Eine Vernunftehe mit Verfallsdatum

Eine Vernunftehe mit Verfallsdatum

Die Glut war schon erloschen. Doch zum Wohle des Handball-Nachwuchses hat der HSV Merzig-Hilbringen die Kooperation mit dem TuS Brotdorf im Jugendbereich wieder neu entfacht – aber nur zeitlich begrenzt.

Der HSV Merzig-Hilbringen hat schon bessere Zeiten erlebt. Die Oberliga-Mannschaft, die an diesem Samstag um 19.30 Uhr die HF Illtal zum Derby erwartet, wird den Abstiegskampf wohl verlieren. Das tierische Derby "Wölfe gegen Zebras" dürfte es also vorerst zum letzten Mal geben. Ziemlich im Keller ist auch die Kooperation mit dem TuS Brotdorf im Jugendbereich - und hinter den Kulissen des Handball-Sportvereins rumort es ebenfalls gewaltig. "Quo vadis, HSV?" prangt derzeit eine Überschrift auf der Internetseite des Vereins. Wohin geht die Reise?

Das fragen sich in den letzten Monaten auch viele Spieler und Mitglieder. Die erste Schockwelle rollte im Dezember an: Der HSV kündigte dem TuS die Zusammenarbeit im Nachwuchsbereich auf. Unerfüllte Erwartungen und Abstimmungsprobleme mit dem Partner gab der HSV-Vorsitzende Jens Peter Schlingmann als Gründe an. Die Idee schmeckte den Betroffenen nicht. Die Kinder und Jugendlichen der zwölf gemeinsam betreuten Mannschaften hätten sich nach der Saison für einen Verein entscheiden müssen. Freundschaften wären auseinandergerissen worden. Also bemühten sich die Clubs um eine Lösung und verständigten sich auf eine zeitlich befristete Zusammenarbeit. Immerhin.

Vor drei Jahren stand die Kooperation im Jugendbereich nach der auf TuS-Initiative erfolgten Trennung im Männerbereich schon einmal kurz vor dem Aus. Doch es ging weiter. "Man kann es sich wie in einer gescheiterten Ehe vorstellen. Der Kinder wegen ist man zusammengeblieben", sagt Daniela Hoffeld. Von den Problemen, die eine Jugend-SG mit sich bringt, zeigte sich die langjährige HSV-Jugendleiterin überrascht. "Die Spieler müssen sich früher oder später für einen der beiden Vereine entscheiden. Möchten sie als Team zusammenbleiben, bleibt ein Verein auf der Strecke. Das ist der größte Nachteil der SG", sagt Hoffeld, die die aktuelle Entwicklung bedauert und eine Gesamt-Fusion der Vereine mit gemeinsamen Zielen langfristig als einzige Lösung sieht. Sven Klein stimmt ihr zu. "Der demografische Wandel ist ein Problem, das beide Vereine betrifft. Ein Zusammenschluss wäre sinnvoll, auch im Aktiven-Bereich", sagt der Torwart der ersten Männermannschaft und erinnert sich an harmonischere Zeiten. Beim TuS Brotdorf durchlief der HSV-Kapitän einst alle Altersklassen, stieß als 17-Jähriger zur ersten Mannschaft der 1998 gegründeten SG HF Untere Saar und stand sogar zwei Regionalliga-Spielzeiten zwischen den Pfosten. Seit dem Ende der SG gehen die Männerteams getrennte Wege, mit bescheidenem Erfolg. "Wir steigen wohl aus der Oberliga ab, Brotdorf kämpft in der Saarlandliga ums Überleben. Die Nachwuchsspieler werden immer weniger. Langfristig verlieren alle, Jugend- und Aktiven-Teams", befürchtet Klein und hofft auf ein Umdenken.

Die auf sieben Jahre befristete Zusammenarbeit im Jugendbereich sieht allerdings nur vor, dass alle Kinder und Jugendlichen des Jahrganges 2006 und älter in der bestehenden Kooperation bis zum Aktiven-Bereich verbleiben und spielen können. Ab dem Jahrgang 2007 und jünger werden beide Vereine die Jugendarbeit getrennt machen.

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Wölfe wollen Charakter zeigen Die Handballer des HSV Merzig-Hilbringen treffen an diesem Samstag ab 19.30 Uhr in der Thielspark-Halle im Oberliga-Derby auf die Zebras der HF Illtal. Die Erfolgschancen des Schlusslichts gegen den Liga-Zweiten sind gering. Ähnlich düster sah die Lage auch beim letzten Aufeinandertreffen in Merzig aus. Kurz vor Ende einer von Verletzungspech geprägten Saison trumpfte der HSV damals aber auf und erteilte dem Favoriten beim 29:25-Sieg eine Lehrstunde. Merzig hatte den Klassenverbleib vorher gesichert, Illtal den Titelkampf bereits verloren. Diesmal geht es noch um was, zumindest für die Gäste. "Die brauchen im Titelkampf jeden Punkt. Für uns dürfte der Abstieg besiegelt sein. Aber wir wollen Charakter zeigen und alles geben", sagt HSV-Torwart Sven Klein.