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„erinnern – mahnen – widerstehen“

Wort zum Alltag : Bei Gedenkfeiern Zeichen setzen

In den Tagen des Novembers begehen wir viele Gedenktage, so auch mit dem 9. November eines der prägendsten Daten für die Demokratie in Deutschland. „Es lebe die Republik!“, rief Philipp Scheidemann aus dem offenen Fenster des Berliner Reichtages.

Und am 11. November vor 100 Jahren endete der 1. Weltkrieg – Gott sei Dank!

Es ist gut und wichtig, dass wir uns immer wieder unserer Geschichte bewusst machen und erinnern. Daran, dass die junge Republik auf wackeligen Beinen stand und nur 20 Jahre später mit den brennenden Synagogen am 9. November 1938 in der Reichspogromnacht endgültig endete und die dunkelste Epoche in der deutschen Geschichte ihren Lauf nahm.

Der Volkstrauertag ist ein Tag der Mahnung und der Erinnerung an die unzähligen Opfer der beiden Weltkriege.

Zwar steht dieser Tag in unseren Kalendern, aber die Zahl derer, die ihn bewusst begehen, scheint geringer zu werden. Sind doch die Soldatenfriedhöfe und Denkmäler deutliche Boten der Mahnung.

Sie mahnen und sagen uns: So etwas darf nie wieder geschehen. Es sind Orte gegen das Vergessen und gegen das Verdrängen.

Es ist unsere vordergründige Aufgabe, in einen Dialog zu treten, denn: „Wissen fördert Verstehen! Verstehen fördert Verständnis! Verständnis ist die Basis eines ehrlichen Austausches!“

Die Revolution am 9. November 1918 war eine blutige. Dass es auch anders geht, zeigt die friedliche Revolution, die am 9. November 1989 im Mauerfall ihr äußeres Zeichen hat und die Grenze, die Deutschland teilte, niederriss.

Die Demokratie in Deutschland steht vor einer großen Herausforderung – denn in vielen Köpfen werden wieder Mauern aufgerichtet. Es ist an uns, unsere Stimme dagegen zu erheben!

In diesem Jahr wäre Willi Graf, ein Mitglied der Widerstandsgruppe „Die Weiße Rose“, 100 Jahre alt geworden. Am 1. Februar 1942 schrieb er von der Front nach Hause: „Ich wünschte, ich hätte das nicht sehen müssen, was sich in meiner Umgebung zugetragen hat.“ Nach der Rückkehr im November wurde die Widerstandstätigkeit der „Weißen Rose“ erheblich ausgeweitet. Am 12.Oktober 1943 – vor 75 Jahren – wurde er vom Naziregime hingerichtet.

Ich bitte Sie, die Gelegenheit am kommenden Sonntag zu nutzen, an den Gedenkfeiern teilzunehmen und damit ein Zeichen zu setzen. Ich möchte mit einem Zitat von Willi Graf enden: „Nicht: Es muss etwas geschehen, sondern: ich muss etwas tun!“