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Prag, Wien, Hamburg, Maastricht und zurück nach Merzig
Everyday Circus auf Tour: Von Merzig nach Berlin

Everyday Circus, das sind (von links) Marc Weber (Gitarre, Klavier, Gesang), Simon Müller (Schlagzeug), Matteo Schwanengel (Lead Gesang, Gitarre) und Eren Selcuk (Bass).
Everyday Circus, das sind (von links) Marc Weber (Gitarre, Klavier, Gesang), Simon Müller (Schlagzeug), Matteo Schwanengel (Lead Gesang, Gitarre) und Eren Selcuk (Bass). FOTO: capadol
Merzig/Berlin . Die vier Musiker von Everyday Circus aus der Region erobern die Bühnen mit einer energiegeladenen Mischung aus Indie und Grunge.

Laut und energetisch, aber trotzdem melodisch soll die an Indie und Grunge erinnernde Musik von Everyday Circus klingen. Das ist Sänger und Gitarrist Matteo Schwanengel aus Fremersdorf, 25 Jahre alt, der 28-jährige Marc Weber aus Merzig, der auch Gitarre spielt und im Hintergrund singt, Bassist und Background-Sänger Eren Selcuk aus Rimlingen, 24 Jahre alt, sowie der 28-jährige Simon Müller aus Brotdorf am Schlagzeug sehr wichtig. Sie touren gerade durch ganz Deutschland und die Nachbarländer.



Wie lange seid Ihr schon auf Tour?

Matteo Schwanengel: Seit zweieinhalb Wochen. Am 28. August ging es los, und gerade sind wir in Berlin Neukölln.

Wie weit seid Ihr mit Eurer Musik schon gereist?

Schwanengel: Prag, Wien, Hamburg, Maastricht... Wir sind schon ein bisschen rumgekommen.

Und wie läuft die aktuelle Tour bis jetzt?

Schwanengel: Es wird von Mal zu Mal besser. Bei jeder Rückkehr in eine Stadt hat sich unser Name ein bisschen mehr herumgesprochen. Die Zuschauer, die beim letzten Konzert dabei waren, kommen wieder und bringen neue Leute mit. Sie wollen die neuen Songs hören und können die alten schon mitsingen.

Beim letzten Mal? Die wievielte Tour ist das jetzt schon?

Schwanengel: Das ist jetzt die fünfte Tour. Die Erste war relativ klein mit sieben Terminen. Doch danach hatten wir bei allen Touren immer so zwischen 13 und 20 Termine.

Und das braucht seine Zeit. Wie arrangiert Ihr Musik und Job?

Schwanengel: Mit der Musik verbringen wir definitiv die meiste Zeit. Aber jeder von uns muss natürlich schauen, dass er ein Leben führen kann. Es wird zwar immer besser, sodass sich mittlerweile die Kosten decken und die Touren ein bisschen was einbringen, aber ganz reicht es noch nicht. Wir machen alle Jobs in ähnlichen Bereichen und arbeiten kreativ. Ich zum Beispiel bin freier Musikautor beim Saarländischen Rundfunk.

Wie kann man sich denn Euer Leben im Tour-Bus vorstellen?

Schwanengel: Voll! Es ist ein großer Tour-Bus, aber man hat ja auch allerhand dabei. Außerdem sind unsere Tour-Managerin Lea, unsere Tontechnikerin Florina und unser Fotograf Lih dabei, sodass wir zusammen sieben Leute sind. Hinten gibt es eine Ladefläche, wo wir unser ganzes Equipment lagern.

Aber man ist nie alleine und hat immer Unterhaltung, oder?

Schwanengel: Ja, wir reden ganz viel im Bus. Manchmal gibt es auch Diskussionen unter einigen oder auch mal zwischen allen. Manchmal hören wir auch gemeinsam Musik. Außerdem sind wir alle ganz große Serien-Fans, und so hat jeder seine Serie, um die lange fahrt zu überbrücken.

Welche wäre das in deinem Fall?

Schwanengel: Ich habe mir gerade die Serie „Mad Men“ aufs Handy geladen.

Was sagen Eure Freunde und Familie dazu, wenn Ihr soviel unterwegs seid?

Schwanengel: Für die Menschen, die einen gerne bei sich haben, ist es natürlich nicht immer einfach, wenn man so lange weg ist. Doch wir haben Partner und Freunde, die genau verstehen, wieso wir das so gerne machen. Die sind dann auch nicht sauer, wenn wir mal länger weg sind.

