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| 20:26 Uhr

Gipsabbau 6
Das alte Rondell ist auch heute noch gut sichtbar

Bis Anfang der 2000er Jahre präsentierte sich der Stolleneingang  wie auf dieser Aufnahme.
Bis Anfang der 2000er Jahre präsentierte sich der Stolleneingang  wie auf dieser Aufnahme. FOTO: Stefan Siebenborn
Mechern. Die Firma Knauf prüft, ob sich Gipsabbau in Merzig lohnen könnte (wir berichteten). Der Abbau des Baustoffs hat in Merzig Tradition. Die Geschichte der Gipsgrube Mechern, besser bekannt als „Gipskaul“, kann in drei Zeitabschnitte eingeordnet werden. Die erste Abbauphase beginnt Ende 1897 und endet kurz vor dem 1. Weltkrieg. 1919 wird zum zweiten Mal der Betrieb für kaum fünf Jahre aufgenommen. Zwischen 1924 und 1936 ruht der Abbau. Im Herbst 1935 übernehmen die Gebrüder Knauf den Betrieb. Erst mit der vollständigen Ausbeutung der Gipslager kommt im Frühjahr 1955 die endgültige Stilllegung der Gipsgrube „Auf Kappen“. Teil sechs unserer Serie: der Arbeitsalltag.

Die Firma Knauf prüft, ob sich Gipsabbau in Merzig lohnen könnte (wir berichteten). Der Abbau des Baustoffs hat in Merzig Tradition. Die Geschichte der Gipsgrube Mechern, besser bekannt als „Gipskaul“, kann in drei Zeitabschnitte eingeordnet werden. Die erste Abbauphase beginnt Ende 1897 und endet kurz vor dem Ersten Weltkrieg. 1919 wird zum zweiten Mal der Betrieb für kaum fünf Jahre aufgenommen. Zwischen 1924 und 1936 ruht der Abbau. Im Herbst 1935 übernehmen die Gebrüder Knauf den Betrieb. Erst mit der vollständigen Ausbeutung der Gipslager kommt im Frühjahr 1955 die endgültige Stilllegung der Gipsgrube „Auf Kappen“. Teil sechs unserer Serie: der Arbeitsalltag.

Verlängert man die vorhandene Pferdebahn, die vom Stolleneingang zum Waldrand führt, weiter durch den Wald, so trifft diese oberhalb des Wohnhauses Miroll-Koch auf die Brunnenstraße. Auf dem Grundstück 622/68, Flur 6 „Im Wingert“, was heute von der Straße „Westring“ durchschnitten wird, sollen drei Gipskammeröfen errichtet werden.

Die Genehmigungsurkunde zu diesem Bauvorhaben mit allen Auflagen liegt bereits am 26. Mai 1936 vor. Aber außer einigen Vorarbeiten wie Schürfen wird dieses Vorhaben nicht weiter verfolgt. Die im Stollen beladenen Loren werden von einem Pferd aus dem Berg bis zur Haspel gezogen. Auf einer Bühne werden die Brocken in den Brecher mit einer Maulweite von 35 x 50 Zentimeter gekippt. Das zerkleinerte Material fällt in einen darunter stehenden Wagen, der wiederum mittels Pferdekraft zur Haspel befördert wird. Dieser Brecher ist nur in den ersten Betriebsjahren der Firma Knauf im Betrieb. Später wird das Material ungebrochen abgefahren.

Die Haspel besteht aus einem 7,5-PS-Elektromotor, der über Transmission mit Lederriemen eine Seilwinde antreibt. Motor und Seilwinde ruhen auf getrennten Betonsockeln und sind von einem überdachten Bretterverschlag von etwa 2 x 4 Meter umgeben. Die vollen Wagen passieren die Haspelanlage auf der rechten Seite.

Die leeren Wagen werden links neben der Haspel bereitgestellt. Offiziell bis maximal fünf Kipploren von 750 Liter Inhalt werden gekoppelt und an das 14 mm starke Drahtseil gehängt. In der Praxis werden aber mindestens sieben bis acht Loren zusammengestellt. Dann geht es langsam den mit zehn bis zwölf Grad geneigten Haspel- oder Bremsberg etwa 500 Meter hinab bis zur Verladestelle oder „Kipp“. Die liegt am Waldrand und ist eine hölzerne Verladebühne aus zwei hölzernen, mit Blech ausgeschlagenen Bunkern, in denen etwa zehn Tonnen Gipsstein Platz haben.

Die Lastwagen können aus beiden Richtungen darunter fahren und durch das Öffnen einer Klappe rutscht der Gipsstein auf die Ladefläche. Sind alle Bunker voll oder verzögert sich der Abtransport, werden die Loren am Ende der Bühne auf die Halde gekippt. Dies hat den großen Nachteil, dass dann die Transportfahrzeuge von Hand beladen werden müssen. Die Signalgebung zwischen Seilwinde und Verladestelle erfolgt durch festgesetzte Zeichen über eine elektrische Klingelanlage.

Die gesamte Gleisanlage weist eine Spurbreite von 600 Millimetern auf. Die Schienen sind auf Stahlschwellen verlegt, nur an der Verladebühne verwendet man Holzschwellen. Zwei Weichen sind an der Haspelanlage eingebaut, eine dritte führt zu dem kleinen Lokschuppen neben dem Gleis zum Stollenmund. Untertage gibt es etwa 200 Meter vom Stollenmund ein Ausweichgleis, den sogenannten Bahnhof. Von hier zweigt zu jedem der drei bis vier Abbaue ein Gleis ab. Eine hölzerne Baracke auf Betonfundamenten links neben dem Stollenmund dient als Aufenthaltsraum, Umkleide und Büro.

Eine steile Betontreppe mit zehn Stufen führt von der Gleistrasse zum überdachten Eingang der Unterkunft.

Da die Mecherner immer in ihrer Arbeitskleidung zur Grube kommen und der Vorarbeiter den Schreibkram lieber zu Hause erledigt, werden die vier Räume in der Hauptsache als Pausenraum und nur als Umkleide der auswärtigen Arbeiter genutzt. Eine ständige Bürokraft gibt es nicht.

Das Rondell sowie einige Betonbrocken und Gipssteinhaufen direkt am Waldrand links des Weges (vom Wegekreuz Brunnenstraße zum Wald) sind heute noch im Gelände sichtbar.