CEB eröffnet Jubiläumsjahr zum 60-jährigen Bestehen mit Minister Commerçon

Hilbringen : „Die CEB begreift Bildung ganzheitlich“

Mit einem Vortrag zu den Herausforderungen für die Erwachsenenbildung hat Bildungsminister Ulrich Commerçon das Festjahr zum 60-jährigen Bestehen der CEB eröffnet.

Bildung endet nicht nach der Schule, der Hochschule und der Ausbildung. Die Menschen lernen heute ein Leben lang. Und da ist Weiterbildung immer mehr gefragt – aber auch gefordert, findet Bildungsminister Ulrich Commerçon. Mit einem Vortrag über „Neue Herausforderungen für die Erwachsenenbildung im gesellschaftlichen Wandel“ hat er das Festjahr zum 60-jährigen Bestehen der Christlichen Erwachsenenbildung (CEB) eröffnet. 100 Besucher und Gäste waren dazu in die CEB-Akademie nach Hilbringen kommen.

 „Als Pfarrer Mertes und seine Mitstreiter vor sechs Jahrzehnten die Christliche Erwachsenenbildung gründeten, waren sie überzeugt, dass sich aus der christlichen Soziallehre ein Anspruch auf Bildung und Teilhabe ergibt, der allen Bevölkerungsgruppen über ein ganzes Leben hinweg zusteht“, sagte Andreas Nikolaus Heinrich, stellvertretender Vorsitzender der CEB, der die Veranstaltung im Namen des CEB-Vorstandes eröffnete.

Seitdem habe die CEB viele weitere Aufgaben übernommen, darunter Integration, Inklusion und soziale Dienstleistungen. „Und dennoch: Bildung und im engeren Sinne Erwachsenenbildung ist bis zum heutigen Tag eine zentrale Säule des Wirkens der CEB und wird dies auch künftig bleiben“, sagte Heinrich.

 Vier große Herausforderungen nannte Bildungsminister Ulrich Commerçon für die Zukunft der Erwachsenenbildung: die Digitalisierung, die Grundbildung von Erwachsenen, den demografischen Wandel sowie zunehmend die Werteerziehung und politische Bildung. Die Digitalisierung, wohl die größte von ihnen, durchdringe alle Bereiche des Lebens. „Wir alle müssen uns immer wieder umstellen und Neues hinzulernen. Das lebensbegleitende Lernen hat hier seine zentrale Ursache“, sagte Commerçon. Digitale Lernformate bieten aber auch die Chance, sämtliche Gruppen der Gesellschaft anzusprechen. „Für Bildungsinteressierte bis hin zu Menschen aus bildungsfernen Umfeldern bieten digital gestützte Angebote einen neuen Zugang, sich weiterzubilden“, zeigte sich der Bildungsminister überzeugt. Die CEB habe hier schon Einiges getan, von der Ausstattung der Unterrichtsräume über die Nutzung von Lernplattformen bis zur digitalen Verwaltung. Auch wenn digitale Lernhilfen das Präsenzlernen nicht ersetzen, könnten sie die Angebote und Formate des Lernens bereichern.

 Aber was tun, wenn die grundlegenden Bedingungen fehlen, sich fortzubilden? Gemäß der LEO-Studie aus dem Jahr 2011 hat jeder siebte Deutsche Probleme mit Lesen und Schreiben. Minister Commerçon verwies auf zahlreiche Maßnahmen, die seitdem unternommen wurden, darunter Angebote in Berufsbildungszentren, im Strafvollzug und in Mehrgenerationenhäusern.

„Wir sehen aber auch, dass das eine Aufgabe bleibt, der sich die Erwachsenenbildung auf Dauer noch verstärkter widmen muss.“ Deshalb werde deutlich mehr in die Grundbildung investiert, der Etat erhöhte sich von anfangs 90 000 Euro auf heute mehr als eine halbe Million Euro. Aufgefallen sei zudem, dass einige nicht nur Probleme mit Lesen und Schreiben haben, sondern auch im alltäglichen Leben. Zum Beispiel dabei, verantwortungsvoll mit Geld umzugehen oder einen Haushalt zu führen. Hier will Commerçon ansetzen, indem die Lernerfolge von Schulen verbessert werden, etwa mit mehr Bildungsinhalten im vorschulischen Bereich und einer effektiven Berufsorientierung.

Auf die Erwachsenenbildung wirke sich auch die immer älter werdende Gesellschaft aus, sagte Ulrich Commerçon. „Die Lebenserfahrungen und die Lebenskultur der Generationen erfordern unterschiedliche Lernformen.“ Mit der Gründung der Seniorenakademie habe die CEB hier frühzeitig reagiert. „Mit der Digitalisierung gewinnt diese Herausforderung eine Dynamik, deren Entwicklung immer schneller zu neuen Aufgabenstellungen, aber auch Chancen führen wird. Wir benötigen Lernformate für ältere Menschen und für das Miteinander von Jung und Alt“, betonte der Minister.

 Das vierte Zukunftsthema sei eigentlich ein altbekanntes: die Werteerziehung und die politische Bildung. Die christliche Soziallehre, die das Menschenbild der CEB laut deren Leitbild begründet, lege die Werteerziehung als Grundlage allen Tuns fest. Dazu gehöre unter anderem Respekt voreinander, sein Gegenüber zu achten, Anderssein und Andersdenkende zu tolerieren.

„Angesichts des Aufkommens rechter Ideologien und Fremdenfeindlichkeit rückt die Werteerziehung gemeinsam mit politischer Bildung verstärkt in den Blickpunkt“, sagte Commerçon. Sie seien wesentlich für eine gelebte Demokratie, die immer wieder erlernt, erstritten und gelebt werden müsse. „Wenn wir unsere gemeinsamen Werte in Fortbildungen wie im Alltag lehren und leben, leisten wir den wirkungsvollsten Widerstand“, so der Minister.

Die CEB stelle sich diesen Herausforderungen. „Sie begreift Bildung ganzheitlich, widmet ihr Engagement der beruflichen, der allgemeinen, der politischen und der kulturellen Bildung – und dies in beachtenswertem Umfang. Das ist eine außerordentliche Leistung für unser Gemeinwesen“, betonte Bildungsminister Ulrich Commerçon.

Nach seinem Vortrag stellte sich Minister Ulrich Commerçon (rechts) unter der Moderation von Andreas Nikolaus Heinrich den Fragen aus dem Publikum. Foto: CEB/Ruth Hien

Der CEB-Vorsitzende Gisbert Eisenbarth griff Commerçons Worte zur wertorientierten Grundhaltung auf, die das Bildungsangebot wie ein roter Faden durchzieht. „Werte und Überzeugungen zu haben ist wichtig, dennoch kann das Angebot offen und modern gestaltet sein. Diesem Anspruch stellt sich die CEB seit 60 Jahren – und in der Zukunft!“, sagte Eisenbarth.

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