Ein Füller, der Geschichten erzählt

Ein Füller, der Geschichten erzählt

Hilbringen. "Stellt Euch vor, dass die Geschichte, die ihr schreiben wollt, schon in eurem Füller ist. Ihr müsst sie nur noch rauslassen", motiviert Autor Klaus-Peter Wolf die Schüler der dritten Klasse. Er hat ihnen bereits erzählt, wie er angefangen hat zu schreiben. Damals als er mit acht Jahren sein erstes Buch auf eine Tapetenrolle geschrieben hat

Hilbringen. "Stellt Euch vor, dass die Geschichte, die ihr schreiben wollt, schon in eurem Füller ist. Ihr müsst sie nur noch rauslassen", motiviert Autor Klaus-Peter Wolf die Schüler der dritten Klasse. Er hat ihnen bereits erzählt, wie er angefangen hat zu schreiben. Damals als er mit acht Jahren sein erstes Buch auf eine Tapetenrolle geschrieben hat. Und er hat ihnen gleich mal seinen Füller gezeigt: Schwarz, groß, mit gefährlich spitzer Schreibfeder, schwarzer Tinte. Mörderische Krimis Das kann nur eines bedeuten: Klaus-Peter Wolfs Füller trägt mörderische Krimis in sich. Wolf ist Profi und durch und durch ein Autor, der seine Arbeit liebt und alle Möglichkeiten, die er dadurch hat. "In eurer Fantasie könnt ihr alles sein und alles machen. Geht in eine eurer Figuren, die in eurer Geschichte vorkommen sollen. Ihr könnt Räuber sein oder Polizist, ihr könnt fliegen, zaubern, hexen oder mit Tieren sprechen. Es liegt ganz bei Euch", lädt Wolf die Schüler ein, der Fantasie freien Lauf zu lassen. Seine Begeisterung kommt gut an bei den Schülern. Sie sind Feuer und Flamme, wollen sogar die Pause opfern um weiterschreiben zu können. Schwungvoll fliegen die Füller über die Blätter, der eine oder andere ist ganz in der Geschichte gefangen. Mit roten Bäckchen führen die Kinder ihre Hauptdarsteller durch verschiedenste Szenarien, mal in Märchen, mal in einen super spannenden Krimi oder eine gruselige Horrorgeschichte. "Kommen gute Ideen aus den Füllern?", will Autor Klaus-Peter Wolf wissen. "Jaaaa, sehr gute", kommt die geschlossene Antwort aus den Schülerreihen. Es macht den Kindern sichtlich Spaß, vielleicht ist es für manche oder alle ein ganz neuer Zugang zum Thema Schreiben. Dazu verrät Wolf ihnen noch geheime Schriftstellertipps, wie die Krimis, Romane oder Märchen den letzten Schliff bekommen. Da braucht es vor allem einen tollen Hauptdarsteller, einen Helden. Doch der kann nur ein echter Held sein mit einem noch größeren, bösen Gegenspieler. Kämpft ein Prinz tapfer gegen ein Kaninchen, so ist das wohl keine besonders große Herausforderung. Kommt aber der riesige, Feuer speiende Drache ins Spiel, muss sich der Held warm anziehen. Natürlich halten die kleinen Leser ihrem Helden dann noch viel doller bei.Stolz auf die Geschichten Nach einiger Zeit sind die kleinen Autoren in der Klasse 3 ganz wild darauf, ihr Werk oder zumindest die schon fertigen Teile vorzulesen. Von Hemmungen keine Spur. Sie sind stolz auf ihre Geschichten - egal ob lang oder kurz, spannend oder lustig. Es sind die eigenen Ideen mit eigenen Worten verknüpft, und zu alledem hat es noch eine Menge Spaß gemacht. Natürlich können nicht jeden Tag Profi-Autoren den Unterricht übernehmen. Doch es ist eine spannende und motivierende Erfahrung für alle Schüler. Klaus-Peter Wolf kam über die von Hochwald Sprudel gesponserte Aktion "Wasserkästen für Bücherkisten" nach Hilbringen. Doch auch der Friedrich-Bödecker Kreis Saarland organisiert Autorenlesungen in Schulen. Die Lese-Woche der Grundschule Hilbringen ist eine Kooperation mit den städtischen Buchhandlungen und der Stadtbücherei. "Wir haben uns sehr über die gute Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei Merzig und der Buchhandlung Bock und Seip gefreut, die uns in diesem Jahr bezüglich der Lese-Projektwoche unterstützt haben. So konnten die Schüler beispielsweise erfahren, welche Schritte es braucht, bis ein Buch fertig in der Buchhandlung steht. Außerdem haben wir die Stadtbücherei besichtigt", erklärt Gottfried Heisel, der Direktor der Grundschule Hilbringen. Neben Klaus-Peter Wolf besuchte Autorin Elke Wegner ebenfalls die Grundschulklassen um den Schülern das Thema Märchen näher zu bringen. Neben den Autorenbesuchen ermöglicht Book & Seip eine Buchausstellung und für die Schüler gibt es einen Bücherbasar mit gebrauchten Büchern. Eigene Bücherei Die Schule hat bereits damit begonnen eine eigene, kleine Bücherei einzurichten, die an zwei Ausleihtagen geöffnet ist. Mit der Hilfe des Fördervereins Grundschule Hilbringen und der Eltern kommen hier immer mehr Bücher hinzu, die allen Schülern zur Verfügung stehen. Die Lese-Projektwoche ist nur ein Teil der gesamten Maßnahmen zur Leseförderung in der Grundschule Hilbringen. Einmal im Monat lesen Viertklässler beispielsweise den Erstklässlern oder Kindergartenkindern Geschichten vor. Dabei schlüpfen sie selbst in die Rolle des Erzählers. Die jungen Autoren der dritten Klasse sind nach dem Vormittag mit Klaus-Peter Wolf hoch motiviert. Sie wollen ihre Geschichten unbedingt zu Ende bringen. Und ihre Füller? Die sehen sie ab sofort mit ganz anderen Augen.

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