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Die Schullandschaft wächst und gedeiht

Die Schullandschaft wächst und gedeiht

Dies bedeutete, dass die Schüler hier nur bis zum "Einjährigen" unterrichtet wurden; die Oberstufe musste dann an einem "Vollgymnasium", etwa in Saarlouis und später in Dillingen, bis zum Abitur durchlaufen werden. 1928 erhielt die Merziger Schule dann, als die Landesstudienanstalt und das Realprogymnasium Merzig zusammengefasst und zum Realgymnasium ausgebaut worden waren, eine eigene Oberstufe und war von nun an ein vollwertiges Gymnasium, das heutige Stefansberg-Gymnasium.

Auch das Peter-Wust-Gymnasium verdankt seine Gründung der Privatinitiative wohlhabender Merziger Bürger, die ebenfalls erstmals 1888 für die Errichtung einer höheren Mädchenschule plädierten. Die damals politisch Verantwortlichen, auch hier vor allem Bürgermeister Thiel, unterstützten dieses Begehren. So konnte dann zu Beginn des Jahres 1889 in Merzig auch noch eine "Private Höhere Töchterschule" den Unterricht aufnehmen. Die Weiterentwicklung der Schule unter den sich verändernden politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Zeit zu einem staatlich anerkannten Lyzeum erleichterte 1920 die Übernahme der Mädchenschule durch die Stadt Merzig.

Nach der Gründung des Deutschen Kaiserreiches 1871 traten weitere Schulformen auf den Plan, die sich vor allem der beruflichen Bildung verschrieben hatten. 1889 wurde in Merzig daher auch eine Fortbildungsschule für junge Berufstätige, sozusagen eine erste Berufsschule, gegründet.

Was die Entwicklung des Bildungswesens im Kreisgebiet betrifft, so stieß der Verfasser noch auf einen interessanten Hinweis in einer kleinen Artikelserie in der Merziger Volkszeitung vom März 1933. Darin berichtet der spätere Geheime Justizrat Karl Voltz, zu diesem Zeitpunkt wohnhaft in Frankfurt a.M., unter dem Titel "Jugenderinnerungen" aus seiner in Losheim verbrachten Kindheit und Jugend. Der Vater des Berichterstatters war der Schulrat und Seminardirektor Joseph Nicolaus Voltz. Dieser leitete nach den Angaben seines Sohnes einige Jahre lang bis 1871 in Losheim eine private "Höhere Lehr- und Erziehungsanstalt". Hierzu hatte er das elterliche Haus durch einen Anbau vergrößert und das Anwesen durch den Ankauf eines Nachbarhauses noch erheblich erweitert. Mit seiner Privatschule habe der Vater das Ziel verfolgt, Schüler auf die Tertia des Gymnasiums vorzubereiten. Mit der Schule war ein von 30 bis 40 Schülern besuchtes Internat verbunden. "Dieser Einrichtung", berichtet Voltz jun., "verdankten daneben auch viele Losheimer als Externe und manche Ausländer (Hier handelte es sich wohl um auswärtige Schüler aus den umliegenden Dörfern; d.Verf.) ihre erste Ausbildung".

Nach Joseph Nicolaus Voltz ist übrigens die heutige Grundschule Losheim benannt. Bei der von ihm betriebenen "königlich concessionierten Lehr- und Erziehungsanstalt" handelte sich, wie beschrieben, um ein Internat für Knaben, in dem die Schüler auf den Besuch des Gymnasiums, einer Gewerbeschule, einer höheren Bürgerschule oder einer landwirtschaftlichen Lehranstalt vorbereitet wurden. Zwar gab es für Schüler , die das Abitur erworben hatten, in der Rheinprovinz auch die Möglichkeit, eine Hochschulausbildung zu durchlaufen. Allerdings war das Angebot, verglichen mit der heutigen Zeit, doch äußerst bescheiden. So gab es eine Universität in Bonn (ab 1818), eine Technische Hochschule in Aachen (ab 1870), eine Handelshochschule in Köln (ab 1901), eine Landwirtschaftliche Akademie in Bonn-Poppelsdorf (ab 1847), eine Kadettenanstalt in Bensberg (ab 1840), eine Kriegsschule in Engers bei Neuwied (ab 1863), eine Kunstakademie in Düsseldorf (ab 1819) und 10 Lehrerseminare.

