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Es ruhig angehen lassen? Das geht nicht

Es ruhig angehen lassen? Das geht nicht

Gabriela Husung war Sportlehrerin mit Leib und Seele. Mit ihrem Auge für Talente trainiert die pensionierte Pädagogin heute die Mehrkampf-Asse des LC Rehlingen. Für den ehrenamtlichen Einsatz wurde die 64-jährige Merzigerin nun mit der Sportplakette des Saarlandes geehrt.

Die Sportplakette ist die höchste Auszeichnung des Saarlandes für den Sport. Einmal im Jahr ehrt Sportminister Klaus Bouillon die Menschen, die sich ehrenamtlich in besonderer Weise verdient gemacht haben. Und so wird es in Merzig und Umgebung auch niemanden überrascht haben, dass Gabriela Husung bei der Verleihung der Ehrenpreise in der Saarbrücker Staatskanzlei diesmal zu den Preisträgern zählte. 40 Jahre lang war die Vollblut-Sportlerin als Lehrerin tätig und hat im Schulbetrieb und in ihrer Freizeit zahlreiche Talente gefördert und gefordert. Eine ihrer Schülerinnen am Peter-Wust-Gymnasium (PWG) war Daniela Schlegel-Friedrich . Die Landrätin des Landkreises Merzig-Wadern schlug Husung nun für die Sportplakette vor. "Daniela war damals meine schnellste Ski-Langläuferin", erinnert sich die 63 Jahre alte Pädagogin gerne an die Zeit am PWG zurück, wo sie im Februar 2014 in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Große Erfolge in Berlin

Seit 1969 nahm ihre Schule an den Bundesfinals von "Jugend trainiert für Olympia" (JTFO) teil, mit 49 Leichtathletik-, 24 Skilanglauf-, elf Tischtennis-, vier Handball-, drei Volleyball-Mannschaften und einer Judo-Riege. Eine Erfolgsgeschichte, an der Husung kräftig mitschrieb. Die ohne Husung in dieser Form wohl auch nicht möglich gewesen wäre. 35 Mal reiste sie mit Auswahlteams nach Berlin. Mit den Leichtathleten gewann sie 1988 Silber und 1989 Bronze. Die meisten JTFO-Erfolge feierte sie in ihrer Kernsportart. Saarländische Leichtathletik-Größen wie Langstrecken-Ass Raphael Schäfer oder Kugelstoßerin Anke Moos feierten mit. Letztere heißt jetzt Rehlinger, ist saarländische Wirtschaftsministerin und hält mit 16,03 Metern immer noch den Landesrekord.

Ein echtes Multi-Talent

Sport hat das Leben von Gabriela Husung schon früh bestimmt. Bereits nach dem ersten Turn-Training wollte die damals Fünfjährige Sportlehrerin werden. "Das stand für mich schnell fest", sagt Husung grinsend, die als Zwölfjährige zur Leichtathletik kam. Über 800 Meter und im Mehrkampf räumte sie Pokale ab.

Später, "in den Dreißigern", lief sie Marathons. Zwischendurch spielte die begeisterte Skilangläuferin aber auch Volleyball beim TV Saarlouis . 36 Jahre leitete Husung an der Schule zudem die Tanzgruppe, die in der Region viele Auftritte hatte. "Die Tanzgruppe hat für mich den gleichen Stellenwert", betont die Allrounderin, die heute immer noch begeistert das Tanzbein schwingt.

Nach dem Ende der Lehrer-Laufbahn wollte es die frühere Trainerin der LG Merzig und des LC Rehlingen eigentlich ruhiger angehen lassen - so der Plan. "Ein halbes Jahr lang ging das gut. Dann kam Langeweile auf. Ich hatte zu viel Zeit zum Nachdenken und fühlte mich nicht wohl. Also habe ich ein Traineramt übernommen und bin jetzt wieder im Unruhestand", erzählt sie grinsend. Beim LC Rehlingen kümmert sie sich derzeit als Co-Trainerin um die Mehrkampf-Asse, mit denen sie kürzlich am Saarbrücker Olympiastützpunkt ein mehrtägiges Trainingslager absolvierte. "Die Hallensaison beginnt früh, wir müssen was tun", sagt die Lehrerin, die im neuen Jahr beim LCR zusätzlich Reha-Kurse leiten will. Doch davor ist Büffeln angesagt. "Ich werde wohl ein paar Tage die Schulbank drücken und den Kursleiter-Schein machen", erzählt sie sichtlich zufrieden. Für eine Vollblut-Ehrenamtlerin wie Gabriela Husung gibt es eben keinen Ruhestand.

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Auf einen Blick Mit der Sportplakette zeichnet das saarländische Innenministerium Persönlichkeiten des Landes aus, die sich ehrenamtlich in besonderem Maß um den Sport in Vereinen und Verbänden verdient gemacht haben. Der Preis wurde in diesem Jahr zum 20. Mal vergeben. 63 Kandidaten hatten die Kommunen und Vereine ins Rennen geschickt, insgesamt zehn Preisträger wurden schließlich in der Staatskanzlei von Klaus Bouillon mit der hohen Auszeichnung geehrt. Sie seien "die Zugpferde im organisierten Sport", sagte der Innenminister . Gabriela Husung wurde vom Landkreis Merzig-Wadern für die Sportplakette vorgeschlagen. Sie war in diesem Jahr die einzige Preisträgerin aus dem Kreis. red