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Feuerwehr-Großeinsatz: Gefahrgut-Transporter kippte bei Hilbringen um

Merzig : Chemietanker kam in bedrohliche Schräglage

Gefahrstoff-Transporter kippte am Mittwochabend bei Hilbringen von der Straße weg – Feuerwehr und Spezialkräne im Großeinsatz.

Dramatischer Feuerwehr-Großeinsatz am Mittwochabend in Merzig: Gegen 19 Uhr wurde Chemiealarm für die Feuerwehren aus Merzig und Umgebung sowie für den Gefahrstoffzug des Landkreises Merzig-Wadern ausgelöst, nachdem in den Hilbringer Saarwiesen ein Gefahrgut-Transporter verunglückt war. Rund 100 Kräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und Bergungsunternehmen waren bis in die frühen Morgenstunden im Einsatz. Mit Glück und Geschick gelang es den Einsatzkräften aber, eine Umweltkatastrophe zu verhindern.

Gegen 19 Uhr war der ABC-Alarm für die Feuerwehr Merzig ausgelöst worden: „Unfall mit chemischem Gefahrstoff“. Auf einer Umleitungsstrecke in Hilbringen hatte sich ein 62-Jähriger mit seinem Tanklastzug verfahren, und der Auflieger war in einer Rechtskurve in den Straßengraben gerutscht. Der voll beladene Tanker mit dem Gefahrstoff 3082, einer Epoxidharz-Verbindung, wurde nur noch durch die Rohrkonstruktion eines kleinen Brückenbauwerks gehalten. Der Auflieger hing in gefährlicher Schieflage fest, drohte komplett umzukippen, die Ladung, ein Zusatzstoff für die Reinigungsindustrie, bei einer Leckage auszulaufen. Der Stoff gilt laut Sicherheitsdatenblatt als augen- und hautreizend sowie gewässerschädlich.

 Die Feuerwehr tat alles, um Boden und Kanäle gegen ein mögliches Auslaufen der gefährlichen Ladung abzudichten.
Die Feuerwehr tat alles, um Boden und Kanäle gegen ein mögliches Auslaufen der gefährlichen Ladung abzudichten. Foto: Ruppenthal

Bereits wenige Minuten nach der Alarmierung waren die ersten Einsatzkräfte vor Ort, sicherten die Unfallstelle weiträumig ab. Spezialisten des Gefahrstoffzuges inspizierten den Unfall-Lkw und gaben dann vorsichtige Entwarnung. Der Tankaufleger befand sich zwar immer noch in Schieflage, war bei dem Unfall jedoch heil geblieben. Auch die Dieseltanks der Zugmaschine mit rund 500 Litern Treibstoff waren unbeschädigt.

Damit war jedoch die Gefahr noch nicht gebannt. Der Tankaufleger konnte immer noch umkippen und die Zugmaschine mit sich reißen. Vorsichtshalber wurden von den Feuerwehrkräften in aller Eile alle Abflüsse zur Kanalisation und zur nur wenige hundert Meter entfernten Saar verschlossen und abgedichtet. Der Tanker hatte immerhin mehr als 23 Tonnen, also mehr als 20 000 Liter, geladen.

In aller Eile wurde die Unfallstelle ausgeleuchtet, der verunglückte Lastzug mit Stahltauen von einem schweren Bergungsfahrzeug des Merziger Abschlepp-Unternehmens Bohr abgesichert, das neben seinem schweren Bergungsfahrzeug zudem seinen leistungsfähigen 45-Tonnen-Autokran zur Unfallstelle beordert hatte. Andreas Bohr empfahl jedoch, zur Bergung des verunglückten Lastzuges einen weiteren Autokran anzufordern. Die Firma Steil schickte daraufhin einen 100-Tonnen-Kran zur Unfallstelle. Dennoch herrschte bis kurz vor Mitternacht große Anspannung bei den Einsatzkräften. Man befürchtete, dass die beiden Autokräne den vollbeladenen Auflieger nicht packen könnten. Dann hätte nur noch ein Spezialfahrzeug aus Ludwigshafen helfen können, um den Tanker vor der Bergung leer zu pumpen. Die Befürchtungen bestätigten sich jedoch zum Glück nicht.

In einem echten Kraftakt gelang es den Bergungsspezialisten, den Auflieger aus dem Graben zu heben und wieder auf die Räder zu stellen. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussah: Die Beschädigungen an dem Lastzug waren schwerwiegend. Die Experten gehen von einem Totalschaden aus. Deshalb konnte der verunglückte Lastzug auch erst unter Polizeibegleitung zum Gelände von Auto Bohr geschleppt werden. Am Donnerstagnachmittag wurde die Ladung umgepumpt, nachdem der Eigner einen Ersatzfahrzeug nach Merzig entsandt hatte.

„Noch einmal gut gegangen“, resümierten die erschöpften und durchgefrorenen Einsatzkräfte, bevor sie gegen 2.30 Uhr endlich einrücken konnten. Insgesamt waren bei diesem spektakulären nicht alltäglichen Chemieunfall an die 100 Kräfte im Einsatz. Neben der Feuerwehr aus Merzig, ihren Löschbezirken Hilbringen, Besseringen und Brotdorf waren auch Feuerwehren aus Mettlach und Losheim, der Gefahrstoffzug des Landkreises Merzig-Wadern, die Sanitätseinheit des Malteser-Hilfsdienstes Merzig sowie die Polizeiinspektion Merzig im Einsatz. Die Feuerwehr Eppelborn hatte zudem einen ABC-Fachberater zur Einsatzstelle entsandt. Auch Bürgermeister Marcus Hoffeld war vor Ort und informierte sich aus erster Hand über das Unfall- und Bergungsgeschehen.