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Die Tafel mit den 1000 Möglichkeiten

Merzig. Die Firma Minhoff hat Lehrern die zahlreichen Funktionen von Smartboards, digitalen Tafeln, im Unterricht nähergebracht. Elisabeth Jäckel

Von Mathematik über Sachkunde bis zu Französisch: In fast jedem Fach lassen sich Smartboards, digitale interaktive Tafeln, verwenden. Das Problem: Viele Lehrer wissen nicht, wie man damit umgeht, und so hängen die tausend Euro teuren Geräte oft nutzlos an der Wand. Bei einer Lehrerfortbildung an der Christian-Kretzschmar-Schule in Merzig hat Regina Funk, Mitarbeiterin der Firma Minhoff, Lehrern den Umgang mit dem Smartboard nähergebracht. Über 30 Lehrer sitzen in einem kleinen Computer-Raum der Gemeinschaftsschule und hören zu, wie Funk die Notebook-Software vorstellt.

Ein Smartboard lässt sich wie ein Smartphone mit den Fingern bedienen. "Was kann mein Finger alles sein?", ist die erste Frage, die sie an die Zuhörer stellt. Nach kurzer Zeit wird klar: Die Möglichkeiten, sie zu bedienen, scheinen endlos. "Tippe ich auf das Bleistift-Symbol, ist mein Finger ein normaler Stift", erläutert sie, "aber ich könnte auch ein Radiergummi oder ein Kalligrafie-Stift sein. Je nachdem, welches Symbol ich auswähle." Nachdem die Grundlagen geklärt sind, kommt Funk auf echte Unterrichtsinhalte zu sprechen. Ihr erstes Beispiel: der Matheunterricht. In der Notebook-Software sind Bilder von Euro-Münzen und Scheinen hinterlegt. Diese können beliebig oft kopiert, gelöscht oder verschoben werden, alles ganz leicht mit dem Finger. "Lassen Sie die Schüler im Unterricht einmal vier, acht oder zwölf Euro legen", schlägt Funk vor, "mit zwei, vier oder sechs Zwei-Euro-Münzen."

Doch auch wenn es etwas anspruchsvoller wird, kann ein Smartboard nützlich sein. "Sind ein paar Mathe-Lehrer unter uns?", fragt Funk, "Wie oft mussten Sie ihren Schülern zeigen, wie man einen Winkel zeichnet? Wie oft haben Sie mit Kreide an die Tafel ein und denselben Winkel gezeichnet?" - "Oft, sehr oft …", schmunzelt ein Lehrer, der offensichtlich Mathematik unterrichtet, in der ersten Reihe. Auch dafür hat die Notebook-Software des Smartboards eine Lösung parat: Regina Funk tippt auf "Bereich aufnehmen" und zieht ein Rechteck auf den weißen Bildschirm. Dann nimmt sie das Bild eines Geodreiecks und zieht es in das Rechteck. Anschließen tippt sie kurz auf den Bleistift, damit ihr Finger wieder zu einem Stift wird, dann auf "Aufnehmen". Mithilfe des Geodreiecks und ihrem Finger zeichnet sie einen 50-Grad-Winkel auf das Smartboard und beendet die Aufnahme. Drückt sie auf Play, wird das Video, wie man einen Winkel zeichnet, in Dauerschleife abgespielt.

"Ein Video aufzunehmen, kostet nur ein paar Minuten und anschließend haben Sie Zeit, sich individuell um die Schüler zu kümmern", betont Funk. Die Videofunktion kann natürlich ausgeweitet werden. "Nimmt man ein Bild, zum Beispiel eine Weltkarte und ein paar Schiff-Symbole, kann man die Schiffe mit dem Finger über die Karte ziehen. In dem Video sieht es dann so aus, als würden die Schiffe über die Karte fahren. Eine wunderbare Idee, um beispielsweise Handelsrouten zu verdeutlichen", sagt Funk. Einmal aufgenommen, kann man das Video beliebig oft einsetzen und es mit anderen Lehrern teilen. Auf Internet-Plattformen wie Smart Exchange können Lehrer aus der ganzen Welt ihre Smartboard-Dateien hochladen und zur Verfügung stellen. Sandra Austgen, Lehrerin an der Grundschule St. Josef Merzig, ist begeistert: "Ein Smartboard holt die Schüler genau dort ab, wo sie sind, in einer digitalen Umgebung." Ihr Kollege Christian Ladwein stimmt ihr zu: "Die Idee gefällt mir, leider hat die Grundschule St. Josef noch kein Smartboard."

Auf die Frage, ob Kinder bei dem Einsatz eines Smartboards besser lernen, antwortet Regina Funk: "Ein Smartboard macht keinen Schüler schlauer, aber es holt die Kinder dort ab, wo sie sind. Lernen müssen sie trotzdem."

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