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„Den Jungs ist gar nichts peinlich“

 Der Autor Rüdiger Bertram. Fotos: Jörg Schwalfenberg/Oetinger
Der Autor Rüdiger Bertram. Fotos: Jörg Schwalfenberg/Oetinger
Rüdiger Bertram ist einer der erfolgreichsten Kinderbuchautoren Deutschlands. Am Montag liest er in der Merziger Buchhandlung Rote Zora aus seinem neuen Buch, in dem die Jungs von S.W.A.P. mal wieder die Welt retten. SZ-Redaktionsmitglied Janek Böffel sprach mit dem 47-jährigen Kölner über seine Arbeit. red

Herr Bertram, wie sind Sie überhaupt zum Schreiben gekommen?

Bertram: Schreiben wollte ich eigentlich schon, seit ich 13 oder 14 war. Aber an der Uni war ich von den Lehrerkindern doch ein wenig eingeschüchtert und habe gedacht, du machst besser etwas Handfestes. Also bin ich Medienjournalist geworden und habe viel über Filme geschrieben. Über einen Umweg bin ich dann zum Drehbuchschreiben gekommen und habe viel für Sitcoms gemacht. Aber Anfang der Nullerjahre ging die Zeit der Sitcoms in Deutschland zu Ende. Irgendwann kamen dann die eigenen Kinder. Denen habe ich Geschichten erzählt und irgendwann habe ich einfach die ersten 30 Seiten geschrieben und an die Verlage geschickt. Die meisten haben es abgelehnt, aber einer hat es dann angenommen. Mittlerweile kann ich davon leben.

Mittlerweile haben Sie zahlreiche Kinder- und Jugendbücher geschrieben. Viele davon als Comic-Romane. Wie entstehen die Bücher?

Bertram: Meistens schreibe ich ein Exposé von zwei bis drei Seiten. Manchmal kann es auch nur eine Seite sein, manchmal auch mehr. Und die schicke ich dann an die Verlage.

Sie warten also erst, bis Sie die Zusage des Verlags haben?

Bertram: Ja, ich lebe vom Schreiben und könnte es mir anders gar nicht leisten. Der Vorteil daran, dass ich mir mittlerweile einen Namen gemacht habe, ist, dass ich auch abgefahrenere Sachen machen kann. Viele jüngere Kollegen können sich das nicht erlauben.

Und wenn ein Verlag zusagt?

Bertram: Dann schreibe ich das Buch. Und wenn ich das fertige Buch an den Verlag schicke, bekommt auch Herbert Schulmeyer, der Illustrator, mit dem ich zusammenarbeite, eine Kopie. Und dann macht er sich seine Gedanken dazu.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit ihm?

Bertram: Wir haben lange in ein und demselben Haus gewohnt, ohne voneinander zu wissen. Bei einem Sommerfest haben wir uns dann kennengelernt. Auch jetzt wohnen wir nur 100 Meter auseinander. So etwas ist selten in Deutschland. Auf diese Art und Weise kann ich nur aber mit ihm zusammenarbeiten. Wir mögen einfach unseren Humor und ich kann ihm vertrauen. Wir wissen beide, wie wir ticken.

Profitieren Sie bei Ihrer Arbeit auch von Ihrer Zeit als Drehbuchschreiber?

Bertram: Ganz sicher. Ich habe schon immer in Bildern gedacht. Und so entstehen auch meine Bücher. Aber ich glaube, dass sehr viele Kollegen ähnlich arbeiten. Viele ehemalige Drehbuchautoren schreiben heute Bücher. Die wissen, wie man Geschichten erzählt. Und ich denke, dass das die Literatur verändern wird. Viele Kinderbücher , die man heute sieht, könnte man eigentlich direkt verfilmen.

Kommen wir zu den Jungs von S.W.A.P. Eigentlich sind das ja klassische Heldenfiguren.

Bertram: Es gibt ja das Jungenbild des sympathischen Tollpatschs, das oft in Kinderbüchern auftaucht. Und für viele Kinder ist es ja auch so, dass alles irgendwie peinlich ist. Mir ist das aber irgendwann zu viel geworden. Denen von S.W.A.P. ist gar nichts peinlich. Es ist eine mit Humor erzählte Action-Geschichte.

Mit vielen Anspielungen auf klassische Agenten-Filme oder auch Indiana Jones . Verstehen das Kinder überhaupt?

Bertram: Ich glaube, darum geht es gar nicht so sehr. Für mich sind die besten Kinderbücher eigentlich die Bücher, die Eltern auch gerne vorlesen. Die Eltern verstehen diese Anspielungen und die Kinder überlesen sie einfach. Ich habe immer den Anspruch, auch die Eltern zu unterhalten.


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Auf einen BlickAm Montag, 21. Juli, 16 Uhr, liest Rüdiger Bertram in der Buchhandlung Rote Zora in Merzig aus seinen Büchern vor. Und weil es in den Büchern so geheim und cool zugeht, ist auch der Veranstaltungsort geheim und wird nicht verraten. Treffpunkt ist um 16 Uhr in der Buchhandlung in der Poststraße 22. Von dort schleichen sich die Teilnehmer dann unauffällig zum Veranstaltungsort. Anmeldung bei der Roten Zora unter Telefon (0 68 61) 7 55 99 oder im Internet. red rotezora.de