Bei der Beschreibung der Entwicklung des Schulwesens will der Verfasser noch eine Besonderheit erwähnen, die den Unterricht der jüdischen Kinder in Merzig betrifft. Bis zum Jahr 1823 besuchten die jüdischen Kinder in Merzig die katholische Volksschule. Aufgrund einer Verfügung der königlichen Regierung von Trier vom 13. September 1823 war es im Regierungsbezirk Trier dann möglich, besondere Judenklassen, die von christlichen oder jüdischen Lehrern unterrichtet wurden, einzurichten. In Merzig einigten sich die jüdischen Hausväter mit dem katholischen Lehrer Jung über die schulpflichtige Betreuung ihrer Kinder. Jung oblag es, die jüdischen Kinder täglich zwei Stunden im Rechnen, Lesen und Schreiben zu unterrichten. Den jüdischen Religionsunterricht erteilte in jener Zeit der Kantor Abel Abraham aus Freudenburg. Immer wieder wechselten die Lehrer, die von den jüdischen Eltern zu bezahlen waren. 1844 zählte die jüdische Schule 49 Kinder, das war die höchste Zahl, die sie je hatte.

Diese jüdische Schule galt allerdings als Privatschule. Die jüdische Gemeinde hatte natürlich das Bestreben, ihre Schule zu einer Gemeindeschule zu machen, da die Kosten dann von der Gemeinde zu tragen waren. Allerdings scheiterten mehrere Versuche, mit denen dies erreicht werden sollte. Begründet wurde dies stets damit, dass kein Grund vorläge, die jüdische Privatschule zu einer öffentlichen, aus Gemeindemitteln zu unterstützenden Schule zu machen. Die vorhandenen städtischen Schulen reichten aus, um auch die jüdischen Kinder aufzunehmen. 1875 ordnete die Regierung von Trier schließlich die Aufhebung der jüdischen Schule von Merzig an, was zur Folge hatte, dass die jüdischen Schulkinder in die katholische Volksschule übernommen wurden und diese ab diesem Zeitpunkt besuchen mussten.

Der Kreis Merzig am Ende des "Vormärz"

Unter dem Begriff "Vormärz" versteht man vor allem die Jahre von 1830 bis 1848. Zwischen 1816 und 1845 stieg die Einwohnerzahl auf dem Gebiet des späteren Deutschen Reiches von knapp 25 auf rund 35 Millionen Menschen. Massenproduktion, sinkendes Lohnniveau und Arbeitslosigkeit verschärften die gesellschaftlichen Spannungen und das soziale Elend in den unteren Schichten dramatisch.

Bevor nun auf die allgemeine wirtschaftliche und politische Situation während der Zeit des "Vormärz" im Kreis Merzig eingegangen wird, sollen noch einige kommunalpolitische Veränderungen innerhalb des Kreisgebietes in den 1840er Jahren kurz zur Sprache kommen. Unter den Preußen galt die bereits während der französisch-napoleonischen Zeit eingeführte Bürgermeistereiverfassung bis zur Einführung der Gemeindeordnung für die Rheinprovinz im Jahr 1845 weiter. Nur wurde seit der Zugehörigkeit zu Preußen der Bürgermeister auf Vorschlag des Landrats von der Bezirksregierung ernannt. Diese Regelung behielt auch die Rheinische Gemeindeordnung bei.

Die Verabschiedung der Gemeindeordnung für die Rheinprovinz im Juli 1845 hatte jedoch neben einer Neuordnung des Kreisgebietes auch erhebliche Auswirkungen auf die Selbstverwaltung der Gemeinden. Die einzelnen Dörfer wurden nun Gemeinden mit eigener Rechtspersönlichkeit, eigenem Gemeindevorsteher und Gemeinderat. Daneben blieben die Bürgermeistereien als Zusammenschluss mehrerer Gemeinden erhalten. Die Bürgermeisterei wurde auch weiterhin vom Bürgermeister geleitet; die Bürgermeistereiversammlung vertrat nun sowohl die Interessen der Bürgerschaft, als auch der Einzelgemeinden.

