Digitalisierung im Krankenhaus war Thema bei Fachtagung in Hilbringen

Kostenpflichtiger Inhalt: Fachtagung in Hilbringen : Wie Digitalisierung Ärzten und Patienten hilft

Fachtagung bei der CEB in Hilbringen lotet Chancen und Möglichkeiten digitaler Technik für die Gesundheitsversorgung im Land aus.

Welche Chancen eröffnet die Digitalisierung dem Gesundheitswesen, und welche dieser Möglichkeiten sind wichtig und sinnvoll? Um das zu erörtern, hatten die Saarländische Krankenhausgesellschaft und die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Krankenhäuser im Saarland zusammen mit der Christlichen Erwachsenenbildung (CEB) eine Fachtagung organisiert. Rund 30 Experten aus den Bereichen Ärzteschaft, Pflegedienstleistung, kaufmännische Verwaltung und IT waren in die CEB-Akademie nach Hilbringen gekommen. Welche digitalen Strategien für die saarländischen Krankenhäuser wirklich relevant und sinnvoll sind, das wurde in Referaten und Workshops erörtert. Die größte Priorität maßen die Teilnehmer der Erarbeitung einer Digitalisierungsstrategie, den Patientenprozessen in Medizin, Pflege, Reha und Service, der Datensicherheit sowie der Vernetzung unter Ärzten und Krankenhäusern zu.

Bei allen diesen Punkten habe man in Deutschland und speziell im Saarland noch einen weiten Weg zu gehen, sagten Manfred Klein, Vorstandsvorsitzender der Saarländischen Krankenhausgesellschaft, und Thomas Jungen, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Krankenhäuser im Saarland. „Nehmen wir als Beispiel nur die elektronische Patientenakte. Die Idee dabei war, dass jeder eine kleine Chipkarte mit sich herum tragen sollte, auf der alle wichtigen medizinischen Informationen über den Patienten gespeichert sind“, erklärte Klein. „Das wurde 2005 angekündigt, doch wir warten bis heute darauf, dass dieses Konzept endlich Realität wird. Nun müssen wir Träger der Krankenhäuser uns fragen, warten wir noch einmal 15 Jahre, oder tun wir selbst etwas, um die Digitalisierung in unseren Einrichtungen voranzutreiben?“

Auch wenn es noch keine elektronische Patientenakte gebe, ist es nach Worten von Klein wichtig, dass alle Informationen an einem Ort verfügbar sind. So lasse sich vermeiden, dass Leistungen doppelt in Auftrag gegeben werden, was den Krankenhäusern Geld spare und den Patienten schone, der dann etwa eine Röntgenuntersuchung nicht zweimal über sich ergehen lassen müsse. Alle Beteiligten waren sich nach Aussage von Klein und Jungen einig, dass sich vor allem Ärzte und Krankenhäuser untereinander stärker vernetzen müssen. „Die Digitalisierung kann die Qualität der Behandlung deutlich verbessern“, sagte Jungen. „Es lassen sich auf unterschiedlichste Weise Ressourcen sparen, wenn ein Facharzt etwa nicht weit fahren muss, um mit einem Patienten zu sprechen, sondern einfach ein Video-Telefongespräch per Internet mit ihm führen kann.“ Diese Möglichkeit, Patienten aus der Ferne zu behandeln – auch Telemedizin genannt – sei eine große Chance der Digitalisierung. Zur Kommunikation mit Patienten lassen sich laut Jungen etwa auch Apps auf dem Smartphone einsetzen.

Um die richtige Digitalisierungsstrategie zu finden, hatten die Träger für die Tagung einen externen Experten hinzugezogen: Dr. Jürgen Stübner, Fachmann für Unternehmens- und Strategieentwicklung. „Die Vernetzung unter den Krankenhäusern kann die Digitalisierung auf den Weg bringen, andererseits ist es nicht Kernaufgabe des Gesundheitswesens, digitale Strategien umzusetzen. Hauptaufgabe ist es, den Patienten wieder gesund zu machen“, sagte Stübner. „In den Krankenhäusern gibt es leider einen großen Investitionsstau. Aber wenn wir die Digitalisierung richtig angehen, dann können die Krankenhäuser ihren Erlös sichern oder sogar erhöhen, das Patientenwohl verbessern und die Mitarbeiter entlasten“, befand Stübner. „Im Rest Europas wird mehr für Digitalisierung ausgegeben“, bekräftigt der Experte. Das lasse sich auch aus einer internationalen Vergleichsstudie der Bertelsmann-Stiftung erkennen. In der Untersuchung schnitt Deutschland schlecht ab und landete auf Rang 16 von 17 untersuchten Ländern. In Europa nehmen laut der Ergebnisse der Studie Dänemark und Spanien eine Vorreiterrolle ein, weltweit hat Kanada die Nase in Sachen digitaler Gesundheit vorn.

Doch die Digitalisierung umzusetzen, kostet Geld. Geld, das die Krankenhäuser oft nicht haben, erklärten Klein und Jungen. Daher sei es wichtig, dass sich die Häuser untereinander vernetzen und zusammenarbeiten. „Möglicherweise hat ein Krankenhaus eine Technik, die die Qualität der Behandlung verbessert, bereits entwickelt oder ein wichtiges Problem bei der Umsetzung eines Konzepts bereits gelöst. Wenn sich die Krankenhäuser untereinander austauschen, können sie sich gegenseitig helfen.“ Um an dringend benötigte Gelder zu kommen, wollen die saarländischen Krankenhäuser gemeinsam einen Antrag stellen, um finanzielle Mittel aus dem bundesweiten Innovationsfonds zu erhalten, in dem ein Teil der Gelder explizit für die Umsetzung der Digitalisierung vorgesehen seien, sagten Klein und Jungen. Die Idee dazu hätten sie von Staatssekretär Stephan Kolling vom Gesundheitsministerium erhalten, der die Tagung ebenfalls besuchte. Er habe versichert, dass sein Haus bereit sei, die Schritte mit den Klinik-Trägern zu gehen, um die Digitalisierung im Gesundheitswesen voran zu treiben. Klein und Jungen zeigten sich darüber sehr erfreut, auch weil es laut Klein aus dem Ministerium bis vor kurzem noch geheißen hat, eine solche Unterstützung sei nicht zu erwarten. „Wir wollen vor allem den Austausch fördern, wozu wir heute, denke ich, den Anstoß gegeben haben“, sagte Klein. Das sah auch Jungen so: „Wir wollten erst einmal feststellen, welche Themen angegangen werden können und welche davon für die Krankenhäuser wirklich wichtig sind. Nachdem wir uns nun entschlossen haben, zusammenzuarbeiten, können wir nun die nächsten Schritte in die Wege leiten.“

Weitere Informationen: https://www.aerzteblatt.de/archiv/197105/Digitalisierung-im-Krankenhaus-Es-geht-um-die-Prozesse]

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