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Merzig
Wie Engel und Elfen Santa Claus aufpeppen

 Faszinierende Körperbeherrschung: Benjámin Kassaiund Ádam Fehér am Chinesischen Mast.
Faszinierende Körperbeherrschung: Benjámin Kassaiund Ádam Fehér am Chinesischen Mast. FOTO: Ruppenthal
Merzig. Am heutigen Freitag, 14.30 Uhr, steigt die Premiere für die Weihnachts-Circus-Show im Merziger Zeltpalast mit 27 Aufführungen. Von Margit Stark

Nur wenige Zentimeter groß ist der Kasten, der den chinesischen Mast an seiner Spitze zusammenhält – doch für die beiden Ungarn groß genug, um gemeinsam eine Wahnsinns-Nummer zu präsentieren. Während die Musical-Darsteller auf der Bühne Weihnachten rocken, umfassen die Hände von Ádam Fehér und Benjámin Kassai vorsichtig den Kasten – um ihre Körper in luftiger Höhe in der Waagerechten schweben zu lassen. Dieser Balanceakt des muskulösen Duos hält selbst Andreas Gergen nicht auf seinem Platz. Begeistert springt der gewiefte Regisseur auf, eilt zur Bühne, spendet Beifall.


Noch tragen die Artisten und Musical-Darsteller bei der Probe im Merziger Zeltpalast Alltagskleidung, ihre Verwandlung in die Märchengestalten ist für den Nachmittag eingeplant: in Elfen, Engel und andere fantasievolle Figuren um den Nikolaus. „Der Tag, an dem Santa Claus keine Lust auf Weihnachten hatte...“ hat Gergen das Stück überschrieben, das aus seiner Feder stammt. „Produzent Joachim Arnold und ich waren uns seit langem einig, dass wir mal zu Weihnachten ein Stück auf die Bühne bringen“, verrät der gebürtige Saarlouiser, der an vielen Theatern der Welt zu Hause ist. „Nachdem wir im Sommer mit der Entführung aus dem Serail ein ernstes Stück auf die Bühne gebracht haben, war es für uns an der Zeit, Entertainment für die ganze Familie zu machen“, verrät Arnold. Und das zu kinderfreundlichen Zeiten: am Nachmittag und am frühen Abend. „Es ist kein Weihnachtszirkus, sondern eine Show mit viel peppiger Musik, einer Geschichte und Artisten.“ Stars auch im Winter anzuheuern nennt er einen Versuch, das Zelt neben den Produktionen im Sommer ganzjährig zu bespielen.

Werden anderen Ortes Ensembles, die bereits ein Programm einstudiert haben, engagiert, gehen der umtriebige Chef von Musik und Theater Saar und sein Freund andere Wege. Sie arrangieren ihre Weihnachtsshow selbst. In der Zeit, die bekanntlich die schönste im Jahr ist, entführen sie die Zuschauer in das ewige Eis, in dem Santa Claus zu Hause ist. Doch der hat so gar keine Lust auf Weihnachten. „Er liegt im Bett und starrt Löcher in die Decke“, wie Misses Santa Claus, alias Suzanne Dowaliby dem Weihnachtselfen (Mathias Schlug) und dem Weihnachtsengel (Henriette Schreiner) verrät. „Noch nicht einmal seinen Bart hat er sich gekämmt“, klagt sie. Kann der Rotrock doch noch überzeugt werden, all die Geschenke an die Kinder zu bringen? Das dürfte für die zauberhaften Engel und Elfen eine der leichtesten Übungen sein. Ein Happy End verspricht Gergen jedenfalls. Seine Idee, dass ja Arnold, der sich einen prächtigen Bart hat wachsen lassen, am Ende des Stückes in die Rolle des Weihnachtsmannes schlüpfen und auf der großen Leinwand im Bühnenhintergrund auftauchen könnte, hat nach den Worten des Regisseurs durchaus Charme – wiewohl das eher unwahrscheinlich ist.



