Fanjubel und Peitschenhiebe

Merzig. Auf einem Leopardenfell räkelt sich ein dekadenter Wichtigtuer, auf freiem Feld erhängt sich ein Verräter und eine euphorische Menschenmasse erschafft und vernichtet einen Star. So unterschiedlich diese Szenerien anmuten, so gut fügen sie sich zusammen: im Musical Jesus Christ Superstar

 Das Plakat zu dem Muscial-Projekt. Foto: SZ

Das Plakat zu dem Muscial-Projekt. Foto: SZ

Merzig. Auf einem Leopardenfell räkelt sich ein dekadenter Wichtigtuer, auf freiem Feld erhängt sich ein Verräter und eine euphorische Menschenmasse erschafft und vernichtet einen Star. So unterschiedlich diese Szenerien anmuten, so gut fügen sie sich zusammen: im Musical Jesus Christ Superstar. Jesus, Held der Massen, wird von seinen Anhängern zum Star gemacht, Herodes hört vom Ruhm und lädt ein in seine Villa, Judas sieht die eigentlichen Ziele in Vergessenheit geraten und verrät den Freund an die Hohepriester.Proben laufenMittlerweile laufen die Proben zum Musicalprojekt Jesus Christ Superstar, das im November 2009 in der Stadthalle in Merzig Premiere feiert, bereits seit einem Vierteljahr. Nachdem beim Casting im Dezember des vergangen Jahrs fast alle Rollen besetzt werden konnten, fügen sich, auch ohne zwei noch unbesetzte Hohepriester, nun nach und nach Fanjubel, Liebesszenen und Peitschenhiebe zu einem Ganzen zusammen. Im Ensemble füllen mehr als 30 Tänzer, Sänger und Schauspieler die Szenen mit Begeisterung und Jubel, mit Hass und Verachtung, mit Euphorie und Aufbruchstimmung. Das junge Projekt mit der Villa Fuchs als Träger und unter der künstlerischen Leitung von Christa Kaspar-Hort verfolgt ein ganz bestimmtes Ziel: Das Ensemble will eine Inszenierung auf die Bühne bringen, die es in dieser Form noch nicht gibt. Weg vom Hippie-Image des "Jesus Christ Superstar"-Originals der 70er Jahre passt sich die Inszenierung der heutigen Zeit an. Statt zwischen Wüstensand und Sandalen findet man sich zwischen Kamera-Live-Übertragungen, schmierigen Schlagzeilen der Klatschpresse, inmitten einer Mischung aus überdimensionalem Reichtum und öffentlichem Interesse. Das Übermaß an Sinneseindrücken wird unterstützt durch Videoprojektionen, Großaufnahmen der Hauptdarsteller und Lichteffekte, die im Vorfeld bereits gut geplant werden. Das bewusste Miteinbeziehen der unausweichlichen und omnipräsenten Medien und ihres Umgangs mit dem Individuum Jesus verleiht der Umsetzung des Stücks eine besondere Dynamik. Noch Darsteller gesuchtIm Mittelpunkt der im Stück dargestellten Hysterie steht der Zimmermannssohn Jesus. Im Merziger Musicalprojekt spielt Carsten Schreier den zum Messias gewordenen Handwerker. Wie auch Jesus, der Superstar, kann bei diesem Projekt der 25-jährige Schauspieler auf der Bühne keine Berührungsängste oder Hemmungen zeigen. Dann nicht, wenn eine bettelnde Masse für ein Autogramm an seiner Kleidung zerrt, dann nicht, wenn er seinen nahenden Tod hinterfragt und auch dann nicht, wenn er als heiß begehrter Mann die Nähe zur aufreizenden Maria Magdalena genießt. Zwei Stunden dauert eine der Proben, deren Termine bereits für die nächsten vier Monate auf einer speziell eingerichteten Homepage veröffentlicht sind und in denen Gesang, Tanz und vor allen Dingen Ausdruck szenisch erarbeitet werden. Bis Anfang November hat das Ensemble noch die Gelegenheit, neue Anhänger für ihren Star zu gewinnen. Es sind noch ein paar Rollen zu besetzen. Wer Lust hat, als Darsteller mitzumachen, kann sich auf der Homepage anmelden. redwww.jcsuperstar.de.

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