1. Saarland
  2. Merzig-Wadern
  3. Merzig

Der Natur wieder ein Stückchen näherDurchgängigkeit für Fische wird ermöglicht

Der Natur wieder ein Stückchen näherDurchgängigkeit für Fische wird ermöglicht

Beckingen. Die Gemeinde Beckingen, deren drei Hauptfließgewässer Saar, Mühlenbach und Kondeler Bach andeutungsweise ihr farbiges Logo schmücken, befindet sich mit der Umsetzung der behördenverbindlichen Renaturierungsmaßnahmen am Kondeler Bach und am Mühlenbach/Mackenbach auf einem guten Weg

Beckingen. Die Gemeinde Beckingen, deren drei Hauptfließgewässer Saar, Mühlenbach und Kondeler Bach andeutungsweise ihr farbiges Logo schmücken, befindet sich mit der Umsetzung der behördenverbindlichen Renaturierungsmaßnahmen am Kondeler Bach und am Mühlenbach/Mackenbach auf einem guten Weg. Die Naturland Ökoflächen-Management GmbH, mit der die Gemeinde Beckingen eine Vereinbarung für die Umsetzung der Maßnahmen geschlossen hatte, hat mit der Umsetzung der Renaturierung begonnen.

Groppe wurde umgesiedelt

Eine erste Maßnahme für den Mühlenbach ist bereits abgeschlossen. Zur Verbesserung der Durchgängigkeit wurden im Bereich von Haustadt zwei Sohlabstürze, die einst zum Betreiben der inzwischen abgerissenen Mühle Schertz notwendig waren, umgebaut. Insbesondere der Groppe, einer seltenen Fischart, kommt diese Maßnahme zu Gute. Viele Exemplare mussten im Zuge der Realisierung umgesiedelt werden, da sie sich vor dem Wanderungshindernis Sohlabsturz aufgehalten hatten.

Weitere Maßnahmen werden folgen. Im Rahmen der Zusammenarbeit sollen möglichst viele der vorhandenen Defizite in den Gewässern beseitigt werden. Hierzu zählen nicht nur die bereits erwähnten Sohlabstürze, die die Durchwanderbarkeit der Gewässer für wassergebundenen Organismen einschränken. Problematisch sind auch Bereiche mit starker Eintiefung des Bachbettes oder der Ausbau von Sohle und Uferrand mit Rasengittersteinen, die vor etlichen Jahren nach damaligem Kenntnisstand in guter Absicht zur Vermeidung von Schäden verlegt worden waren.

Nachdem nun auch die letzten Planungen vorliegen, laufen die Vorbereitungen für die zweite Umsetzungsphase am Mühlenbach und Mackenbach. Auch am Kondeler Bach kann nun mit der Umsetzungsphase begonnen werden. Realisiert werden in einem ersten Abschnitt die Maßnahmen am Oberlauf im Bereich von Düppenweiler. Aufgrund der schwierigen Situation im Ortsbereich von Beckingen und aufgrund des erforderlichen Genehmigungsverfahrens wurde dieser Bereich erst mal zurückgestellt. Hierfür soll es einen weiteren Antrag geben.

Wasserrechtliche Genehmigung

Bedingt durch den Umstand, dass für verschiedene Maßnahmen eine wasserrechtliche Genehmigung erforderlich war, hat sich die Umsetzung etwas verzögert. Dennoch gehört die Gemeinde Beckingen zu den ersten Kommunen im Saarland, die die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) im vorgegebenen Zeitraum realisieren, worauf Bürgermeister Erhard Seger stolz ist (siehe Interview). In der Gemeinde Beckingen hat die Renaturierung des Mühlenbaches und Kondeler Baches begonnen. Wie steht die Gemeinde Beckingen hierzu?

Erhard Seger: Die Gemeinde Beckingen lässt durch die Naturland Ökoflächenmanagement GmbH die auf Grundlage der EU-Wasserrahmenrichtlinie erstellten Maßnahmenprogramme hinsichtlich des ökologischen Potenzials ausführen. Die Maßnahmen zielen darauf ab, die Verschlechterung des Zustandes aller Oberflächengewässer zu verhindern und bis 2015 einen guten chemischen Zustand und ein gutes ökologisches Potenzial zu erreichen.

