Bürgerversammlung in Bietzen zu Fragen rund um das Mühlental

Bürgerversammlung in Bietzen : Wie geht es weiter mit dem Mühlental?

Seit Wochen ist der Zugang zu dem Gebiet zwischen Bietzen und Menningen gesperrt. Grund: ein dramatisches Eschensterben.

Ist das Mühlental zwischen Bietzen und Menningen noch zu retten? Um diese Frage drehte sich vergangenen Donnerstag eine Bürgerversammlung im Dorfgemeinschaftshaus Bietzen mit dem Ortsvorsteher Manfred Klein und Bürgermeister Marcus Hoffeld sowie Jörg Konrad, Förster und Revierleiter. Bei einer routinemäßigen Überprüfung des Baumbestandes wurden nach Auskunft der Stadt Merzig an den Eschen im Mühlental dramatische Veränderungen bei der Vitalität festgestellt. Grund dafür ist der Pilz Falsches Weißes Stengelbecherchen, der mit seiner Nebenfruchtform erstmalig 2007 in Deutschland nachgewiesen wurde. Der Pilz befällt ausschließlich Eschen und führt so zu einem Eschentriebsterben (ETS), auch alte Bäume können durch den Erreger absterben. Wie ein Gutachten der Kreisstadt ergab, konnten bei 676 Eschen im betroffenen Bereich unterschiedliche Schadensstadien nachgewiesen werden.

Seit dem 9. August 2019 ist der Zugang zum Mühlental gesperrt, denn, wie Förster Jörg Konrad erläuterte, die Esche sei ein Baum, der abgestorbene Äste einfach abstößt. Auch der ganze Baum kann bei fortgeschrittenem Stadium des Krankheitsbefalls samt Wurzel einfach umkippen. „Man kann sich nicht sicher darauf einstellen, wann etwas fällt“, sagte Werner Gasper vom Forstamt der Stadt. Zwar erfolge das Betreten von Wald nach Ausführungen von Tobias Kreiselmeyer, Jurist und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Mühlental, rechtlich stets auf eigene Gefahr. Allerdings sehe die Kreisstadt laut Bürgermeister Marcus Hoffeld „auch eine moralische Verpflichtung“, die Bürger nicht in das Gefahrengebiet zu lassen.

Für Hoffeld ist das oberste Ziel, den Weg durch das Mühlental sicher zu gestalten. Dafür müssen jedoch die betroffenen Bäume gerodet werden. Dabei steht die Kreisstadt vor einem Problem: Bei dem betroffenen Bereich handelt es sich um ein enges Schluchtental, das in weiten Teilen nicht mit forstlicher Infrastruktur wie Rückengassen und Maschinenwegen ausgestattet ist, über die die Maschinen die zu fällenden Bäume erreichen könnten. Vom ETS betroffene Eschen müssen erschütterungsfrei eingeschlagen werden. „Daher raten bundesweit Forstbehörden und Sozialversicherungsträger bei einer notwendigen motormanuellen Fällung zum Schutz der eingesetzten Forstwirte, konsequent eine Forstseilwinde einzusetzen“, heißt es in einer Stellungnahme der Stadt. Allerdings gebe es laut Konrad auch dafür kaum Möglichkeiten, die Fahrzeuge entsprechend sicher zu fixieren, um die gefällten Bäume aus dem Wald zu ziehen.

Bürgermeister Marcus Hoffeld (r.) diskutierte mit den Bürgerinnen und Bürgern vom Bietzerberg über den Erhalt des Mühlentals. Foto: leis

„Mit konventioneller Forsttechnik ist das nicht zu machen“, sagte Jörg Konrad, durch das Herausziehen der Baumstämme sei der Schaden an der Topografie ebenfalls „immens“. Zudem komme eine Nutzung des eingeschlagenen Holzes nicht in Betracht, da die Waldfläche als Referenzfläche ausgewiesen ist. Die Forderung der Bürger zu erfüllen, die gefällten Bäume aus dem Wald zu holen, gestalte sich folglich als schwierig.

Ortsvorsteher Klein geht jedoch davon aus, dass etwa Bäume entlang des Hauptweges durch das Tal entfernt werden können. Für ihn ist das Mühlental ein Tal, „das uns Bietzerberger miteinander verbindet“, sagte Klein, „es ist unser gemeinsames Tal“. Wie Kreiselmeyer ausführte, gebe es im Mühlental keinen geregelten Holzeinschlag. „Dort stehen Parkbäume, Eschen und Streuobstbäume, die vielen Tieren als Brutholz dienen“, sagte Kreiselmeyer, etwas Vergleichbares kenne er nicht. Durch das geschlossene Blätterdach und den Bach sei dort ebenfalls das Mikroklima außergewöhnlich. Auch darum diene das Tal als Naherholungsort. Dieses zu erhalten und sicher betreten zu können, ist ein Anliegen des Naturschutzbeauftragten im Ort, gleichwohl bat er darum, „den unumgänglichen Eingriff so schonend wie möglich zu gestalten“ und „von Sperrungen und Kahlschlag abzusehen“.

Zu einem Ergebnis kam die Bürgerversammlung aber: Es soll versucht werden, einen verkehrssicheren Zugang zu gewährleisten, ohne den Eschenbestand in einem Schritt fällen zu müssen, sondern dies zeitlich verzögert entsprechend der Notwendigkeit durchzuführen. Hierbei bat Ortsvorsteher Klein seitens der Stadt um Transparenz.

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