"Das Problem ist nie der Hund"

Herr Schüler, wie sind Sie auf den Hund gekommen? Holger Schüler: Früher hatte ich - wie viele andere auch - die Fernsehsendung Lassie gesehen. Durch diese Serie wurde mein Traum geboren, auch einen solch treuen Gefährten zu haben wie diesen bekannten Vierbeiner. Bereits damals wurde auch der Wunsch in mir wach, mit Hunden zu arbeiten

 Holger Schüler mit seinen Hunden. Links: Chesapeake Bay Retriever Falk, rechts: die Berner Senner-Hündin Siska. Foto: Lars Reuther

Holger Schüler mit seinen Hunden. Links: Chesapeake Bay Retriever Falk, rechts: die Berner Senner-Hündin Siska. Foto: Lars Reuther

Herr Schüler, wie sind Sie auf den Hund gekommen? Holger Schüler: Früher hatte ich - wie viele andere auch - die Fernsehsendung Lassie gesehen. Durch diese Serie wurde mein Traum geboren, auch einen solch treuen Gefährten zu haben wie diesen bekannten Vierbeiner. Bereits damals wurde auch der Wunsch in mir wach, mit Hunden zu arbeiten.Was haben Sie von Ihrem Hund gelernt? Holger Schüler: Mein Hund hat mir Konsequenz beigebracht, ebenso Körpersprache, den Unterschied zwischen Aktion und Reaktion, die Kommunikation zwischen den Lebewesen und jede Menge Spaß.Warum ist Aktion besser als Reaktion?Holger Schüler: Aktion ist eindeutig besser. Wenn ich nur auf meinen Hund reagiere, kann ich nie der Chef sein. Hunde brauchen eine Hierarchie. Ich muss agieren, zum Beispiel vorneweg laufen. Ich muss sagen, wo es lang geht. Der Hund muss mir folgen. Was brachte Sie dazu, Hundeflüsterer zu werden? Holger Schüler: Ich bin kein Hundeflüsterer, ich bin ein Hundeversteher, weil ich versuche, mich in die Hunde hineinzudenken, und ich bin von meiner Ausbildung her Hundeerziehungsberater. Hundeflüsterer ist ein Modewort, das ich nicht mag. Ob mit Pferden, Hunden oder Katzen - das Wort Flüsterer ist in aller Munde. Aber ich mag es - wie gesagt - nicht.Wie sieht die Ausbildung zum Hundeerziehungsberater aus? Holger Schüler: Es gibt Schulen, allerdings keine staatlich anerkannten. Ich mache diesen Job schon seit mehr als 18 Jahren. Zuvor habe ich zahlreiche Praktika absolviert, unter anderem bei Hundefachleuten. Ich habe in verschiedenen Rettungsstaffeln gearbeitet, ebenso in einer Wildauffangstation in Oberbayern. Worin liegt das Hauptproblem zwischen Mensch und Hund?Holger Schüler: Oft liegt das Problem in der fehlenden Kommunikation, in der fehlenden Konsequenz und der fehlenden Bindung.Was bedeutet dies?Holger Schüler: Man versucht, den Hund zu vermenschlichen und nicht als Tier zu sehen. Da kommt von beiden Seiten kaum Bindung auf. Wenn man den kleinen Hund vermenschlicht, übernimmt er oft die Aufgabe des Chef-Menschen, und das geht in der Regel schief. Wer ist das Hauptproblem - Mensch oder Tier? Holger Schüler: Das Hauptproblem ist der Mensch, nie das Tier. Warum? Holger Schüler: Weil der Mensch sich nicht reinfühlt in das Tier. Der Hund ist ein Tier, kein Mensch. Wir signalisieren mit unserem Verhalten oft Dinge, die für einen Hund sehr verwirrend sind und die er nicht versteht.Zum Beispiel? Holger Schüler: Wenn es an der Tür klingelt, flippen die Hunde meist aus. Sie bellen, rennen zur Tür. Verständlich. Schließlich signalisieren wir mit unserem Verhalten, in dem wir alles stehen und liegen lassen und zur Tür rennen, dass eine besondere Situation eingetreten ist. Und das tut das Tier