Merzig : Seine Erfahrung dient jetzt dem Kreistag

Nach fünf Legislaturperioden im Stadtrat Merzig gibt der CDU-Fraktionsvorsitzende die Verantwortung weiter.

Mit der Kommunalwahl vor wenigen Wochen änderte sich in vielen Städten und Gemeinden die Zusammensetzung der Räte. Einige langjährige Ratsmitglieder sind dabei gar nicht mehr zur Wahl angetreten. In einer Serie stellt die SZ einige davon vor. Den Anfang macht Bernd Seiwert, der nach vielen Jahren als Fraktionsvorsitzender der CDU nicht mehr für den Merziger Stadtrat kandidiert hat.

Was hat Sie bewogen, nicht mehr zu kandidieren und Ihr Amt zur Verfügung zu stellen?

SEIWERT Nach fünf Legislaturperioden Stadtrat, davon rund 20 Jahre als Fraktionsvorsitzender, möchte ich Verantwortung weitergeben. Und nach so vielen Jahren wird der Fraktion ein Wechsel guttun – eine neue Fraktionsführung wird der CDU im Stadtrat ein neues Gesicht geben und die Arbeit mit einem neuen Stil weiter nach vorne bringen. Die CDU Merzig ist mit Bürgermeister Marcus Hoffeld und Jürgen Auweiler an der Spitze des Stadtverbandes personell  gut aufgestellt. Im Ortsverband Merzig bekommen neue Leute wie Alexander Boos, Simon Tinnes, Dr. Nikolaus Hans oder Dr. Markus Kniesbeck eine Chance auf den Einzug in den Stadtrat. Junge und politisch unverbrauchte Kräfte werden der Stadtratsarbeit guttun.

Wie lange haben Sie sich politisch engagiert?

SEIWERT In den 80er Jahren war ich Vertreter der Kirche im Jugendhilfeausschuss des Kreises Merzig-Wadern, 1994 bis 2004 Ortsvorsteher des Stadtteiles Merzig, 1994 bis heute CDU-Stadtratsfraktion, davon 1994 bis 1999 stellvertretender Fraktionsvorsitzender, danach bis heute Fraktionsvorsitzender. Ich werde die Kommunalpolitik nicht aufgeben. Ich kandidierte für die Merziger CDU für den Kreistag, möchte dort meine langjährige Erfahrung als Fraktionsvorsitzender einbringen. Im Kreistag werde ich mich Themen der Sozial-, Kultur- und Arbeitsmarktpolitik widmen, diese liegen mir ganz besonders am Herzen.

Was bezeichnen Sie als größten Erfolg in Ihrer politischen Karriere?

SEIWERT Mir hat die Zukunft der Kinder unserer Stadt immer besonders am Herzen gelegen. Ich bin stolz darauf, dass ich dazu beitragen konnte, dass wir saarlandweit die meisten Krippenplätze für die ganz kleinen Kinder geschaffen haben. Unsere Kindergärten und Grundschulen sind gut in Schuss und bieten überall ganztägige Betreuung an – nur so können junge Familien Kinder und Beruf unter einen Hut bringen.

Was bezeichnen Sie als größte Niederlage?

SEIWERT Ich würde nicht von Niederlage sprechen – aber die Entscheidung zum Neubau des Bades war für mich die größte Herausforderung als Fraktionsvorsitzender. Unsere Fraktionsmitglieder haben sehr um eine gemeinsame Entscheidung gerungen. Mir persönlich wäre ein Umbau des alten Hallenbades aus wirtschaftlichen Gründen lieber gewesen, weil ich glaubte, dass die Stadt dies so finanziell besser verkraften würde. Im Nachhinein, nach einer mehrheitlich getroffenen Investitionsentscheidung, bringen Grübeleien nichts: Wir haben ein sehr erfolgreich geführtes Bad, das von den Menschen sehr gut angenommen wird. Der Bäder GmbH und Bürgermeister Marcus Hoffeld ist es gelungen, das Bad als Motor für eine gute touristische Entwicklung unserer Stadt zu nutzen.

Wie hat sich die politische Arbeit im Laufe der Jahre verändert?

SEIWERT Durch den Wegfall der Fünf-Prozent-Hürde hat sich die Zusammensetzung des Stadtrates verändert. Es gibt kleinere Gruppen, die auch nur mit einem Sitz in den Rat kommen. Das mag gut für die Meinungsvielfalt sein, bringt aber auch Probleme in der Sacharbeit. Kleine Gruppen oder Einzelpersonen können sich nicht gleichermaßen in allen Sachthemen der Ausschüsse einarbeiten. Sie sehen ihr Feld dann vorrangig in der Stadtratssitzung. Reden wirken leider weniger sachkundig und scheinen vorrangig für persönliche Profilierung oder Angriffe auf die Mehrheitsfraktionen, die Verwaltung oder den Bürgermeister genutzt zu werden.  Dabei werden auch immer wieder Grenzen einer politischen Streitkultur deutlich überschritten. In früheren Sitzungsperioden konnten wir auch nach hitziger Debatte noch ein Bier zusammen trinken. Fußballtechnisch gesprochen, würde ich mir für den neuen Stadtrat wünschen, dass wieder der Ball und nicht gegen die Frau/den Mann gespielt wird.

Welchen Rat geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg?

SEIWERT Es ergibt keinen Sinn, einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger einen Rat zu erteilen. Die CDU-Stadtratsfraktion verfügt über Persönlichkeiten, die selbstbewusst und mit ihrem eigenen Stil die Fraktion führen werden. Ziel bleibt es, gemeinsam mit Bürgermeister Marcus Hoffeld eine gute Politik für Merzig voranzubringen. Wenn mein Rat gefragt wird, werde ich für jede und jeden ein offenes Ohr haben.

Mehr von Saarbrücker Zeitung