Der Sport überwindet alle Grenzen

Der Sport überwindet alle Grenzen

Sport verbindet – und kann damit ein wichtiger Integrationshelfer sein. Das Ganze lohnt sich für beide Seiten. So wie bei Borussia Merzig. Nach dem Abstieg 2014 spielen die Basketballer jetzt wie- der Landesliga. Auch dank syrischer Flüchtlinge.

Vitali Boldt weiß, was das heißt. Er kennt das, als junger Mensch in ein fremdes Land zu kommen und sich dort ein neues Leben aufzubauen. Der 44-Jährige ist in Kasachstan geboren und kam 1993 als Spätaussiedler nach Deutschland. "Deutsch lesen und schreiben konnte ich ein wenig, mit dem Sprechen haperte es noch", erinnert sich Boldt, der seit vielen Jahren Vorsitzender und Spielertrainer der Basketballer von Borussia Merzig ist. Und mit seinem Team geht er seit September wieder in der Landesliga auf Korbjagd - das ist die höchste saarländischen Klasse.

Schon länger spielen bei den seit eh und je multikulturell aufgestellten Borussen auch einige Flüchtlinge Basketball. Der erste von ihnen war Mohammad Labniya, der vor etwa anderthalb Jahren zur Mannschaft stieß. Der junge Syrer kam 2015 nach Deutschland und musste wie damals Boldt erst einmal Deutsch büffeln. Während Labniya im Sommer 2015 am Berufsbildungszentrum Merzig unterkam, war für Boldt seinerzeit die Volkshochschule mit einem sechsmonatigen Sprachkurs erste Anlaufstelle. Daneben half ihm vor allem sein Vierbeiner: "Ich ging damals häufiger mit dem Hund spazieren. Dabei lernte ich andere Hundebesitzer kennen, mit denen ich mich immer unterhalten habe. Zudem habe ich privat viel gemacht, um Deutsch zu lernen", blickt Boldt zurück.

Und da war natürlich der Basketballsport, der ihm bei der Integration behilflich war. "In Kasachstan hatte ich Sport studiert. Der Gang nach Deutschland nach dem Studium war ein großer Schritt. Der Sport hat mir da sehr geholfen, meinen Platz in der Gesellschaft zu finden", sagt Boldt, der in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie im luxemburgischen Esch an der Alzette arbeitet.

Basketball spielte er erst in Dillingen. Danach schloss er sich der Borussia an, die aus einem Merziger Fußballclub hervorgegangen war und sich 1999 von diesem abnabelte. Boldt weiß: "Über den Sport findet man schnell Anschluss und Freunde." Das gilt auch für Feras Orabi Albidani, der kurz nach Labniya als zweiter "Syrien-Import" vorbeischaute und sich inzwischen stark im Verein einbringt. "Er ist immer im Training und generell sehr engagiert. Feras möchte unbedingt den Schiedsrichter- und Trainerschein machen. Ich bin selbst Schiedsrichter und kümmere mich darum, dass wir einen Lehrgang bei uns machen", berichtet Boldt.

Als Dritter im Bunde kam wenig später auch Merhawi Guesh aus Eritrea zur Borussia. Mittlerweile ist das Trio fester Bestandteil der Merziger - sehr zur Freude des Trainers: "Man sieht, dass sich die Jungs hier wohlfühlen. Es ist einfach schön zu sehen, wie engagiert und vor allem wie hilfsbereit sie sind", sagt Boldt, der auch die spielerische Entwicklung der Neuankömmlinge lobt.

Generell muss sich das Team nach der Landesliga-Rückkehr erst weiter akklimatisieren. Mit drei Siegen aus 15 Spielen ist es derzeit Neunter. Zuletzt gab es einen Rückschlag: Gegen das zuvor noch punktlosen Schlusslicht TV Nalbach verlor die Borussia zu Hause mit 72:76 nach Verlängerung. Zur Pause lag das Team noch mit 21:35 zurück. Es kämpfte sich dann bis zum Ende der regulären Spielzeit auf 68:68 heran - und verlor schließlich doch.

Aber auch solche Dinge gehören zum Lernprozess. Am 12. März soll es nun besser laufen. Dann muss die Borussia im nächsten Kellerduell beim Tabellenvorletzten Baskets 98 Völklingen II antreten.