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Jahrestag
Die Pflege der Streuobstwiesen ist das große Ziel

Mit der höchsten Auszeichnung des Verbandes der Gartenbauvereine zeichnete Präsident Clemens Lindemann, Landrat a. D. (l.), gemeinsam mit Ministerpräsident Tobias Hans (Mitte) die engagierten Mitglieder Jürgen Biehl (Illingen), Rudolf Warken (Hüttersdorf), Rolf Gerino (Rammelsbach), Günther Schuster (Besseringen) und Manfred Rappold (Löstertal) aus (v.l.n.r.).
Mit der höchsten Auszeichnung des Verbandes der Gartenbauvereine zeichnete Präsident Clemens Lindemann, Landrat a. D. (l.), gemeinsam mit Ministerpräsident Tobias Hans (Mitte) die engagierten Mitglieder Jürgen Biehl (Illingen), Rudolf Warken (Hüttersdorf), Rolf Gerino (Rammelsbach), Günther Schuster (Besseringen) und Manfred Rappold (Löstertal) aus (v.l.n.r.). FOTO: Tina Leistenschneider
Besseringen. Die Dorfgestaltung  nannte Präsident Clemens Lindemann in der Jahreshauptversammlung als ein zentrales Thema der Obst- und Gartenbauer.

Wenn sich die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolken kämpfen und die Nächte frostfrei bleiben, dann beginnt für sie langsam wieder die Arbeit in den Gärten: umgraben, Bäume schneiden und neue Blumen setzen. Mit dem Beginn des kalendarischen Frühlings zog dieser zur Jahrestagung des Verbandes der Gartenbauvereine Saarland und Rheinland-Pfalz in das Besseringer Bürgerhaus ein. Die Befürchtung von Clemens Lindemann, Präsident des Verbandes, dass die Gartenfreunde das gute Wetter zum Arbeiten in den Gärten nutzen, bewahrheitete sich nicht:  Vor 200 Delegierten stellte der Verband seine Geschäftsbilanz des vergangenen Jahres vor:


Höhepunkt der Tagung war die Ehrung von sieben besonders engagierten Mitgliedern, die mit der goldenen Rose – der höchsten Auszeichnung des Verbandes – geehrt wurden.

Über das vergangene Jahr zog Clemens Lindemann eine düstere Bilanz: „Spätfröste haben das erfrieren lassen, wovon wir gerne gelebt hätten. Wir hatten den dunkelsten Winter seit Jahrzehnten. Es hat geregnet, wenn es nicht fror, und es hat gefroren, wenn es nicht geregnet hat“, schilderte Lindemann und gab den Gärtnern den Rat, statt auf Wetterprognosen auf den Himmel zu vertrauen. Doch wofür braucht die Gesellschaft die Obst- und Gartenbauvereine, diese „Wächter des grünen Gewissens der Gesellschaft“, wie Lindemann die Mitglieder nannte? „Die Schwerpunkte unserer Arbeit liegen in der Dorfgestaltung und der Pflege der Streuobstwiesen – dem absoluten Kulturgut unserer Heimat. Wenn es uns nicht gibt, ist die Welt ärmer“, sagte der Präsident. Zu den Aufgaben des schönsten Hobbys der Welt, wie der Präsident es bezeichnete, zähle ebenfalls die Gestaltung der Privatgärten mit einer Unzahl von Gemüsen, Obststräuchern und bunten Blumen. Dabei spiele das Prinzip der Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle: „Wir müssen so mit der Erde umgehen, dass wir unseren Kindern eine gesunde und fruchtbare Erde hinterlassen“, sagte Lindemann.



Er begrüßte die zahlreichen Ehrengäste, den saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans (CDU), die Landrätin des Landkreises Merzig-Wadern, Daniela Schlegel-Friedrich (CDU), Merzigs Bürgermeister Marcus Hoffeld (CDU), den Ortsvorsteher von Besseringen, Nikolaus Lorenz (SPD), den Präsidenten des Landesverbandes für Gartenbau, Günther Schuster, die Vertreterin der Landwirtschaftskammer für das Saarland, Franziska Nike, und die Vertreterin der Gartenakademie Rheinland-Pfalz, Eva Morgenstern. Der Vorsitzende des Kreisverbandes Merzig-Wadern, Alois Engeldinger, dankte dem Verein für die Arbeit und das Engagement sowie dem Merziger Bürgermeister für sein Bestreben, eine Landesgartenschau nach Merzig zu holen. Zwar könne man finanziell gesehen keine große Gartenschau ausrichten, aber „mit unserer Phantasie können wir ein Stück davon zustande kriegen“, merkte er an.

Ministerpräsident Tobias Hans lobte den Verein als „Macher, die im Land Heimat erfahrbar machen. Heimat muss man praktizieren und Heimat wird nie unmodern“, sagte Hans. Zudem sprach er seine Anerkennung für das Engagement des Vereins aus und beschrieb die Streuobstwiesen als Rückzugsort für Mensch und Tier. „Die Weiterverarbeitung dieser lokalen Produkte macht die Lebensqualität erfahrbar, und diese Tätigkeit wollen wir fördern“, sagte er und empfahl die Verwendung einer Online-Börse für Streuobstwiesen, bei der die Bevölkerung online sehe, wo man welches Obst ernten könne.
  Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich hob insbesondere die Kooperation mit dem Obst- und Gartenbauverein und den Schulen hervor, um Kindern schon früh zu zeigen, was alles in den heimischen Gärten angepflanzt werden kann. „Wir müssen das Wissen an die Kinder und Jugendlichen weitergeben“, sagte sie.

Bürgermeister Marcus Hoffeld bezeichnete Merzig aufgrund der Gärten der Sinne, der aktiven Gärtner und der zahlreichen Streuobstwiesen als „Stadt, die für den Gartenbau steht“. Außerdem wolle man das Projekt „Essbare Stadt“ weiter ausbauen, weswegen Apfelbäume im Merziger Stadtpark gepflanzt werden. Dabei wiederholte der Verwaltungschef seinen Wunsch nach einer Landesgartenschau in Merzig, wobei er auf die Unterstützung des Obst- und Gartenbauvereins hoffe.

Rechtsanwalt Patrick R. Nessler informierte über „Das neue Datenschutzgesetz — Auswirkungen auf die Arbeit der Obst- und Gartenbauvereine“. Er gab nützliche Tipps, wie man für neue Mitglieder eine Beitrittserklärung aufsetzt und dabei festlegt, dass die Daten der Person ausschließlich an den Verband der Gartenbauvereine weitergehen und nicht an Dritte. Diese Regelung gelte nur für Neumitglieder, für die langjährigen Vereinsmitglieder ändere sich nichts.

(leis)