Deutsch lernen steht im Vordergrund

Deutsch lernen steht im Vordergrund

47 000 Unterrichtsstunden haben die Referenten bei der Christlichen Erwachsenenbildung (CEB) im Jahr 2015 mit Inhalten gefüllt, rund 23 000 Interessierte haben die Bildungsangebote der CEB-Akademie im vergangenen Jahr besucht. Damit bleibt die CEB einer der großen Bildungsträger im Landkreis, unterstreicht Geschäftsführer Gisbert Eisenbarth bei der Vorstellung der Bilanz der CEB für 2015 und dem Ausblick aufs aktuelle Semester.

Seit gut zwei Jahren kommt für die Christliche Erwachsenenbildung (CEB) neben ihrer "normalen" Bildungsarbeit noch eine weitere, gesellschaftlich wichtige Aufgabe hinzu: Die CEB leistet einen maßgeblichen Beitrag zur Integration der Flüchtlinge , die seit Monaten aus den Krisenregionen der Welt nach Deutschland und auch in unsere Region gekommen sind. Gisbert Eisenbarth: "Die CEB hat in Abstimmung mit dem Kreis, Städten und Gemeinden sowie freien Trägern mit ihren unterschiedlichen Angeboten maßgeblich dazu beigetragen, dass ein tragfähiges und koordiniertes Hilfeangebot im Landkreis für die Flüchtlinge besteht."

War das vergangene Jahr dabei noch stark geprägt durch die Problematik "Flüchtlingsintegration und Ehrenamt", so stehe 2016 das professionelle Deutsch lernen im Vordergrund, erläutert der CEB-Geschäftsführer. Denn, eines sei klar: "Sprachvermittlung ist das zentrale Element für eine gelingende Integration." Das gelte in allen Lebensbereichen, nicht zuletzt auf dem so zentralen Gebiet der Berufsausbildung und Jobvermittlung.

"Viele Betriebe sind sehr offen und bereit dazu, Praktika oder Ausbildungsplätze für Migranten bereitzustellen, aber es klappt ganz oft nicht wegen Sprachproblemen", teilt Gisbert Eisenbarth seine Erfahrungen aus den vergangenen beiden Jahren mit.

Die CEB engagiere sich auf diesem zentralen Bildungsfeld mit unterschiedlichen Angeboten, sagt Eisenbarth. So gebe es Sprachkurse mit ehrenamtlichen Paten an verschiedenen Orten im Landkreis - 2015 fanden 20 Kurse für fast 400 Flüchtlinge statt. Daneben wurde im Herbst 2015 das Sprachencafé in der CEB-Akademie in Hilbringen eröffnet. Über 20 ehrenamtliche Sprachbegleiter würden sich dort engagieren und Sprachunterricht anbieten, erklärt Eisenbarth. Dieses offene Angebot sei gerade in den Anfangsmonaten, als die offiziellen Integrations- und Sprachkurse noch nicht angeboten wurden, sehr stark genutzt worden. "Zeitweilig wurden in sechs Gruppen über 30 Flüchtlinge mit den unterschiedlichsten Zugangsvoraussetzungen unterrichtet", sagt der CEB-Chef. Man arbeite auch mit offenen Sprachtreffs in anderen Kommunen und Orten eng zusammen.

Die CEB ist auch einer der Anbieter der "offiziellen", von der Agentur für Arbeit finanzierten Deutschkursen. Diese bilden nach Darstellung von Eisenbarth jedoch nur den Anfang einer weitergehenden Integration der Flüchtlinge , vor allem in beruflicher Hinsicht.

So bietet die CEB mittlerweile in unserem Landkreis sowie auch im angrenzenden Rheinland-Pfalz (Konz und Saarburg) Integrationskurse an. "Darüber hinaus sollen spezielle Maßnahmen für die berufliche Integration der Flüchtlinge mit Anteilen aus sprachlicher und berufsspezifischer Orientierung angeboten werden", ergänzt Eisenbarth. Dies gelte insbesondere für junge Migranten unter 25 Jahren.

Neben Sprachvermittlung und beruflicher Orientierung stellt die CEB aber über ihr "Netzwerk Patenschaft" auch Alltagsbegleiter für Flüchtlinge bereit. Die dort mitwirkenden Ehrenamtlichen werden von der CEB begleitet und durch rege genutzte Fortbildungsangebote unterstützt. Gisbert Eisenbarth ist aufgrund seiner Erfahrungen überzeugt: "Flüchtlinge brauchen persönliche Lotsen und Alltagsbegleiter, sonst klappt es oft nicht mit dem Sich-Zurechtfinden bei uns." Der CEB-Chef ist auch überzeugt davon, dass alle Beteiligten beim Thema Integration einen langen Atem brauchen: "Eine gelungene Integration braucht fünf bis acht Jahre."Trotz der vielen neuen Aufgaben, die im Zuge der Flüchtlingskrise auf die CEB zukamen: Das allgemeine Bildungsangebot habe nicht gelitten, unterstreicht Gisbert Eisenbarth. Und das sei nach wie vor breit gefächert. Einen großen Raum nehmen Sprachkurse und ergänzende Sprachangebote ein, wobei hier insbesondere die Sprachen Französisch und Luxemburgisch einen Schwerpunkt bilden.

