Literarischer Spaziergang: Blicke ins Leben eines großen Literaten

Literarischer Spaziergang : Blicke ins Leben eines großen Literaten

Auf einem Stadtspaziergang durch Merzig wandelten die Teilnehmer auf den Spuren von Gustav Regler.

Auf den Spuren von Gustav Regler sind rund 60 Menschen bei einem literarischen Stadtspaziergang in Merzig gewandelt. Hierzu hatte die Peter-Imandt-Gesellschaft mit Hilfe der Buchhandlung Rote Zora eingeladen. „Die Veranstaltung war schon im Voraus ausgebucht“, erzählt Ingrid Röder, Mitinhaberin der Roten Zora, begeistert. An einigen der sechs Stationen seien zudem Passanten spontan hinzugekommen und hätten den Lesungen und Erklärungen vor Ort gelauscht. So gab es am Stadthaus eine Einführung in Werk und Leben des Autors durch Annemay Regler-Repplinger, die Nichte des Autors. An weiteren Stellen ging es um Reglers Leben – seine Flucht aus Deutschland, seine Rückkehr an die Saar und auch die Zeit im spanischen Bürgerkrieg.

Das Thema, präsentiert vom Autor Max Hewer, habe nach Worten von Röder für „spannende Diskussionen“ gesorgt. Kritische Stimmen gegenüber Regler habe es vor Ort aber nicht gegeben – ganz anders als im Vorfeld der Veranstaltung. Denn einige Tage vor dem Spaziergang ist ein Aushang an der Roten Zora aufgetaucht, wie Patric Bies von der Imandt-Gesellschaft mitteilt. „Gegen das Verschweigen“ ist das offenkundig auf einer Schreibmaschine entstandene Flugblatt überschrieben.

Als einen „Gast aus der Hölle“ bezeichnet der unbekannte Verfasser Regler, nennt ihn unter anderem „roten Antichrist“ und behauptet, der Autor habe „gemeinsam mit dem Gefreiten Adolf H. aus B.“ während des Ersten Weltkriegs im gleichen Schützengraben gekämpft.

Dass dieses Flugblatt anlässlich von Regler-Veranstaltungen auftauche, sei schon seit einigen Jahren so, weiß Patric Bies von der Peter-Imandt-Gesellschaft. Den Urheber kennt er nicht, vermutet aber, dass er aus katholisch-konservativen Kreisen stamme. „Ich würde das aber nicht überbewerten“, betont er. „Da dreht jemand Sachen so, wie er sie gerade braucht“, befindet Röder zum Inhalt des Schreibens, das ihrem Eindruck nach von einer Einzelperson verfasst wurde.

Gustav Regler auf einem Porträt um das Jahr 1960. Foto: Nauhauser; Marc

„Der Inhalt ist so schräg, dass man es gar nicht ernst nehmen kann“, sagt Regler-Repplinger. „Es ist nur bedingt eine Kritik an Regler selbst“, meint sie, denn eine sachliche Auseinandersetzung sei nicht gegeben. Aus welchem Grund jemand ein solches Schreiben verfasse, darüber habe sie bereits gerätselt. Zum Autor der Zeilen hat sie keine Vermutung. Dass es sich dabei um einen älteren Mann handelt, weiß Heike Wagner von der Stadt Merzig. Einmal habe er ihr eins der Flugblätter persönlich übergeben. „Früher wurde Regler zwiespältig rezipiert“, erklärt sie. Doch mittlerweile habe eine Ausdifferenzierung der Rezeption stattgefunden – vor allem in der Heimat, wo es für ihn lange keinen Raum gab. Weltweit gelte er schon lange als „großer Literat“.