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Durch den Spieletreff in Merzig sind schon Freundschaften entstanden

Spieletreff in Merzig : Wo Piraten und Forensiker zusammen spielen

Der Dienstagabend steht im Evangelischen Gemeindehaus in Merzig jede Woche ganz im Zeichen von Karten, Würfeln und Co.

Der Spieleabend im Evangelischen Gemeindehaus in Merzig beginnt eigentlich erst um 18 Uhr. Doch schon eine Viertelstunde vorher sind einige Teilnehmer da und diskutieren über Spielregeln. Auf einem Tisch stapeln sich über 50 Spiele wie zum Beispiel „Flügelschlag“, „Die Quacksalber von Quedlinburg“ oder „Zug um Zug – London“. Und natürlich ist Julia Schneider auch schon da.

Schneider organisiert jede Woche einen Spieleabend in der Kreisstadt. Sie ist seit langer Zeit an Spielen interessiert und sagt augenzwinkernd über sich selbst: „Ich bin sowieso eine Spieletante.“ Die begeisterte Spielerin initiierte im September 2018 die Teilnahme an der Aktion „Stadt-Land-Spielt!“. Und die Resonanz in der Kirchengemeinde war positiv, wie Schneider berichtet: „Danach gab es Fragen von Teilnehmern, ob so etwas regelmäßig angeboten werden kann.“ Da sich der nächstgelegene Spieletreff in Saarbrücken befand, richtete sie kurzerhand eine Möglichkeit zum gemeinsamen Spielen vor Ort ein. In ihren Augen ist das Gesellschaftsspiel ein kulturelles Gut, das es zu schützen und zu erhalten gilt. Dieses Anliegen treibt sie an.

Zum ersten Spieleabend im Evangelischen Gemeindehaus Merzig kamen im Oktober 2018 sechs Teilnehmer. Mittlerweile sind es im Schnitt zwischen zehn und 15. Darunter befindet sich ein fester Kern von sechs bis acht Spielern, der von Anfang an dabei war. Die Gruppe trifft sich jede Woche am Dienstag ab 18 Uhr. Das Angebot wird sehr gut angenommen. Schneider hält fest: „Die meisten kommen immer wieder.“

Die Entscheidung darüber, welche Spiele an diesem Abend gespielt werden sollen, fällt spontan. Die Teilnehmer versammeln sich vor einem prallgefüllten Tisch. Sie verschaffen sich erst einmal einen Überblick darüber, welche Titel überhaupt zur Auswahl stehen und starten eine Diskussion. Um 18.37 Uhr besteht schließlich Klarheit. Die Spieler teilen sich jetzt auf zwei Tische auf und gehen konzentriert zu Werke. An Tisch Eins spielen vier Frauen und zwei Männer das Kartenspiel „Pirate 21“. Das Ziel ist – wie es der Name schon andeutet – das Erreichen des Wertes 21, ohne diesen zu überschreiten. Die Karten zeigen Kapitäne, Freibeuter, Könige und natürlich auch Piraten. An Tisch zwei widmen sich zwei Männer und zwei Frauen „Underwater Cities“, einem Brett- und Strategiespiel, bei dem man eine Zivilisation in den Tiefen des Ozeans errichten muss. Dabei handelt es sich um ein komplexes Spiel, das durchaus mehrere Stunden dauern kann.

Schneider hat beobachtet, dass die Männer und Frauen den Abend dazu „nutzen, um Sachen zu spielen, die man noch nicht kennt“. Sie versucht daher, „immer Neuheiten da zu haben“. Über die umfangreiche Auswahl sagt sie: „Vom einfachen Karten- bis zum komplexen Strategiespiel ist alles dabei.“ Zum Angebot zählen unter anderem Rollen-, Kampagnen-, Familien-, Party- und Quizspiele. Der in Merzig vorhandene Grundstock umfasst mittlerweile circa 100 Titel.

Alles fing mit der privaten Sammlung Schneiders an. Später hat sie diese nach und nach ergänzt. Das Resultat ist ein beeindruckender Grundstock. Zudem bringen die Besucher eigene Spiele von Zuhause mit, um diese den anderen Mitwirkenden vorzustellen. Die Gäste sind auch für die Versorgung mit Snacks und Gebäck zuständig. Schneider erklärt: „Jeder bringt etwas zum Knabbern mit.“

Julia Schneider Foto: Dirk Ley

Die Initiatorin des Abends, die bei der evangelischen Kirchengemeinde Merzig für die Jugendarbeit zuständig ist, will mit dem Spieletreff auch zeigen, dass „Kirche nicht nur am Sonntag stattfindet“. Durch das gemeinsame Spielen soll ein Gemeinschaftsgefühl entstehen. Und in der Tat fungiert der Treff gleichermaßen als Begegnungsstätte. Schneider erläutert: „Man tauscht sich auch über Privates aus. Hier haben sich durchaus Freundschaften entwickelt, die über den Spieleabend hinausgehen.“ Es gab auch schon zweimal einen Spielenachmittag, der auf Familien mit Kindern zugeschnitten war. Ebenso ist eine Variante für Menschen ab 70 Jahren mit Spielen wie „Mau-Mau“ oder „Rommé“ in der Diskussion.

Um 19.22 Uhr wechselt Tisch eins von „Pirate 21“ zu „Deception – Murder in Hong Kong“. Schneider steigt nun selbst ein. Bei „Deception“ übernimmt einer der Beteiligten in der Rolle als Forensiker die Aufgabe des Spielleiters. Die Anderen müssen erraten, wer der Mörder ist, mit welcher Waffe er die Tat begangen und welches Indiz ihn überführt hat. Die Aufgabe des Forensikers besteht darin, Hinweise an die Mitspieler weiterzugeben, die diesen bei der Lösung des Falls helfen sollen. Wenn es auch im dritten Anlauf nicht gelingt, den Mörder zu überführen, ist dieser der Gewinner der Runde. An diesem Abend haben die Mitspieler eine wechselhafte Bilanz. Während sie um 20.18 Uhr den Mörder überführen können, kommt Letzterer um 20.46 Uhr davon und gewinnt die Runde.

Schneider hofft für die Zukunft, dass „der Spieletreff bestehen bleibt“ und „noch mehr Leute kommen“. Die Aktion „Stadt-Land-Spielt!“ soll darüber hinaus ein fester Bestandteil des Jahreskalenders werden.

Hochkonzentriert sind die Spieler bei „Underwater Cities“. Foto: Dirk Ley

Weitere Informationen gibt es bei Julia Schneider, Tel. (01 71) 9 72 65 72.