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Der Tierschutzverein Merzig bietet herrenlosen Katzen eine Unterkunft

Ein sicherer Hafen für Katzen in Merzig : Mit Herzblut für die Stubentiger im Einsatz

Fünf ehrenamtliche Helferinnen kümmern sich in Merzig jeden Tag in einer Auffangstation um Hunde, Katzen und weitere Tiere.

In der Tierauffangstation in der Waldstraße 204 in Merzig ist an diesem Morgen Leben in der Bude. Die ehrenamtliche Helferin Johanna Henkel hält dem Katzenbaby Paletto einen Stock entgegen, an dessen Ende sich Federn befinden. Das Jungtier mit dem schwarz-weißen Fell versucht, mit seinen Pfoten und Zähnen die Federn unter seine Kontrolle zu bringen. Paletto zeigt keine Scheu gegenüber den Menschen im Raum, benutzt sogar den Rücken des SZ-Mitarbeiters als Absprungrampe. Henkel sagt über Paletto: „Er ist verspielt – ein ganz Lieber!“ Derweil streift die sechs Jahre alte Katzendame Lissy durch das Blockhaus. Das braungemusterte Weibchen lässt es an diesem Tag ruhig angehen.

Henkel ist eine von fünf ehrenamtlichen Helferinnen – ausschließlich Frauen – und schon lange dabei: „Ich habe mit zwölf Jahren angefangen und bin jetzt 21.“ Die Tierauffangstation wird von Madlen Dönneweg geleitet. Sie stellt heraus, dass das Engagement der Tierschützer auf Freiwilligkeit beruht: „Alles läuft über den Verein. Wir machen alles ehrenamtlich hier. Wir investieren Geld, Gefühle und Zeit.“ Mit dem „Verein“ ist der Tierschutzverein Merzig-Wadern gemeint. Über dessen Finanzierung sagt Dönneweg: „Wir leben von Spenden und Mitgliedsbeiträgen.“ Hinzu kommen die Einnahmen aus der Vermittlung der Tiere. Wenn sich Menschen beim Verein wegen des Kaufs einer Katze erkundigen, dann wird laut Dönneweg durch sorgfältiges Nachfragen ermittelt, ob es sich beim Interessenten um einen liebevollen Besitzer handelt. Alles läuft auf vertraglicher Basis ab.

Der Tierschutzverein Merzig-Wadern hat derzeit 300 Mitglieder und existiert seit fast sieben Jahrzehnten. Mit dem Grünen Landkreis deckt er ein großes Einzugsgebiet ab. Dabei wird er von Geschäften und Ärzten unterstützt. So darf der Verein im Kaufland Merzig, im Globus-Markt Losheim sowie im Fressnapf Losheim Spendenkörbe oder Futterboxen aufstellen. Dort kann jeder Tiernahrung, die er oder sie im Geschäft gekauft hat, unterbringen und dem Verein zur Verfügung stellen. Das ist wichtig, denn Tierfutter wäre sonst ein erheblicher Kostenfaktor. Auch die Zusammenarbeit mit den Ärzten läuft zufriedenstellend ab, wie Dönneweg berichtet: „Sie kommen uns entgegen. Wir bezahlen den normalen Preis, aber sie spenden an uns.“ Sie ergänzt: „Wir haben eine gute Tierärztin in Merzig, an die wir uns in Notfällen immer wenden können.“ Sie hält daher fest, dass „wir in Merzig gut vernetzt sind“.

Die Auffangstation gibt es seit 21 Jahren. Die Katzen, die dort ankommen, erhalten eine umfassende medizinische Vorsorge. Dönneweg betont: „Die meisten, die hierher kommen, müssen zum Arzt.“ Die Jungtiere werden entwurmt und entfloht. Und die erwachsenen Katzen geimpft und kastriert. In den Augen Dönnewegs ist die Kastration sehr wichtig, da ungewollter Katzennachwuchs häufig ausgesetzt wird und unnötig leidet. Die Auffangstation verfügt über einen Haupt- und zwei Nebenräume. Über eine Katzenklappe können die Tiere rein und raus. In der Station kümmern sich die ehrenamtlichen Helfer um die Stubentiger. Dönneweg sagt über deren Tätigkeit: „Morgens und abends ist immer jemand da, um mit den Tieren zu schmusen.“ Die Anzahl der Katzen, die sich in der Auffangstation aufhalten, verändert sich ständig. An diesem Tag sind mit Paletto und Lissy nur zwei Tiere im Blockhaus. Es gab aber auch schon Zeiten, in denen sich an die 30 Kätzchen gleichzeitig in der Station aufgehalten haben.

Die Tierschützer haben ständig zu tun. Nahezu täglich melden sich Menschen beim Tierschutzverein, wenn ihnen verwahrloste Katzen in den Straßen auffallen. Oder wenn Tiere nicht artgerecht gehalten werden. Hinzu kommen Privatpersonen, die ihre Haustiere abgeben möchten oder müssen. Dönneweg betont: „Das ganze Jahr ist Betrieb.“ Henkel ergänzt: „Es gibt keinen Urlaub.“ Einige Jungtiere werden bei Pflegestellen untergebracht. Dort werden die Babys von ehrenamtlichen Helfern mit der Flasche großgezogen.

Johanna Henkel mit Katzenbaby Paletto Foto: Dirk Ley

In der Auffangstation werden nicht nur Katzen betreut. Für entlaufende Hunde gibt es einen eigenen Zwinger. Die Polizei und der Bauhof haben einen Schlüssel für den Zwinger, um die Hunde dort jederzeit unterbringen zu können. Diese bleiben so lange, bis sich deren Besitzer melden. Aber auch Tiere, mit denen man nicht unbedingt rechnen würde, werden dem Verein gemeldet. Dönneweg erklärt: „Die Leute rufen für alle Arten von Tieren an.“ In der Vergangenheit waren das beispielsweise Hasen, Igel, Ziegen, Schwäne und Schafe. Diese bleiben in der Station für kurze Zeit, bis Klarheit über das weitere Vorgehen besteht.