| 20:40 Uhr

Alfrerd Diwersy ist tot
Ein Denker und Lenker ist nicht mehr unter uns

Alfred Diwersy. Foto: Rolf Ruppenthal -+- Diwersy1

Diwersy1
Alfred Diwersy. Foto: Rolf Ruppenthal -+- Diwersy1 Diwersy1 FOTO: rup
Merzig. Im Alter von 87 Jahren ist am Donnerstag Professor Alfred Diwersy verstorben. Er setzte viele Akzente in Merzig. Wolf Porz

Ein Denker und Lenker ist nicht mehr unter uns. Professor Alfred Diwersy, langjähriger Kulturdezerent in Merzig und danach erfolgreicher Verleger, verstarb am Donnerstag im Alter von 87 Jahren, wie die Stadt am Freitag mitteilte.


Er war stets ein Umtriebiger, dieser Alfred Diwersy. Der Kaufsmannsberuf allein  bot ihm schnell nicht mehr die Möglichkeiten, so zu gestalten, wie es ihm gefiel. Er ließ sich zum Chef der Merziger Kaufmannschaft wählen und dachte über Marketingmöglichkeiten nach, wie man die Innenstadt magnetischer, attraktiver machen könne – wohlgemerkt zu einem Zeitpunkt, an dem der Begriff „grüne Wiese“ noch nicht geprägt war. Er kam unter anderem auf die Idee eines Viezfestes, als dessen Vater man ihn heute bezeichnen darf.

Diwersy, immer nach neuen Ufern Ausschau haltend, zog es auch in die Kommunalpolitilk. Ende 1960 wurde er in den Merziger Stadtrat gewählt. Zunächst war er parteilos, ab Mitte des Folgejahres gehörte er der CDU an. Er wurde 1964 Fraktionsvorsitzender, 1968 dann ehrenamtlicher Beigeordneter, was er blieb, bis er 1977 hauptamtlicher Beigeordneter wurde. Dieses Amt hatte er bis August 1987 inne. Er war zuständig für das Amt für Bildung uns Sport. Diesen statischen Begriff erfüllte er schnell mit Leben und seinen Ideen, von denen er förmlich übersprudelte. Er knüpfte Kontakte nach Frankreich, Polen, Israel. Er initiierte Veranstaltungsreihen, die internationales Echo fanden und legte den Grundstein für den Begriff „Kulturstadt Merzig“. Unter seiner Ägide war dies die Stadt in der Tat. Ihm ist  unter anderem zu verdanken, dass der Merziger Schriftsteller Gustav Regler auch in seiner Heimatstadt die Achtung erfährt, die ihm zusteht, und die er international schon lange zuvor posthum bekommen hatte.



Nachdem er sich als hauptamtlicher Beigeordneter hatte verabschieden müssen – es waren rein politische Gründe, die ihn aus dem Amt getrieben hatten – blieb er nicht untätig, sondern begab sich auf die Suche nach neuen Herausforderungen. Die fand er rasch im Buchgeschäft. Der belesene Alfred Diwersy – bei jeder Gelegenheit hatte er ein passendes Autoren-Zitat parat – wurde Verleger. Und auch hier legte er sein gesamtes Herzblut in den neuen Beruf, der ihm Berufung war.

Auch in diesem Segment blieb er erfolgreich, verstand seine Verlegertätigkeit als Herausforderung und als Verpflichtung gleichermaßen an. Diwersy verlegte seine eigenen Bücher, und er gab vor allem aus seiner Sicht guten Autoren die Chance, verlegt zu werden.

Der Gollenstein-Verlag, vor wenigen Jahren in die Insolvenz gezwunden, war sein Kind. Mit ihm setzte er Maßstäbe, führte über Jahre zumindest den heimischen Markt an. Mit dem Verlag wurde er letztlich Opfer eines Wandels in Verbraucher- respektive Leser-Gewohnheiten, weg von der Haptik des gedruckten Buches, hin zum Buch aus dem Netz.

Mit dem Tod von Alfred Diwersy verliert die Kreisstadt Merzig einen großen Mitbürger, Gestalter, Macher.