Welche Vorteile bringt die Renaturierung?

Seger: Durch wasserbauliche Maßnahmen in den vergangenen Jahrzehnten wurden Bäche begradigt und mit einer festen Sohle versehen, um einen "geregelten" Abfluss zu gewährleisten. Es hat sich jedoch gezeigt, dass hierdurch wesentlich höhere Fließgeschwindigkeiten entstanden sind und sich die Gewässer extrem eingetieft haben, was mit erhöhtem Sandabtrag, Rückgang der Belebung und einer zugenommenen Hochwassergefahr in den Unterläufen einherging. Durch die Renaturierung werden Maßnahmen getroffen, die zu einer Verringerung der Fließgeschwindigkeit führen, den Sandabtrag vermindern, Rückzugsbereiche schaffen und die Durchgängigkeit für Fische vom Unterlauf bis zum Oberlauf ermöglichen.

Sind auch Nachteile zu befürchten?

Seger: Aufgrund der zuvor beschriebenen Maßnahmen ist es unumgänglich, die gesetzlich geforderten Gewässerrandstreifen von jeglicher Nutzung freizuhalten. Besonders im Bereich gewässernaher Bebauung aber auch auf landwirtschaftlich genutzten Flächen wird unsererseits bei den Eigentümern Überzeugungsarbeit zu leisten sein.

Wie hoch sind die geschätzten Kosten und wer trägt sie?

Seger: Wie hoch die Kosten für die Renaturierung sind, kann ich nicht sagen. Aufgrund der Kooperation mit der Naturland Ökoflächenmanagement GmbH sind die Maßnahmen bedingt durch die Philosophie der Ökopunkteregelung für die Gemeinde Beckingen kostenneutral. Allerdings sind auch weiterhin lenkende Unterhaltungsmaßnahmen an den Gewässern nötig, um die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu erfüllen, welche sich wiederum im Gemeindehaushalt bemerkbar machen.

Wird durch die Maßnahme auch der Hochwasserschutz in der Gemeinde verbessert?

Seger: Insbesondere aufgrund der Hochwasserproblematik am Unterlauf des Kondeler Baches ist die Gemeinde Beckingen seit 1993 bestrebt, eine effektive Lösung für die betroffenen Anwohner herbeizuführen. Mehrere Planungen der Gemeinde Beckingen wurden durch die zuständigen Genehmigungsbehörden wegen naturschutzrechtlicher Belange abgelehnt. Die Problematik sieht man in der enormen Sandfracht, die sich nach einem Hochwasser auf für den Natur- und Landschaftsschutz vorgesehenen Flächen ablagert und damit den Lebensraum der gewässernahen Flora und Fauna beeinträchtigt. Durch die Renaturierungsmaßnahmen wird der Sandabtrag in den Mittelläufen reduziert, was uns veranlasst, unsere Forderungen in Sachen Hochwasserschutz bei den zuständigen Behörden erneut vorzutragen. Die Gemeinde favorisiert ungeachtet der Ablehnung durch den Naturschutz die Reaktivierung des alten Regenrückhaltebeckens oberhalb des TÜV. Damit nicht überflüssige Planungskosten entstehen, können entsprechende Planungsaufträge aber erst dann vergeben werden, wenn der Naturschutz seine bisherige ablehnende Haltung in dieser Hinsicht aufgibt.

Sind noch weitere Renaturierungsmaßnahmen geplant?

Seger: Im ersten Schritt sind die Maßnahmen abgeschlossen. Allerdings wird sich im Laufe der Zeit zeigen, ob die vorgenommenen Maßnahmen das erwartete Ziel erreicht haben und eventuelle Folgemaßnahmen erforderlich sind.Foto: Rolf Ruppenthal

"Wie hoch die Kosten für die Renaturierung sind, kann ich nicht sagen."

Erhard Seger,

Bürgermeister

von Beckingen