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Kopierladen
Eine Merziger Institution schließt

Nach 34 Jahren ist seit Freitag Feierabend: Hans-Peter Helfen (Zweiter v. l.) schließt seinen Kopierladen in der Bahnhofstraße.
Nach 34 Jahren ist seit Freitag Feierabend: Hans-Peter Helfen (Zweiter v. l.) schließt seinen Kopierladen in der Bahnhofstraße. FOTO: Ruppenthal
Merzig. Nach 34 Jahren macht Hans-Peter Helfen seinen Kopierladen in der Bahnhofstraße 22 dicht. Sein Wunsch: ein neuer Lebensabschnitt.

Ein leeres Blatt folgt dem nächsten: Praktikantin Jessica fühlt sich der Aufgabe nicht mehr gewachsen. Sie ruft den Chef. Der eist sich von seinen Freunden und Bekannten los, die ihm am Freitagnachmittag in einem Nebenraum die letzten Stunden in seinem Ladens versüßen. Ein Blick genügt, der Fachmann für Kopierer und Co. hat den Fehler erkannt: „Das PDF ist falsch gescannt worden“, bedauert Hans-Peter Helfen. „Da können wir nichts machen“, sagt der Besitzer des Kopierladens in Merzig. Nach 34 Jahren zieht der gelernte Kaufmann einen Schlussstrich unter sein Leben auf knapp 50 Quadratmetern. „Ich gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge“, verrät der 57-Jährige, dessen Shop in den mehr als drei Jahrzehnten längst zu einer Institution geworden ist. Nahezu jeder, der in dieser Zeit in der Kreis­stadt zur Schule gegangen ist, dürfte einmal Kunde bei Helfens Laden in der Bahnhofstraße gewesen sein.


„Im Mai 1984 hat mein Kollege Michael Rass aus Losheim das Geschäft eröffnet, zwei Monate später habe ich es gekauft“, erinnert er sich. Und dann ging es los. Wie viele Schüler sich in dem Haus in der Bahnhofstraße 22 die Klinke in die Hand gegeben haben, vermag er nicht zu zählen. „Viele sind bis in ihre Berufszeiten zu mir gekommen, um Kopien zu erstellen oder ihre Arbeiten einbinden zu lassen“, erzählt er. Ob Spiralbindung, Klebebindung, Ringbindung und, und, und: Der gebürtige Wahlener richtete sich stets nach dem Willen seiner Kunden. Und die blieben ihm treu – zumal er nach seinen Worten immer die modernsten Geräte für seinen Kopierladen stellte. „Viele meiner Stammkunden sind mit dem Laden älter geworden. Es sind mittlerweile drei Generationen. Nach 34 Jahren kommen die Enkel“, lacht er.

Als er in den 80er Jahren begann, arbeitete er mit analogen Kopierern, die mit Hilfe eines Objektivs und eines Spiegels ein Abbild vom Original erstellten. „Ich habe immer versucht, auf Kundenwünsche einzugehen“, verrät er sein Erfolgsrezept. „Als mich sechs Leute nach Lichtpausen gefragt haben, habe ich mir eine solche Maschine angeschafft.“ Damit waren beispielsweise Kopien auf lichtempfindlichen Papier möglich. Durch Kundenwünsche ist Helfen nach seinen Worten zu einem Scanner gekommen – ein Gerät, das mit Licht und Reflexionen arbeitet. Neben Ausdrucken bot er die Bearbeitung von PDF-Dateien, Fotos, Bildern, Entwürfen und Plänen bis zu DIN A 0 an. DIN A 0 – 84,1 mal 118,9 Zentimeter – „Standardprogramm“, wie Helfen es nennt.



Im Laufe der mehr als drei Jahrzehnte hat sich die Technik weiter entwickelt. Längst sind Analogkopierer von Digitalkopierern verdrängt worden. Ihr Vorteil: Sie können das eingescannte Schriftstück oder Bild zwischenspeichern. Das Dokument, das kopiert wird, muss nur einmal erfasst werden und kann aus dem digitalen Speicher beliebig oft vervielfältigt und – je nach Bedarf – bearbeitet werden. Es waren Internet, Facebook und Co., die ihm das Geschäft mit den Plakaten verhagelt haben. „Die Plakate sind in die neuen Medien abgewandert.“

Über Jahre hinweg hatte er nach seinen Worten mit Stammpersonal gearbeitet. Seit rund einem Jahr stemmte der Chef den Laden alleine – in den vergangenen vier Wochen mit Praktikantin Jessica. „Sie hat heute ihren letzten Tag“, verrät er am Freitag. Dass so viele „bekannte Gesichter“ dem Geschäft Lebewohl sagen, rühre ihn und mache ihn stolz. Doch zu einem Weitermachen können auch sie Hans-Peter Helfen nicht bewegen. „Das Haus ist an die Firma Scholtes verkauft. Und ich freue mich auf einen neuen Lebensabschnitt.“ Eine längere Reise nach Südostasien, dem Land seiner Träume, plant er. „Und dann überlege ich, wie es beruflich weitergeht.“ Aber dafür lasse er sich erst mal Zeit.