Für ihre Premiere in den Saarwiesen haben die Macher Musiker und Darsteller engagiert. Das Artistenvölkchen, bis auf die Künstler am Chinesischen Mast allesamt Ukrainer, trommelte Jongleur Stanislav Vysotskyi, Ehemann von Musical-Darstellerin Henriette Schreiner aus Brotdorf, zusammen. Bis zu fünf Bälle lässt der Ukrainer tanzen, fängt sie auf – mal mit den Händen, mal mit den Füßen. Der Schwierigkeitsgrad wächst, als der Künstler, der Schneemann Frosti spielt, einen Besen auf seinem Kopf balanciert und die weißen Kugeln springen lässt. Selbst die wilde Schneeballschlacht, die sich auf der Bühne entfesselt, bringt ihn nicht aus dem Takt.

Für Gergen ist dies der Moment, die Szenen mit Olga Tsolga zu proben. Mal schwebt sie schwerelos am Luftring hoch, um hoch über der Bühne ihre Kür zu starten. Ein anderes Mal verbiegt die zarte Blondine auf einem Stuhl ihren Körper in unvorstellbare Positionen – eine Schlangenfrau, die mit ihrer Beweglichkeits-Nummer Arnold zum Staunen bringt. Ihr Bein bewegt sich geschmeidig über den Kopf. Der rote Kelch, den sie zwischen ihren Zehen hält, wackelt nicht.

Während Oksana und Alex Kurinskyi sich mit Lockerungsübungen auf ihre Bodenakrobatik vorbereiten, hat ihr Söhnchen Daniel nur noch die Bühne im Blick. Dann heißt es für den Sechsjährigen Daumen drücken: Mama und Papa sind an der Reihe – zunächst mit kraftvoller Partnerakrobatik am Boden, danach mit Luftakrobatik an den Strapaten. Noch haben Philipp Daub, bekannt als Maxim Maurice, und Ehefrau Jennifer Pause. Verzaubert von dem märchenhaften Weihnachtsspiel verfolgen der Magier und seine Assistentin jede Bewegung auf der Bühne – Erinnerungsfotos mit dem Handy inklusive. „Er wird mit exklusiven, bisher nie gezeigten Groß­illusionen aufwarten“, verspricht der „Musik-&-Theater“-Geschäftsführer.

Andreas Gergen schaut auf die Uhr: Punkt 13 Uhr fällt der Hammer – Mittagspause. Die Schneelandschaft, die auf eine 50 Quadratmeter große Leinwand projiziert ist, verschwindet hinter einem rosaroten Vorhang. Zeit für die Darsteller, Luft zu holen. „Ich freue mich, über Weihnachten zu Hause arbeiten zu können“, sagt Henriette Schreiner. „Den Heiligen Abend werde ich mit meinem Ehemann Stanislav bei meiner Familie verbringen. Dann gibt es Fondue“, verrät die aparte Blondine. Derweil macht sich Familie Kurinskyi auf zu Hündchen Gambo. Den quirligen Jack Russell samt seinem Spielknochen haben die Ukrainer während der Probe aus der Manege verbannt. Grund: Das Temperamentsbündel hätte in seinem Tatendrang vielleicht noch die Bühne gestürmt.

Auch ein sichtlich zufriedener Joachim Arnold gönnt sich eine Pause. „Ich denke, dass das eine sehr gute Geschichte ist, die Familien mit Kindern anlockt“, sagt er. Nach und vor den 27 Vorstellungen bietet der Zeltpalast nach seinen Worten Budenzauber wie auf dem Weihnachtsmarkt an. Ob es im kommenden Jahr eine Wiederholung gibt? Das lässt Arnold jetzt noch erstmal offen.

Für die beiden Vorstellungen an jedem Tag hebt sich der Vorhang in der Zeit von Freitag, 21. Dezember, bis einschließlich Sonntag, 6. Januar um 14.30 und 18.30 Uhr. Spielfrei ist an Heiligabend, am ersten Weihnachtstag und an Neujahr. Tickets gibt es zwischen 17 und 44 Euro an allen Vorverkaufsstellen, bei Ticket-Regional, unter Telefon (06 51) 9 79 07 77 und im Internet auf: