Ein Einwanderer revolutioniert die Keramikproduktion

Ein Einwanderer revolutioniert die Keramikproduktion

Kein Thema bewegt in diesen Tagen die Gemüter im Land so sehr wie die durch die Flüchtlingskrise bedingte Masseneinwanderung nach Deutschland. In diesem Beitrag soll die Zuwanderung in die Merziger Region während der letzten 200 Jahre als eine Geschichte der auf vielfache Weise stattgefundenen Begegnung mit dem Fremden dargestellt werden.

Große Teile unseres heutigen Kreisgebietes gehörten seit alters her zu Lothringen. Daneben existierte auch noch mit der Gemeinherrschaft Merzig-Saargau, dem sog. Kondominium, ein Rechtsgebilde, das aus beiderseitigen Besitzungen Lothringens und Kurtriers bestand. Diese erstreckten sich wie ein bunter Flickenteppich auf beiden Seiten der Saar. Deshalb blieben die weitere politische Entwicklung und die ständigen Versuche französischer Einflussnahme auch für die Merziger Region nicht ohne Folgen. 1735 hatte der polnische König Stanislaus Leszczyñski infolge seines Verzichts auf den polnischen Thron das Herzogtum Lothringen erhalten. Stanislaus war der Schwiegervater des französischen Königs Ludwig XV. Nach seinem Tod 1766 fiel Lothringen demzufolge durch Erbgang an den König von Frankreich, der damit auch die lothringischen Rechte im Kondominium übernommen hatte.

Dadurch bedingt kamen natürlich ab dieser Zeit bis zum Ende der Herrschaft Napoleons zahlreiche Franzosen immer wieder in unsere Region, von denen sich letztlich viele dauerhaft hier niederließen. In unserer moselfränkischen Mundart, die in nicht unbeträchtlichem Maße Wörter französischen Ursprungs aufweist, hat sich dies ebenso niedergeschlagen, wie in einer Vielzahl von französischen Familiennamen, die man in unserer Region seit langem finden kann.

Ein Einwanderer aus dem französischen Sprachraum hat unzweifelhaft, was die wirtschaftliche Nachhaltigkeit angeht, den Grundstein für ein nun bereits über 200 Jahre hier in der Merziger Region tätiges Weltunternehmen gelegt. Im Jahr 1809 erwarb nämlich Jean-François Boch die ehemalige Benediktiner-Abtei in Mettlach. Sein Großvater, François Boch, war ein Eisengießer, genauer gesagt ein "Bombardier du Roi", das heißt ein königlicher Kanonengießer, aus dem lothringischen Dorf Audun-le-Tiche. Im Jahr 1748 hatte er dort zusammen mit seinen drei Söhnen mit der Herstellung von Keramikgeschirr begonnen. Sein Sohn Pierre-Joseph Boch wiederum gründete ein neues Werk in Septfontaines in Luxemburg. Mit diesem Werk gelang Pierre-Joseph Boch zugleich ein wichtiger Schritt vom Manufakturbetrieb zur frühindustriellen Serienproduktion.

Jean-François Boch revolutionierte dann nach dem Erwerb der ehemaligen Benediktiner-Abtei in Mettlach die Keramikproduktion regelrecht. In dem Barockbau richtete er eine für die damalige Zeit hochmoderne, weitgehend mechanisierte Geschirrfabrikation ein. Viele neue Fertigungsmaschinen konstruierte er selbst. Seine Erfindungen ebneten den Weg der bis dahin noch weitgehend handwerklichen Keramikherstellung zur industriellen Produktion. < wird fortgesetzt

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