Der akribische Blick des FotografenKonträres gestochen scharf abgelichtet

Merzig. Sven Erik Klein ist der vierte Träger des Monika-von Boch-Preises für Fotografie. Seit 2003 verleiht das Museum Schloss Fellenberg die Auszeichnung alle zwei Jahre an künstlerisch arbeitende Fotografen und erinnert damit an das Werk der wohl bekanntesten und 1993 gestorbenen Mettlacher Fotografin

Merzig. Sven Erik Klein ist der vierte Träger des Monika-von Boch-Preises für Fotografie. Seit 2003 verleiht das Museum Schloss Fellenberg die Auszeichnung alle zwei Jahre an künstlerisch arbeitende Fotografen und erinnert damit an das Werk der wohl bekanntesten und 1993 gestorbenen Mettlacher Fotografin. Im Rahmen einer Ausstellungseröffnung mit Bildern des Luxemburgers und Preisträgers von 2007, Roger Wagner, erhielt Sven Erik Klein am späten Sonntagvormittag aus den Händen von Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich das mit 2000 Euro dotierte Preisgeld. Der im schwäbischen Illertissen geborene Klein, der seit 2002 in Saarbrücken als freischaffender Künstler lebt und arbeitet, setzt mit seinem fotografischen Werk die realistische Sicht seiner Preisvorgänger auf thematisch sehr gegensätzliche Bildmotive fort. Ausgewählt worden ist er, weil seine Werke eine künstlerische Nähe zu den Bildern von Monika von Boch haben, betont Dr. Ingrid Jakobs, die Leiterin des Merziger Museums. Sein künstlerisches und fotografisches Handwerk hat der Wahl-Saarbrücker bei Candida Höfer und der belgischen Künstlerin Marie-Jo Lafontaine erlernt. In spätestens zwei Jahren wird ihn sein Weg erneut nach Merzig führen. Dann, wenn der fünfte Träger des einzigen Fotografie-Preises in der Großregion gekürt und vorgestellt werden wird und die fotografischen Arbeiten Sven Erik Kleins in einer Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert werden.Was Fotos erzählenDiese Ehre wurde am Sonntag dem Luxemburger Künstler und Fotorealisten Roger Wagner zuteil. Vor zwei Jahren ist der 1962 im luxemburgischen Dudelange geborene Fotograf hier zum 3. Monika von Boch-Preisträger gekürt worden. Jetzt ist Roger Wagner wieder da, um den 80 anwesenden Gästen im persönlichen Gespräch deutlich zu machen, was sich aus seinen Fotografien herauslesen und deuten lässt.www.museum-schloss-fellenberg.dewww.rogerwagner.org.Merzig. Fotorealismus - dieses Attribut bringt Wagners zum Teil überdimensionale und gestochen scharfe Werke auf einen gemeinsamen Nenner. Da ist zum Beispiel Céline, das 180 mal 225 Zentimeter große Porträt einer jungen, geistig behinderten Frau. Roger Wagner gewährt dem Betrachter, der sich wie ein Voyeur fühlen muss, wenn er das Gesicht minutenlang taxiert, Einblicke in einen Menschen, der nicht in das perfekte Ideal einer durch Werbung und Schönheit geprägten Gesellschaft hineinpasst. Drei Menschen, allesamt mit einer geistigen Behinderung, porträtiert der Luxemburger Künstler auf diese Weise. Seine Fotografien rütteln auf und zwingen den Zuschauer, sich über den Anblick anderer mit sich selbst zu beschäftigen.Menschen, Natur, Gegenstände: der thematische Gegensatz der Exponate verwirrt. Der Wechsel von menschlichen Individuen zur Darstellung von unberührter Natur, aufgenommen in der Nähe von Rotterdam und Brüssel, wo Roger Wagner einige Zeit gelebt und gearbeitet hat, erfolgt ohne Übergang. Ebenso der erneute Perspektivwechsel zur 2005 fotografierten Bilderserie "Shooting Range", die die Nüchternheit des in Beton gegossenen Schießstandes der luxemburgischen Polizei zeigt. Beim Anblick der in rotes Licht getauchten glatten Betonwände und der vielen die Nüchternheit aufbrechenden Patronenhülsen auf dem Boden wird Fotografie endgültig zur Kunst.Der umfangreichste Bildzyklus der Ausstellung gewährt, überwiegend im Kleinformat von 20 mal 30 Zentimetern, Einblicke in Privates. "Second Skin - Deep South" ist im Jahr der Preisübergabe entstanden und zeigt Küchen- und Wohnungslandschaften im Süden Luxemburgs. "Ich betrachte die Wohnung als zweite Haut des Menschen", beschreibt Roger Wagner die Intention dieser Fotografien, die er als Auftragsarbeit gefertigt hat. ksbDie Ausstellung im Merziger Museum Schloss Fellenberg ist noch bis zum 5. April zu sehen.

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