Habt Ihr auch schon ein paar Groupies?

Schwanengel: Es passiert schon hier und da mal, dass man jemanden kennenlernt, der einen mit der Band gesehen hat. Aber ansonsten hält sich das noch in Grenzen.

Auf Eurer Internetseite steht: „In der Band geht es um mehr, als Konzerte vor seinen Freunden zu spielen und dabei möglichst viel Bier zu trinken.“ Um was geht es noch?

Schwanengel: Wir waren von Anfang an sehr ambitioniert. Dabei hatten wir zwar kein konkretes Ziel vor Augen, aber wollten immer, dass es weiter geht. Wir wollten auch in Städten spielen, wo uns noch keiner kennt. Wo nicht alle Freunde warten, sondern Fremde, und die muss man erst noch überzeugen. Einige Bands machen ihre Musik nur für den Moment, in dem sie vor ihren Freunden bei einer großen Party spielen und mit ein paar Bier feiern. Wir wollten über diesen Moment hinaus gehen und uns weiterentwickeln.

Geht nicht manchmal auch ein wenig Unzufriedenheit damit einher, immer wieder überzeugen zu müssen?

Schwanengel: Fremde zu überzeugen, ist schwerer als immer nur vor Freunden zu spielen, die einen gut finden. Es geht darum, dass man irgendwann so viele Menschen erreicht, dass die Musik nicht von Freunden der Band, sondern von allen Menschen, die die Musik gut finden, getragen wird.

Und das mit dem Biertrinken?

Schwanengel: Wir sind alle keine großen Bier-Trinker. Wir gehen eher um 11 Uhr schon ins Bett, um am nächsten Morgen fit zu sein. Alles in allem sind wir auf Tour sehr gesund unterwegs.

Auf Eurer Webseite steht, die Band sei aus vier besten Freunden gegründet. Ist das noch so?

Schwanengel: Es gab einen Besetzungswechsel, aber ansonsten ist das noch so. Wir haben uns als beste Freunde gefunden und sind es immer noch.

Aber wird das nicht mal eng auf Tour?

Schwanengel: Ja schon. Irgendwann geht es auch darum, dass man schnell genug auf- und abbaut und dass man sich sagen kann, was man aneinander findet. Man muss gut mit Kritik umgehen können. Aber daran haben wir schon immer gearbeitet, denn die Freundschaft und der Spaß sind uns sehr wichtig. Auch wenn es intensiv wurde und viel zu tun war, haben wir innegehalten und geschaut, dass jeder von uns noch mit der Situation fertig wird und die Freundschaft keinen Schaden nimmt.

Wann spielt Ihr wieder daheim?

Schwanengel: In Merzig ist es schwer, aber in Saarbrücken spielen wir bestimmt dieses Jahr wieder.

Eure neue Single heißt Golden. Worum geht es darin?

Schwanengel: Es geht darum, wie wichtig es uns ist, optimistisch zu bleiben, was in der heutigen Welt oft gar nicht einfach ist. Man muss versuchen, nach jedem Rückschlag an seiner positiven Art festhalten, ohne dabei naiv zu werden. Denn das ist das andere Extrem: Wenn man die Dinge nicht mehr infrage stellt und sich davor verschließt, bringt das auch nichts. Wir wollen damit sagen, dass man trotz den schlechten Erfahrungen optimistisch bleiben sollte.

Was habt Ihr sonst noch aufgenommen?

Schwanenegel: Am Anfang haben wir eine kleine EP gemacht mit drei Songs. Und auch zwischendurch haben wir einzelne Songs aufgenommen, um zu probieren, wie alles klingt. „Mirrors“ war 2016 unser Debüt-Album. Diesen März sind wir nochmal ins Studio gegangen, um neue Songs aufzunehmen. Dabei sind drei Lieder herausgekommen, darunter auch „Golden“.

Eine letzte Frage noch: Ihr seht ein wenig aus, wie die klassischen Surfer-Jungs. Hat das mit Eurer Einstellung zu tun?

Schwanengel: Also vorab, keiner von uns surft. Aber ja, das ist schon der Vibe, den wir rüber bringen wollen. Die typischen Surfer stehen ja schon für ein positives Lebensgefühl und das teilen wir auf jeden Fall.

Die Fragen stellte Ann Sophie
Willeitner.

Everyday Circus
Everyday Circus FOTO: capadol
(asg)