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„Die Synode vollzieht einen Perspektivwechsel“

Bernhard Schneider.
Bernhard Schneider. FOTO: Bistum
Merzig. Die Bistumssynode ist Ende April zu Ende gegangen, bis Ende des Jahres soll nun entschieden werden, wie ihre Beschlüsse umgesetzt werden können. SZ-Redaktionsmitglied Jasmin Kohl wollte von den zwei Dechanten im Kreis Merzig-Wadern wissen, wie sie die Beschlüsse einordnen und was sie für ihre Dekanate bedeuten. Im Teil 2 nimmt Bernhard Schneider, Dechant des Dekanats Merzig, dazu Stellung.

Aus rund 900 Pfarreien will das Bistum Trier 60 Großpfarreien machen. Wie beurteilen Sie diese Entscheidung?


Schneider: Noch sind keine Entscheidungen gefallen, was Zahlen betrifft, aber eins ist klar und ergibt sich aus den Perspektivwechseln, die die Synode fordert: In Zukunft wird die Pfarrei nur noch Verwaltungseinheit sein und ein Netzwerk vielfältiger kirchlicher Aktionen, Engagements, Gruppen und Initiativen: Die Pfarrei, wie wir sie kennen, wird es nicht mehr geben, aber weiterhin Glaubensvollzüge und die werden sich vor Ort vollziehen. Überall dort, wo dies geschieht, ist ein "Kirchort", wird Kirche in irgendeiner Weise präsent sein. Letztlich wird alles davon abhängen, ob Menschen vor Ort Kirche leben, Gemeinde bilden und Glauben leben wollen.

Was bedeutet die Zusammenlegung für das Dekanat Merzig konkret, das derzeit 28 Pfarreien zählt?



Schneider: Die Umsetzungskommission wird die neuen Räume definieren, innerhalb derer Teams von Haupt- und Ehrenamtlichen versuchen werden bei geringer werdenden Ressourcen die Verkündigung des Evangeliums lebendig zu erhalten. Ich wünschte mir, dass es weiterhin mindestens 28 "Kirchorte" im neuen Raum des bisherigen Dekanates Merzig geben wird, in denen es Menschen gibt, die je nach Charisma ihren Glauben leben.

Weniger Pfarreien bedeuten auch längere Anfahrtswege zum Gottesdienst. Gerade im ländlich strukturierten Landkreis könnte das dazu führen, dass Personen ohne Auto nicht mehr zum Gottesdienst kommen können. Wie stehen Sie diesem Problem gegenüber?

Schneider: Dieses Problem gibt es auch jetzt schon und entsteht auch ohne Umsetzung der Synodenbeschlüsse, kann aber ohne weiteres logistisch gelöst werden. Wer den Weg zu einem Gottesdienst sucht, findet ihn auch. Im Übrigen gilt auch hier, selbst ist der Mann, die Frau, der Christ, die Christin: Die Synode fördert das ehrenamtliche Engagement, Gottesdienste vor Ort zu feiern über ein rein priester- und eucharistiezentriertes Denken hinaus.

Was entgegnen Sie Gemeindemitgliedern, die fürchten, dass durch die Zusammenlegung der Einfluss der Kirche weiter sinkt?

Schneider: Nicht die Kirche und ihr Einfluss steht im Mittelpunkt pastoralen Handelns. Die Synode vollzieht einen Perspektivwechsel: Es geht um den Menschen. Seine Fragen und Probleme sollen mehr als bisher im Mittelpunkt stehen. Die Stellung der Kirche in der Gesellschaft von heute hat sich verändert und wird sich weiter rapide verändern. Das macht manchen, vor allem wenn sie da an früher denken, Angst. Aber war das früher tatsächlich besser? Das Synodenpapier mahnt eine mehr demütige und dienende Kirche an.

Die Synodalen haben beschlossen, den Ehrenamtlichen in der Kirche mehr Kompetenzen zu erteilen. Künftig könnten sie somit anstelle eines Pfarrers predigen oder Bestattungen vornehmen. Verliert damit die Rolle des Pfarrers nicht an Wert?

Schneider: Schon das Konzil (Zweites Vatikanisches Konzil , Anm. d. Red.) vor über 50 Jahren hat die Würde des einzelnen Getauften und Gefirmten und seine Charismen und Fähigkeiten in den Blick genommen. Alle Glieder des Volkes Gottes werden sich wohl auf neue Rollenprofile einstellen müssen. Wenn wir aufhören, von mehr oder weniger Wert und wertvoll zu reden und in diesen Kategorien zu denken, werden am Ende alle gewinnen.

Wie viele Ehrenamtliche engagieren sich derzeit im Dekanat Merzig und wie nehmen diese ihre wachsenden Kompetenzen auf?

Schneider: Ich erlebe unzählige ehrenamtliche Engagierte in den verschiedensten Gremien und Gruppen und noch mehr, die sich im Stillen einsetzen, einfach weil sie Christen sind. Ich bin überzeugt, dass es noch mehr werden können, wenn sich für sie neue Räume und Chancen bieten.