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Gipsabbau in Merzig
Die Gebrüder Knauf kaufen die „Gipsgrube Maria“

Bergdirektor Strohm vom Bergamt Saarbrücken, Johann Dollwet (Vorarbeiter und Sprengmeister) und Alfons Nikolaus Knauf (von links) vor dem gemauerten Stollenmund der Gipsgrube Maria in Mechern. Das Foto wurde aufgenommen in der Zeit zwischen 1939 und 1941, ein genaues Datum ist leider nicht bekannt.
Bergdirektor Strohm vom Bergamt Saarbrücken, Johann Dollwet (Vorarbeiter und Sprengmeister) und Alfons Nikolaus Knauf (von links) vor dem gemauerten Stollenmund der Gipsgrube Maria in Mechern. Das Foto wurde aufgenommen in der Zeit zwischen 1939 und 1941, ein genaues Datum ist leider nicht bekannt. FOTO: Stefan Siebenborn
Merzig. Von Stefan Siebenborn

Die Firma Knauf prüft, ob sich Gipsabbau in Merzig lohnen könnte (wir berichteten). Die Geschichte der Gipsgrube Mechern, besser bekannt als „Gipskaul“, kann in drei Zeitabschnitte eingeordnet werden.


Die erste Abbauphase beginnt Ende 1897 und endet kurz vor dem 1. Weltkrieg. 1919 wird zum zweiten Mal der Betrieb für kaum fünf Jahre aufgenommen. Zwischen 1924 und 1936 ruht der Abbau. Im Herbst 1935 übernehmen die Gebr. Knauf den Betrieb.

Erst mit der vollständigen Ausbeutung der Gipslager kommt im Frühjahr 1955 die endgültige Stilllegung der Gipsgrube „Auf Kappen“. In Teil 3 unserer Serie geht es nun um den  Abbau ab 1932. Die letzte Abbauphase ist Teil der Firmengeschichte Knauf. Die beiden Brüder Alfons und Karl Knauf haben in Berlin Bergingenieurwesen studiert. 1932 fahren die Beiden in Schengen an der Mosel ihre erste Gipsgrube an.

Die Gipsgrube auf dem Hammelsberg in Perl folgt 1933. Gleichzeitig wird das Perler Kalkwerk erworben und 1934 in ein Gipswerk umgebaut. Das genaue Gründungsdatum der Gebr. Knauf GmbH ist nicht mehr feststellbar, jedoch wird offiziell der 28. Mai 1932 angenommen, dies das Datum des Kaufvertrages für das Perler Werk ist. Nach dem Tod von J. W. Witt führt dessen Witwe mit Hilfe eines Neffen die Firmengeschäfte weiter. 1935 verkauft sie das Gipswerk Siersburg zusammen mit der stillgelegten Gipsgrube an die Gebrüder Knauf.

Mit der Pacht der Mecherner Gipsgrube Ende 1935 erwirbt die Fa. Knauf, Rheinische Gipsindustrie und Bergwerksunternehmen in Perl vom Bankhaus Bickelmann die Abbaurechte für die Dauer von 30 Jahren und fährt dort fort, wo die Fa. Witt 1924 aufgehört hat.



Die Pacht richtet sich nach der Fördermenge. Es werden nur „ein paar Pfennige“ je Tonne gezahlt. Im September 1935 beginnen die Vorarbeiten für den künftigen Stollenabbau mit Schürfen und dem Erstellen des markscheiderischen Grubenbildes. Da von der Fa. Witt keine Pläne des bisherigen Abbaus vorliegen, scheint eine neue Vermessung notwendig.

Dem Bergamt West in Saarbrücken wird ein Betriebsplan vorgelegt. Geplant ist das Auffahren  von zwei Strecken, „von denen aus die Abbaue dergestalt aufgefahren werden, das sein paralleles Zufelderücken im Örterbau unter schachbrettartigem Stehenlassen von Bergfesten erfolgt, welche das Hangende tragen.“ Einfach ausgedrückt: zwischen den zwei parallelen Stollen werden Pfeiler stehen gelassen, damit das Ganze nicht einstürzt.

Vorläufig wird der Sprengstoff in einer der beiden früheren betonierten Sprengstoffkammern, die sich etwa 30 Meter vom Stollenmundloch entfernt befindet, aufbewahrt. Später soll ein neuer unterirdischer Raum, der den gültigen Vorschriften entspricht, als Sprengstofflager hergerichtet werden. Gleichzeitig wird das Bergamt gebeten, die bisherige oberirdische Sprengstoffkammer einer Überprüfung zu unterziehen. Diese besteht aus einem niedrigen in den Hang gebauten Raum, 1,85 mal 2,40 Meter groß mit Holztür etwa 30 Meter links neben dem Stollenmund. Auf den 60 Zentimeter starken Bruchsteinmauern liegt eine 20 Zentimeter dicke erdüberdeckte Betondecke. Als verlorene Schalung sind alte Wellbleche verwendet worden, unterstützt von unbrauchbaren Gleisstücken der Feldbahn.

Als Betriebsführer werden Diplom-Bergingenieur Alfons Nikolaus Knauf, wohnhaft im Schloss in Hilbringen, und Bergingenieur Karl Knauf, wohnhaft Schloss Bübingen in Nennig, benannt. Als verantwortliche Aufsichtsperson können die Brüder den früheren Vorarbeiter Johann Dollwet gewinnen. Da dessen abgelaufener Schießschein erst verlängert werden muss, fungiert solange Alfons Knauf als Schießmeister. Die Gebrüder Knauf geben ihrem neuen Bergwerk den Namen „Gipsgrube Maria“ bei Mechern.