Bürgerhaus in Mondorf wegen Sicherheitsmängeln geschlossen

14 Veranstaltungen abgesagt : Stadt macht das Bürgerhaus in Mondorf dicht

Mit sofortiger Wirkung hat die Stadt Merzig die Begegnungsstätte geschlossen. Geld für eine notwendige Sanierung sei derzeit nicht vorhanden.

Wenn Hermann Schmitz durch das Bürgerhaus in Mondorf geht, gibt es kaum eine Stelle, zu der er keine Anekdote erzählen kann. „Die Fliesen waren ein Restposten von V&B“, berichtet er im großen Saal des Bürgerhauses, „und die Theke haben wir von einem Gasthaus in Merzig bekommen.“ Anfang der 1990er Jahre hat der damalige Ortsvorsteher das Projekt in Angriff genommen, das leerstehende ehemalige Schulgebäude in ein Bürgerhaus umzuwandeln. „Ich habe in Eigenregie einfach angefangen“, erinnert er sich, die Dorfgemeinschaft hat mitgeholfen. Der Boden wurde neu gefliest, Wände herausgerissen, neue gemauert. 1994 schließlich eröffnete das Mondorfer Bürgerhaus.

Doch statt einer großen Feier zum 25-jährigen Bestehen gibt es schlechte Nachrichten: Das Bürgerhaus wurde kürzlich geschlossen. Mondorfs Ortsvorsteher Carsten Weber wurde am 12. Juli vonseiten der Stadt darüber informiert.

„Im Bürgerhaus in Mondorf wurden mehrfach Sicherheitsmängel festgestellt“, erläutert Dieter Ernst, erster Beigeordneter der Stadt Merzig. Erstmals aufgefallen seien die Mängel bereits 2017, eine Begehung im Juli dieses Jahres sei nun zu dem Ergebnis gekommen, „dass die Verkehrs- und Betriebssicherheit des Gebäudes nicht mehr gewährleistet ist“, erklärt er, und weiter: „In Folge dessen wurde entschieden, dass das Bürgerhaus in Mondorf nicht mehr genutzt werden darf.“ Für Schmitz als „Vater“ des Bürgerhauses und Vorsitzenden der Vereinsgemeinschaft ist die Schließung dieses Treffpunktes „eine absolute Katastrophe“. 14 bereits geplante Veranstaltungen seien abgesagt worden, darunter private Feiern genauso wie welche von Vereinen. Das Bürgerhaus diene dem Jugendclub als Treff, außerdem nutze eine Frauengymnastikgruppe die Räumlichkeiten. Zudem werde das Mobiliar im Ort benötigt. „Wir brauchen in Mondorf eine Begegnungsstätte“, betont er, „es gibt keine Alternative.“ So sieht das auch Weber: „Der Ort hat ohne Bürgerhaus keine Möglichkeit, sich zu treffen.“

Hermann Schmitz zeigt einen Sicherungskasten im Bürgerhaus, der erneuert werden muss. Foto: Barbara Scherer

Mittel für eine Alternative gebe es im Haushalt der Stadt Merzig derzeit nicht, erläutert Ernst die aktuelle Lage – und auch nicht für eine Sanierung. Die Haushaltshoheit obliege dem Stadtrat, erklärt er weiter. Dieser müsse in einer seiner kommenden Sitzungen die Sanierung beschließen und die entsprechenden Gelder im Haushalt der Kreis­stadt Merzig veranschlagen.

Für eine komplette Sanierung des Bürgerhauses und der angeschlossenen Hausmeisterwohnung seien nach Worten von Ernst mittel- und langfristige Investitionen von rund 500 000 Euro notwendig. „Dabei wurden allein für die sicherheitsrelevanten Sofortmaßnahmen nur für das Bürgerhaus Investitionskosten in Höhe von circa 155 000 Euro veranschlagt.“

Als „astronomische Summen“ bezeichnet Schmitz die Zahlen, die Ernst auch kürzlich im Ortsrat präsentiert hat. Laut Stadt liegen die größten Sicherheitsmängel im statischen Bereich, in der Elektroanlage und im Brandschutz. „Statisch ist nichts einzuwenden“, findet Schmitz. Haupt-Kritikpunkt sei der Keller, dessen Decke seit zwei Jahren abgestützt werde. Aber, befindet Schmitz: „Da kommt niemand rein und die Sicherheit ist gewährleistet.“

Er räumt ein, dass es viele kleinere Sachen zu machen gebe. So seien zum Beispiel die Vorhänge nicht brandsicher und die Notausgangs-Schilder nicht beleuchtet – „aber das sind Kinkerlitzchen“, findet er. Auch die Erneuerung der Elektronik in einem der Schaltkästen stelle seiner Meinung nach keinen großen Kostenfaktor dar: „Man muss die Sicherungen ersetzen und dann hat es sich.“

Schmitz will sich mit dem Schicksal des Bürgerhauses nicht abgeben. „Ich will, dass das Gebäude erhalten bleibt und dass die Sicherheitsmängel behoben werden“, sagt er. Deshalb plane er, eine Bürgerinitiative (BI) zu gründen. „Das Bürgerhaus ist eine meiner Lebensaufgaben“, betont der 75-Jährige. Und die will er nicht so einfach aufgeben. „Wir müssen jetzt überlegen, wie es weitergeht“, ergänzt Weber. Aufgrund des Zeitpunkts der Schließung sei es derzeit schwer, zu agieren – denn sowohl der Stadtrat als auch der Ortsrat seien in der Sommerpause.

Dem Ortsvorsteher liegt es besonders am Herzen, für den Jugendclub eine Lösung zu finden. „Es ist das aktivste Jugendzentrum auf der linken Saarseite“, betont Carsten Weber. Zwar gebe es die Möglichkeit, die Jugendlichen im Sportlerheim unterzubringen, aber aufgrund der Größe und der Lage sei der Standort im Bürgerhaus „optimal“ für sie.

Einen Hoffnungsschimmer gibt es zumindest für die Jugendlichen noch: Denn der Teil des Gebäudes, den die jungen Leute nutzen, ist nach Worten von Weber vom Gros der Sicherheitsbedenken nicht betroffen. Laut Ernst wurde auch bereits eine Lösung vorgeschlagen, damit die entsprechenden Räume noch eine Weile – allerdings nicht auf Dauer – weiter genutzt werden können. „Es soll ein Termin mit der Unteren Bauaufsicht stattfinden“, kündigt Weber an. Danach könne entschieden werden, ob die angedachte Lösung tatsächlich umgesetzt werden könne.

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