1845 trat dann an die Stelle der Ernennung der kommunalen Funktionsträger und Räte deren Wahl, allerdings auf der Basis des Dreiklassenwahlrechts. Die Steuerpflichtigen wurden dabei nach der Höhe ihrer Leistungen gestaffelt und in drei Gruppen gegliedert, die je ein Drittel des gesamten kommunalen Steueraufkommens erbrachten. Durch dieses Verfahren fielen die Klassengrenzen in jeder Gemeinde anders aus. Im Extremfall konnte die Gruppe der Höchstbesteuerten aus nur einer Person bestehen, wenn diese nämlich ein Drittel der Steuern entrichtete. Die Ungerechtigkeit des Dreiklassenwahlrechts wurde auch dadurch offenbar, weil die Angehörigen der Unterschicht, denen zum Überleben nur ein Existenzminimum zur Verfügung stand, vom Wahlrecht ausgeschlossen blieben. Da die Angehörigen der Unterschicht keine direkten Steuern zahlten, waren sie auch nicht wahlberechtigt. Das Wahlrecht eröffnete trotz der Klassenbildung und eines strengen Zensussystems dennoch einem größeren Bevölkerungsteil die Chance, in der Kommunalpolitik mitzuwirken. Um die Wahlberechtigung möglichst vielen Männern einzuräumen, wurden Minimalsätze für das dem Stimmrecht zugrunde liegende Mindestjahreseinkommen (200 Taler) beziehungsweise die Grundsteuerleistung (2 Taler) angesetzt.

Der Merziger Bürgermeister verwaltete in Personalunion sowohl die Stadtgemeinde, als auch die Bürgermeisterei Bietzen mit Harlingen und Menningen. 1829 waren beide Bezirke vereinigt worden; 1845 kam dann Brotdorf noch hinzu. Mit der Erhebung zur Stadt im vollen Rechtssinne 1857 schied Merzig aus dem Bürgermeistereiverband, der nun Merzig-Land hieß, aus. Dennoch wurden beide zunächst weiterhin in Personalunion vom Merziger Bürgermeister verwaltet.

1847 waren infolge der neuen Gemeindeordnung auch Änderungen, was den Aufbau und Zuschnitt der kommunalen Verwaltungseinheiten betraf, zu verzeichnen: Die Bürgermeistereien Hausbach, Losheim und Wahlen wurden zur Bürgermeisterei Losheim zusammengefasst. Die Bürgermeisterei Besseringen wurde in Mettlach, die Bürgermeisterei Weierweiler in Weiskirchen umbenannt.

Auch um die Mitte des 19. Jahrhunderts überwog im Kreis Merzig immer noch die Landwirtschaft. Während die Fortschritte auf wirtschaftlichem Gebiet in der ersten Hälfte des Jahrhunderts im Kreisgebiet doch eher bescheiden waren, sah dies in den weiter südlich gelegenen Regionen des heutigen Saarlandes zum Teil anders aus. Hier hatte insbesondere der Kohlebergbau einen deutlichen Aufschwung erfahren. Der preußische Staatsbergbau an der Saar förderte 1816 rund 100 000 Tonnen Kohlen mit Hilfe von 1000 Arbeitern. 1846 belief sich die Förderung auf 600 000 Tonnen bei 4000 Bergleuten. Die Steigerung der Produktion, die sich in der Folgezeit noch einmal beschleunigen sollte, gelang durch die Anlage neuer Gruben, den Übergang zum Schachtbau und die Ausweitung der Berechtigungsfelder.

Weniger dynamisch als der Bergbau war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Zuwachs der Eisenproduktion verlaufen. Die mit den Steinkohlen auftretenden Toneisenerze hatten die Grundlage für die Entstehung der Hüttenindustrie gebildet. Auch der Buntsandstein enthielt, wenn auch in geringen Mengen, zum Verschmelzen geeignete Erze . Darüber wurde schon ganz am Anfang berichtet. Die heimischen Vorkommen gingen jedoch im gleichen Maße, wie die Kohleförderung stieg, zur Neige. Sobald die Transportmittel die alternativen Bezugsmöglichkeiten erleichterten, wurde die heimische Erzförderung wegen Unrentabilität nach und nach eingestellt. An ihre Stelle traten die lothringischen Erze , die bis zur Jahrhundertmitte jedoch allein auf der Saar transportiert wurden.

Aus diesem Grunde rückten die Eisenwerke an die Saar heran und die kleinen Hütten in den Tälern des Hunsrückvorlandes wurden fast alle aufgegeben. Dies traf auch für die beiden im heutigen Kreisgebiet gelegenen Eisenwerke in Nunkirchen und Münchweiler zu. Der Betrieb des Werks der Familie Gottbill in Nunkirchen kam schon nach 1820 zum Erliegen. Jedenfalls wird das Werk Nunkirchen im Jahr 1833 ausdrücklich als eingegangen bezeichnet. < Wird fortgesetzt.