsen - und "Schule ohne Rassismus" wird im wahrsten Sinne des Wortes weiter Schule machen.