digitalisierung: Digitalisierung verbindet Generationen

digitalisierung : Digitalisierung verbindet Generationen

Über die Chancen neuer Technologien zur Kommunikation ging es dieser Tage in der CEB-Akademie Merzig-Hilbringen.

Die Großeltern wohnen schon ihr Leben lang auf dem Dorf, jetzt im Alter oft allein. Die Kinder sind längst ausgezogen, wohnen weit weg, näher bei ihrer Arbeit. Die Wege zu den Nachbarn und Freunden im Ort fallen im Alter nicht immer leicht. Hilfe bei Problemen ist oft schwer erreichbar, gemeinsame Unternehmungen – über den eigenen Haushalt hinaus – werden seltener und sind schwer zu organisieren. Verbindungen und Kontakte nehmen ab. Viele Senioren machen solche Erfahrungen. Auf der anderen Seite stellt die Digitalisierung immer mehr Möglichkeiten zur Kommunikation bereit.

Sind die neuen Kommunikationstechnologien eine Chance zur Stärkung des Zusammenhalts der Generationen? Und wie kann das aussehen? Darum ging es bei einer Informations- und Dialogveranstaltung dieser Tage in der CEB-Akademie Hilbringen. Eingeladen hatten der Familienbund der Katholiken, das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Saarlandes und die Christliche Erwachsenbildung (CEB).

Ziel der Digitalisierung sollte mehr Lebensqualität für alle sein. Im Mittelpunkt müsse der Mensch stehen, forderte Hildegard Weber, Vorsitzende des Familienbundes im Bistum Trier in ihrer Begrüßung der rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung, darunter auch Weihbischof Franz Josef Gebert. Die neue Technologie solle die Nachbarschaftshilfe und das Zusammenrücken der Generationen erleichtern, gab Weber vor.

Dass das schon länger ein Ziel der saarländischen Politik sei, betonte Familienministerin Monika Bachmann. Für Seniorinnen und Senioren mache man besondere Angebote, um sie an die Möglichkeiten der internetgestützten Kommunikation heranzuführen. Eltern und Großeltern liefen Gefahr, über große Teile der Lebenswelt der jungen Leute nicht Bescheid zu wissen. Es sei aber für jede Generation wichtig, „zu wissen was los ist. Die Technik zum Guten einsetzen, damit die Menschen nicht vereinsamen“, will die Ministerin, die aber auch mahnte, dass das Gespräch untereinander und miteinander „das allerwichtigste“ bleibe. Gisbert Eisenbarth, Vorsitzender der CEB, nannte einen besonderen Aspekt im Umgang der Generationen mit der neuen Technik. Hier hätten Jüngere die Möglichkeit den Älteren Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Das sei ein ganz konkreter Beitrag zum Zusammenhalt der Generationen.

Eisenbarth lud Interessierte ein, die Gärten der CEB zu besuchen und dabei auch das kostenlose WLAN auf dem Gelände zu nutzen. Ina Goedert von der Landesmedienanstalt Saarland stellte mit „Onlinerland Saarland“ und dem bundesweit einmaligen Projekt „Virtuelles Mehrgenerationenhaus“ zwei konkrete Angebote für „Best Ager“ vor. Einführung in die Videotelefonie, in Chats und in Soziale Netzwerke gehören ebenso zum Pensum der – immer mit Kaffee und Kuchen – angebotenen Kurse, wie Schutzmaßnahmen gegen Angriffe oder sicheres Einkaufen im Internet.

Mithilfe von Tablets und deren Möglichkeiten werden im „Virtuellen Mehrgenerationenhaus“ ganz unterschiedliche Menschen einer Gemeinde zusammen gebracht. Ziel dabei ist die gegenseitige Hilfe von Jung und Alt. Das kann reichen von der Hausaufgabenhilfe per digitaler Technik über die Verbreitung von Stadtnachrichten, dem Führen von gemeinsamen Erlebnis-Tagebüchern bis zu Lese- oder Vorleseclubs im Netz. Michael Hoffeld, Mitglied des Virtuellen Mehrgenerationenhauses Merzig, freute sich über die von Anfang an erfahrene gegenseitige Hilfe in dem Projekt. Wichtig sei es allerdings, sich nicht nur im Netz zu treffen, das Vertrauen entstehe im persönlichen Kennenlernen. Entwicklungsfähig bleibe noch der generationenübergreifende Kontakt im Netz, da bleibe man derzeit noch weitgehend unter sich. Das Modell biete allerdings viele Chancen für alle Beteiligten. Die digitale Kommunikation sei schnell, doch solle man sich für seine Beiträge im Netz Zeit nehmen, um Fehler zu vermeiden, meinte Hoffeld.

Ohne Frage biete die Digitalisierung viele Chancen, meinte Gisela Rink, die saarländische Vorsitzende des Familienbundes der Katholiken. Wichtig sei es deshalb, dass man in den Familien lerne damit umzugehen. Das Gespräch miteinander sei dabei allerdings nicht zu ersetzen. „Wenn der Enkel in der gleichen Stadt wohnt, dann soll er sich aufmachen und die Oma besuchen“, meinte Rink. Für die Landtagsabgeordnete Dagmar Heib ist das „A und O“, dass durch die Netzkommunikation das Miteinander gefördert wird. Die im Saarland angebotenen Virtuellen Mehrgenerationenhäuser seien ein gutes Instrument, um das Bewusstsein zu schärfen, wie man mit dem Internet richtig umgeht.

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