CEB feiert in Hilbringen 60-jähriges Bestehen mit Vortrag über wertvolle Bildung

Zum 60. Geburtstag der CEB in Hilbringen : Was Bildung bringt, ist keine Frage

Zum 60-jährigen Bestehen der CEB in Hilbringen sprach Pater Klaus Mertes über Bildung und die Frage, welchen Wert diese heutzutage hat.

„Bildung und Soziales – auf diese beiden Pfeiler stützt sich die Arbeit der Christlichen Erwachsenenbildung, die am 23. Oktober 1959 gegründet wurde.“ Mit diesen Worten hat Gisbert Eisenbarth, der Geschäftsführer der CEB-Akademie in Hilbringen, den Festakt anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Christlichen Erwachsenenbildung (CEB) eröffnet.

Ihr Ziel: Mitbürgerliche Verantwortungsfreude wecken und zu demokratischem Denken sowie Handeln erziehen. Und das „ohne Rücksicht auf Vorbildung, gesellschaftliche Stellung, berufliche, parteiliche und konfessionelle Zugehörigkeit“, wie Eisenbarth die Satzung rezitierte. „Werte und Ziele, die bis heute gültig sind“, betonte er und bezeichnete die CEB als „weltoffene, tolerante Einrichtung“.

Maßgeblich an der Gründung beteiligt war damals Johannes Mertes, der Pfarrer von St. Josef in Merzig, der an der Satzung und den darin enthaltenen Grundsätzen zur Demokratie und der Ablehnung von Machtmissbrauch mitwirkte. Grundsätze, denen sich sein Neffe, Pater Klaus Mertes, ebenfalls verschrieben hat. „Ein Kirchenmann, der seine Stimme erhebt, wenn es ihm notwendig erscheint“, kündigte Eisenbarth den Festredner an. Dieser forderte Anfang 2019 mit anderen Theologen in einem offenen Brief an Kardinal Marx einen Umbruch in der katholischen Kirche: Mehr Demokratisierung, Frauen in Weiheämtern, Abschaffung des Zölibats und Neustart in der Sexualmoral lauteten die Forderungen.

In seiner Festrede thematisierte der studierte Pädagoge jedoch die Frage „Bildung – immer noch wertvoll?“ und definierte Bildung für sich so: „Bildung ist ein Dienst an der Würde von Menschen, der an Kinder weitergegeben wird.“ Wert und Würde seien zu unterscheiden. „Der innere Wert ist die Würde eines Menschen“, sagte Mertes, der vier Punkte einer wertvollen Bildung festhielt. Einer davon: „Empathie beibringen“, forderte der Pater mit den Worten aus Levitikus, Kapitel 19: „Wenn bei Dir ein Fremder in Eurem Land lebt, sollt Ihr ihn nicht unterdrücken. Du sollst ihn lieben wie Dich selbst.“

Als zweiten Punkt unterschied Mertes Bildung und Ausbildung: „Man kann Menschen ausbilden, aber nicht bilden“, sagte er. „Wer sich bildet, strebt danach, etwas zu werden.“ Wer sich Wissen aneigne, begehre nach etwas und bereichere seine Kompetenzen. „Wir dürfen nicht aus alten Menschen neue machen“, forderte Mertes. „Schüler fragen mich im Unterricht oft: Was bringt mir das? Das ist bei Bildung keine Frage“, urteilte Mertes, denn es sei stets erstrebenswert, mehr Wissen anzusammeln.

Ferner sei Schule nach Worten von Mertes ein „Zwangssystem“, für das Schüler Disziplin und Durchhaltevermögen benötigten. Neben Bildung als Selbstzweck bedeute Bildung auch Selbstbildung: „Schüler wollen in Freiheit Erkenntnis gewinnen.“

Es gebe eine riesigen Unterschied dazwischen, zu erkennen und von Lehrern Gesagtes zu übernehmen. „Wir müssen den Schülern Vertrauen schenken, etwas selbst zu erkennen“, forderte der Pädagoge, „und es ist wichtig, dass sie Dinge infrage stellen. Nach dem Warum fragen.“ Außerdem entscheide die Lehrer-Schüler-Beziehung über den Erfolg von Bildung, denn „Lehrer benoten Schüler und nicht andersrum“, erläuterte Mertes. Dadurch käme es zu einer Macht-Dimension, die nicht auf Gegenseitigkeit beruhe. „Dabei liegt das Wohlwollen der Schüler bei der Lehrperson und nicht bei den Schülern.“

Pater Klaus Mertes ist der Neffe von Pfarrer Johannes Mertes aus der Pfarrei St. Josef in Merzig, der 1959 zum Vorsitzenden des Katholischen Volksbildungswerks gewählt wurde. Er hielt einen Vortrag. Foto: leis/Tina Leistenschneider

All diese vier Punkte vereint die CEB-Akademie, die junge Menschen auf eine Ausbildung vorbereitet, Menschen mittleren Alters hilft, einen beruflichen Neuanfang zu wagen, und Menschen mit Handicaps ermöglicht, „ganz normal am gesellschaftlichen und beruflichen Leben teilzuhaben“, sagte Eisenbarth. Getreu dem Leitgedanken: „Hilfe zur Selbsthilfe.“ Mertes hielt fest: „Deswegen ist es wichtig, dass es solche Institutionen wie die CEB gibt.“

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