uns nach.Wie haben Sie Ihre besondere Trainingsmethode für schwierige Hunde entwickelt?Holger Schüler: Ich habe mir sechs Bausteine zurechtgelegt, nach denen ich arbeite. Dies sind Bindung, Konsequenz, Kommunikation, Körpersprache, Aktion, Reaktion und Spaß. Das ist mein Rezept zur Hundeerziehung. Gibt es eine Rasse, mit der Sie am liebsten arbeiten?Holger Schüler: Nein. Ich arbeite mit jedem Hund und jedem Problem, da nicht der Hund das Problem ist, sondern der Mensch.Auch die Kampfhunde? Holger Schüler: Ja. Denn Kampfhunde werden von Menschen zu Kampfhunden gemacht. Es sind die Züchter, die diese Hunde so züchten. Grundsätzlich gilt: Der Mensch züchtet die Eigenschaften des Hundes so an.Gibt es bei den Hunden unterschiedliche Aggressivität? Holger Schüler: Wie bei den Menschen auch, haben Hunderassen Reizschwellen. Der eine schäumt schneller über als der andere. So ist beispielsweise beim Berner Senne eine niedrige Reizschwelle, er ist gutmütig. Derweil gehen Terrier relativ schnell los. Dennoch ist mit all diesen Hunden gut zu arbeiten.Gibt es eine Rasse, mit der Sie noch nicht gearbeitet haben? Holger Schüler: Garantiert, bestimmt gibt es auf der Welt Hunderassen, mit denen ich noch nicht gearbeitet habe. Mit Dingos zum Beispiel. Mit einer Dingo-Mischung habe ich aber schon einmal gearbeitet.Würden Sie dies gerne tun?Holger Schüler: Natürlich. Mich reizt jede Hunderasse. Warum?Holger Schüler: Es ist jedes Mal eine neue Herausforderung und ein neues Glücksgefühl, mit den Tieren zu arbeiten. Was ist die größte Herausforderung bei Ihren Seminaren oder Schulungen? Holger Schüler: Besitzer und Hund als Team zusammenzuschweißen, unter anderem, dass der Hund auf seinen Herrn hört. Nur als Team kann man den Alltag besser bewältigen.Wie haben Sie gelernt, Hunde zu verstehen?Holger Schüler: Hunde untereinander reden. Ich hab so ein bisschen die Gabe gehabt, mich in die Tiere hineinzuversetzen und sie zu verstehen. Doch damit nicht genug. Durch meine tägliche Arbeit mit den Tieren lerne ich jeden Tag weiter dazu.Kann man einem Hund ansehen, ob er positiv oder negativ gestresst ist?Holger Schüler: Ja, das kann man ansehen, die Ohren stehen nach vorne, die Rute hängt ganz locker und es ist keine Körperspannung zu sehen.Gibt es einen Tipp, der für Hunde generell gilt?Holger Schüler: Wenn ich meinen Hund gut erziehen möchte, muss ich generell bei mir selbst anfangen. Wenn ich mein Gleichgewicht nicht habe, kann ich das auch nicht von meinem Hund verlangen. Spürt ein Hund, dass seinem Herrn das Gleichgewicht fehlt?Holger Schüler: Unter Garantie. Wenn ich mir unsicher bin, spürt das ein Hund auf jeden Fall und reagiert entsprechen. Zum Beispiel?Holger Schüler: Wenn ich meinen Hund aggressiv rufe, wird er nicht kommen, weil er nicht zu jemandem kommen möchte, der aggressiv ist.Mit wie vielen Hunden haben Sie in all den Jahren bereits gearbeitet?Holger Schüler: Das kann ich nicht mehr sagen. Ich kann nur sagen, dass ich mit vier bis sechs Hunden pro Tag arbeite.Was verbinden Sie mit Merzig?Holger Schüler: Den Wolfspark in Merzig, den ich schon besucht habe. Werner Freund habe ich einmal kurz getroffen. Haben Sie schon mal mit ihm gesprochen?Holger Schüler: Nein. Ich würde einmal gerne mit ihm länger reden und groß diskutieren. Vielleicht klappt es ja einmal.

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