Handball: Feierwütige Wikinger und deprimierte Deutsche

Handball : Feierwütige Wikinger und deprimierte Deutsche

Island gewinnt das internationale Handball-Turnier in Merzig - und rächt sich für die Finalniederlage vor zwei Jahren.

Vor zwei Jahren hatten sich die deutschen Nachwuchs-Handballer mit einem Erfolg über Island den Titel beim internationalen Sparkassen-Cup in Merzig zurückgeholt. Diesmal waren es die „Wikinger“, die am Ende die Nase vorne hatten. Und wie. Die U18 der Skandinavier behielt im Finale nach einer an Dramatik nicht zu überbietenden Endphase mit 21:20 (10:11) die Oberhand.

Gleich zwei Siebenmeter hatten die Deutschen kurz nacheinander verworfen. Nach 14 Siegen in Folge und zwei Titelgewinnen riss damit die DHB-Siegesserie beim hochkarätig besetzten Jugend-Turnier.

Die Popularität der Veranstaltung des HSV Merzig-Hilbringen ist dagegen ungebrochen. Auch mit einem neuen Dreigestirn an der Organisationsspitze pilgerten Hunderte Besucher zur Thielspark-Halle, um die 31. Auflage hautnah zu erleben. „Es waren etwa 2000 Zuschauer über die drei Tage verteilt. Wir haben uns heute entschieden, ab 12 Uhr keine Karten mehr zu verkaufen“, verriet Michael Lux von der neuen Orga-Leitung. „Ausverkauft“ – so der Hinweis am Finaltag auf einem Schild im Eingangsbereich.

Wer erst am Nachmittag vorbeikam, um auf den letzten Drücker doch noch in den Genuss von Spitzenhandball zu kommen, wurde enttäuscht. Er verpasste nicht nur das finale Drama, sondern auch das ausgeprägte Feier-Repertoire der isländischen Premieren-Sieger. Der Stammgast beim Merziger Turnier feierte auf dem Feld mit Schlachtgesängen und wilden Tanzeinlagen seinen Coup – die deutschen Spieler suchten nach dem bitteren Ende dagegen sofort das Weite. „Die Enttäuschung ist groß, zumal wir hinten raus ja noch mal die Chance hatten“, räumte DHB-Kapitän Ian Weber von der HSG Dutenhofen im Kabinentrakt ein. Im Mittelpunkt: sein Mitspieler Veit Mävers. Neun Sekunden vor dem Ende übernahm der 17-Jährige vom TSV Hannover-Burgdorf erneut Verantwortung bei einem Siebenmeter, nachdem er erst zwei Minuten zuvor mit einem Strafwurf am Lattenkreuz gescheitert war. Mit dem zweiten Fehlwurf wurde Mävers, zuvor beim 34:29 über Polen mit zehn Treffern noch deutscher Halbfinal-Held, zur tragischen Figur im Endspiel. „Erst wollte ich selbst werfen. Er hat aber gesagt: ,Ich mache es’“, schilderte Weber die Situation vor dem Siebenmeter: „Kein Vorwurf an Veit. Wir stehen da alle voll hinter ihm.“ Nach dem Spiel wurde Mävers von den Kollegen dann auch kollektiv getröstet.

Trost dürfte auch Sascha Becker nötig gehabt haben. Ausgerechnet der einzige Akteur des gastgebenden HSV Merzig-Hilbringen im Aufgebot der Saar-Auswahl musste beim Heimspiel erkältet passen. Auch das Team von Landestrainer Dirk Mathis war diesmal nicht so vom Glück verfolgt. Nach zwei dritten Plätzen blieb die Mannschaft des Handball-Verbands Saar diesmal in der Gruppenphase hängen. Nach Niederlagen gegen Island und Holland lagen die Lokalmatadore im letzten Spiel gegen Polen bei einer Sechs-Tore-Führung bis tief in Hälfte zwei hinein auf Halbfinal-Kurs, dann aber brachen die jungen Saarländer ein und verpassten mit dem 29:29 den nötigen Sieg ganz knapp. Am Finaltag feierte die HVS-Auswahl nach einem heftigen 19:30 gegen die Schweiz mit dem 31:29-Sieg über die Niederlande einen versöhnlichen Abschluss und wurde Turnier-Siebter.

Nächstes Jahr darf das gerne wieder besser werden, wobei Mathis so oder so stolz war: „Wir haben diesmal mit Gleichaltrigen gespielt und vier von fünf Partien absolut offen gestaltet. Das war Werbung für den saarländischen Handball“, sagte der Landestrainer. Und das Turnier war erneut Werbung für den Sport an sich – Michael Lux blickt bereits voller Vorfreude auf die nächste Auflage: „Wir werden auch die 32. Auflage mit unserem langjährigen Sponsor bestreiten und in enger Abstimmung mit dem DHB dafür sorgen, dass wir wieder ein hochkarätiges Turnier auf die Beine stellen.“

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