Aber auch Kurse und Seminare aus den Themengebieten Kochen/Gesunde Ernährung, Gesundheit und Sport, Natur und Garten sowie Kreativangebote werden gerne in Anspruch genommen. Dabei gehe es meistens nicht allein um theoretische Wissensvermittlung: Beim Lauftreff und der CEB-Laufschule seien die Teilnehmer ganz konkret sportlich unterwegs. Ähnlich sei es in den Kursen zu Yoga, Pilates, Tanzen oder Tai Chi. Immer wichtig bleibe der Themenbereich EDV, Neue Medien und Internet .

Auch den kulturellen Bereich vernachlässige die CEB nicht, immer wieder finden Konzerte und Ausstellungen in der CEB-Akademie in Hilbringen und an anderen ausgewählten Orten statt - wie zum Beispiel im Dezember 2015 ein Adventskonzert des Kammerorchesters Merzig in der Schlosskapelle Dagstuhl. Auch Vorträge und Seminarreihen zu geschichtlichen, literarischen oder musischen Themen fanden großen Anklang, sagt Gisbert Eisenbarth.

Auch beim Projekt Elternschule bleibt die CEB weiter am Ball und bot hier im vergangenen Jahr 39 Veranstaltungen in verschiedenen Kommunen im Kreis, die von fast 500 Teilnehmern besucht wurden. Dabei ging es um Themen, die Schüler und deren Eltern bewegen, wie Schulangst, Schulreife, Umgangsformen, Umgang mit pubertären Problemen, Bewältigung von Stress, Trotz und Wut.

"Seit Anfang 2009 ist die CEB am deutsch-französischen Interreg-Programm Trilingua beteiligt", erläutert CEB-Geschäftsführer Eisenbarth. Im Jahr 2015 habe es in diesem Rahmen Veranstaltungen und Exkursionen mit dem Themenschwerpunkt kulturelle Vielfalt, Kultur und Traditionen in der Grenzregion gegeben.

Die CEB arbeite auch eng mit weiteren Kooperationspartnern zusammen und realisiere gemeinsam mit diesen weitere Angebote, stellt Eisenbarth klar. Beispiele seien die Kooperation mit dem Verein Mehrgenerationendorf Bietzerberg oder mit der Kolping-Akademie im litauischen Kaunas.

Seit 2014 wirkt die CEB im Bundesprogramm "Kultur macht stark" mit, hat seither bereits vier Projekte mit jungen Erwachsenen auf die Beine gestellt, zwei weitere sind nach den Worten von Eisenbarth in der Planung. So gab es in Zusammenarbeit mit dem Kreiskulturzentrum Villa Fuchs und dem Jugendnetzwerk Merzig das Foto- und Film-Projekt "Meine Welt durch das Auge der Kamera" für zwölf junge türkische Erwachsene. 20 Teilnehmer hatte das Street-Art-Projekt, das zusammen mit dem Jugendhaus Merzig und der Evangelischen Kirchengemeinde lief.

Für eine Schülergruppe der Merziger Kreuzbergschule gab es zwischen Oktober 2015 und Juli 2016 ein Comicprojekt, bei dem die Teilnehmer ihren Lebensraum erkundeten und in digitalen Fotocomics festhielten. Eisenbarth ergänzt: "Ein weiteres Projekt zum Thema Comic Life ist vorgesehen für das erste Halbjahr 2017 in Zusammenarbeit mit dem SOS-Kinderdorf ."

Kontakt und weitere Informationen: CEB-Akademie, Industriestraße 6-8, 66663 Merzig-Hilbringen, E-Mail:

info@ceb-akademie.de.

www.ceb-akademie.de

Zum Thema:

Auf einen Blick Neben der "klassischen" Erwachsenenbildung ist die berufliche Fort- und Weiterbildung ein wichtiges Standbein der CEB. Der Bildungsträger ist hier mit Angeboten zur Berufsvorbereitung und zur -einstiegsbegleitung für Jugendliche und junge Erwachsene engagiert. In Trier betreibt die CEB eine staatlich anerkannte Fachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe. Zudem bietet die CEB Schulungen und Qualifizierungen für Arbeitssuchende und Langzeitarbeitslose. Auch Schulungen für die Mitarbeiter von Firmen sowie privaten und öffentlichen Einrichtungen gehören zum Leistungsspektrum der CEB. cbe

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